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Die Integration künstlicher Intelligenz in industrielle Prozesse und die Produktentwicklung schreitet rasant voran. Insbesondere im Bereich der physikalischen Simulationen verspricht KI eine signifikante Beschleunigung. Siemens, ein führendes Unternehmen in Industrie, Infrastruktur und Mobilität, hat mit seiner Simcenter PhysicsAI-Technologie beeindruckende Fortschritte erzielt. Diese ermöglicht es, Designvariationen bis zu 1.000 Mal schneller zu untersuchen als mit traditionellen Simulationsmethoden. Dennoch betont Siemens die unverzichtbare Rolle des Menschen, insbesondere bei sicherheitskritischen Anwendungen.
Die von Siemens entwickelte Simcenter PhysicsAI ist eine Software für geometrisches Deep Learning, die darauf ausgelegt ist, Designvorhersagen erheblich zu beschleunigen. Anstatt physikalische Berechnungen jedes Mal von Grund auf neu durchzuführen, lernt ein Surrogatmodell aus historischen Simulationsdaten und prognostiziert die Ergebnisse für neue Designs. Dies sind Schätzungen, die in Sekundenschnelle erstellt werden, im Gegensatz zu den zeitaufwendigen vollständigen Berechnungen traditioneller Solver.
Die bemerkenswerte Geschwindigkeit, die Simcenter PhysicsAI bietet, ist für die frühe Phase der Designexploration von großem Wert. Ingenieure können Tausende von Designvarianten in kürzester Zeit bewerten, um vielversprechende Konzepte zu identifizieren. Sam Mahalingam, der bei Siemens Digital Industries Software für diesen Geschäftsbereich verantwortlich ist, stellt jedoch klar, dass diese Technologie nicht für die finale Freigabe sicherheitskritischer Bauteile vorgesehen ist. Seine Aussage, dass die Technologie "nicht gut für sicherheitskritische Anwendungen" sei, unterstreicht die klare Grenze, die Siemens zieht.
Die Genauigkeit der KI-Modelle wird von Siemens mit einer Abweichung von 1% bis 3% im Vergleich zu physikbasierten Solvern angegeben, sofern ausreichend Daten für das Training vorhanden sind. Diese Präzision ist für die Vorselektion von Designs ausreichend, aber nicht für die Zertifizierung von Komponenten, bei denen Menschenleben auf dem Spiel stehen könnten. Die Physik-KI dient somit als Filter, der den Explorationsprozess optimiert, aber nicht den Validierungsprozess ersetzt. Erst nach einer detaillierten physikbasierten Simulation und menschlicher Prüfung werden Designs für die Fertigung freigegeben.
Ein wesentlicher Aspekt der Physik-KI ist ihre Abhängigkeit von Trainingsdaten. Viele der von Siemens präsentierten Erfolgsbeispiele basieren auf synthetischen Daten, die durch Siemens' eigene Solver generiert wurden. Dies wirft die Frage auf, ob die KI jemals besser sein kann als die Simulationen, die sie trainiert haben. Mahalingam bestätigt diese Abhängigkeit und erklärt, dass das Surrogatmodell nur so gut ist wie die zugrunde liegende Simulation. Wenn keine initialen Daten vorhanden sind, werden diese zunächst mit Tools wie Simcenter HEEDS und Simsolid generiert, bevor das Physik-KI-Modell trainiert wird.
Um Fehlinterpretationen zu vermeiden und die Zuverlässigkeit der KI zu gewährleisten, hat Siemens "Guardrails" implementiert. Diese Schutzmechanismen stellen sicher, dass das Modell keine Vorhersagen für Designbereiche trifft, die es nie zuvor gesehen hat. Sollte ein Ingenieur versuchen, ein radikal anderes Design zu bewerten, das außerhalb des Trainingsbereichs des Modells liegt, würde die KI dies melden und angeben, dass sie keine zuverlässige Vorhersage treffen kann. Dies verhindert, dass Ingenieure unbeabsichtigt fehlerhafte Entscheidungen treffen.
Die offene Kommunikation von Siemens über die Grenzen der Physik-KI ist ein strategischer Schritt in einem Markt, der oft von überzogenen Versprechungen geprägt ist. Indem Siemens klar definiert, wo die Technologie an ihre Grenzen stößt – sicher für die Exploration, aber nicht für die finale Freigabe; leistungsstark mit Daten, aber nutzlos außerhalb ihres Trainingsbereichs – baut das Unternehmen Vertrauen auf. Es positioniert die Physik-KI als ein leistungsstarkes Werkzeug zur Beschleunigung und Erweiterung der Designexploration, ohne dabei die Notwendigkeit menschlicher Validierung zu untergraben.
Roland Busch, der CEO von Siemens, hat wiederholt betont, dass menschliche Aufsicht in der Fertigung weiterhin entscheidend ist. Er weist darauf hin, dass "Halluzinationen" in der Produktion keine Option sind, was die Null-Fehler-Toleranz in industriellen Anwendungen unterstreicht. Die von Siemens verfolgte Strategie, Agenten-KI mit Vorsicht zu implementieren und Governance über Hype zu stellen, spiegelt diese Haltung wider. Das Unternehmen setzt auf kontrollierte Tests und strenge Protokolle, um Sicherheit und Zuverlässigkeit in kritischen industriellen Umgebungen zu gewährleisten.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Siemens mit seiner Physik-KI nicht nur die Geschwindigkeit von Ingenieursimulationen revolutioniert, sondern auch einen pragmatischen und verantwortungsvollen Ansatz im Umgang mit Künstlicher Intelligenz in sicherheitskritischen Kontexten demonstriert. Die Technologie erweitert die Möglichkeiten der Designexploration erheblich, doch die finale Entscheidung und Verantwortung bleibt beim menschlichen Experten.
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