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Napoleons Marmont-Brief: Was GPT-6 Astra tatsächlich entschlüsselte

Mindverse News

KI-gestützt erstellt 5 Quellen Originalmeldung: t3n.de Arbeitsweise

KI-generierte Illustration: Napoleons Marmont-Brief: Was GPT-6 Astra tatsächlich entschlüsselte
KI-generierte Illustration

Das Wichtigste in Kürze

  • Carter Church zufolge rekonstruierte GPT-6 Astra in rund sechs Stunden den verschlüsselten Inhalt eines Briefs aus dem Jahr 1809 an General Marmont. [1][2]
  • Die KI startete nicht bei null: Eine zuvor veröffentlichte Teiltabelle ordnete bereits 33 Zeichenwerte zu und erklärte 435 von etwa 1.300 Chiffreeinheiten. [2][4]
  • Der Arbeitsablauf verband das Lesen eines Scans mit der Analyse einer historischen Substitutionschiffre, statistischer Suche und dem Abgleich mit französischen Texten. [1][4]
  • Ein Spezialist für historische Kryptografie prüfte die Lösung; zugleich bleibt Napoleons exakter Wortlaut laut t-online durch den Brief nicht belegt. [2]
  • Der Fall zeigt ein Potenzial für die Analyse historischer Dokumente, ist aber kein Nachweis, dass heutige moderne Verschlüsselungsverfahren gebrochen werden können. [2][4]
// Inhalt · 9 Abschnitte
  1. Eine alte Chiffre, ein neuer Arbeitsablauf
  2. Der Brief stammt aus der Krise von 1809
  3. Warum die Chiffre schwer zu lesen war
  4. Vom Scan zur möglichen Lesart
  5. Was im Brief steht
  6. Prüfung und Grenzen der Rekonstruktion
  7. Was Unternehmen aus dem Fall ableiten können
  8. Kein Beleg für das Brechen moderner Verschlüsselung
  9. Ein historischer Fund mit klar umrissener Aussagekraft
  10. Quellen

Eine alte Chiffre, ein neuer Arbeitsablauf

Ein verschlüsselter Brief aus Napoleons Umfeld ist nach mehr als zwei Jahrhunderten entziffert worden. Der Entwickler Carter Church setzte nach eigenen Angaben GPT-6 Astra von OpenAI ein. Der Brief war an den französischen General Auguste de Marmont gerichtet; die Rekonstruktion dauerte dem Bericht zufolge rund sechs Stunden. t3n berichtet über Churchs Ergebnis, und auch t-online sowie Euronews schildern den Vorgang. [1][2][3]

Der Fall ist nicht nur wegen des Alters des Dokuments bemerkenswert. Die Arbeit umfasste mehrere Aufgaben, die üblicherweise getrennt bearbeitet werden: ein historisches Schriftbild erfassen, Zeichen zusammenführen, eine Chiffre analysieren und mögliche Lesarten anhand der französischen Sprache prüfen. Nach der Darstellung Churchs erledigte das Modell diese Schritte in einem zusammenhängenden Ablauf. Das belegt zunächst einen konkreten Arbeitsversuch, nicht eine allgemeine Erfolgsquote für historische Kryptografie. [2][3][4]

  • Das Modell wird in den Berichten als GPT-6 Astra bezeichnet; die Entschlüsselung wird Church zugeschrieben, der bei SentinelOne arbeitet. [1][2][5]
  • Die Zeitangabe von ungefähr sechs Stunden stammt aus Churchs Darstellung und wird von den Medienberichten wiedergegeben. [1][2][3]

Der Brief stammt aus der Krise von 1809

Das Schreiben entstand im Hauptquartier von Eugène de Beauharnais, Napoleons Stiefsohn und Vizekönig von Italien. Napoleon hatte Eugène am 16. März 1809 angewiesen, Marmont verschlüsselt über die Stellungen französischer und verbündeter Truppen zu informieren. Marmont führte seine Einheiten in Dalmatien, dem heutigen Kroatien, und war von den übrigen französischen Kräften getrennt. [2][3][5]

Der militärische Kontext war der erwartete Krieg mit Österreich. Der Brief sollte Marmont ein Lagebild der Armeen geben und ihn auf einen möglichen Einsatz vorbereiten. Österreich überschritt nach t-online am 10. April den Inn und begann damit den Krieg. Die Entzifferung liefert damit Einblick in eine konkrete Kommunikationsaufgabe kurz vor der österreichischen Offensive, nicht lediglich in ein abstraktes Rätsel. [2][3]

Die Datierung des Dokuments wurde ebenfalls korrigiert. Eine frühere Veröffentlichung beziehungsweise Katalogisierung hatte den Brief auf 1807 gesetzt. Church ordnete ihn anhand des Inhalts und des napoleonischen Briefwechsels dem Frühjahr 1809 zu; der Kryptografie-Historiker Satoshi Tomokiyo prüfte die Lösung und führt den Fall laut t-online nun als gelöst und auf 1809 datiert. [2][4]

Warum die Chiffre schwer zu lesen war

Als Ausgangsmaterial diente laut t-online ein einzelner Scan einer französischen Militärzeitschrift aus dem Jahr 1969. Das Dokument enthält ungefähr 1.300 Chiffreeinheiten und 155 unterschiedliche Zeichen. Der Scan zeigt neben Zahlen und einzelnen Buchstaben auch eigens gezeichnete Symbole. [2][3]

Die Verschlüsselung wird in der ausführlicheren Darstellung als homophone Substitution beschrieben. Bei einem solchen Verfahren kann ein Buchstabe durch mehrere verschiedene Zeichen dargestellt werden. Dadurch lässt sich die Häufigkeitsanalyse, die bei einfachen Ersetzungen oft erste Hinweise liefert, weniger direkt anwenden. Die verschiedenen Zeichen müssen zudem zuverlässig erkannt und ihre möglichen Bedeutungen im Zusammenhang des gesamten Textes bewertet werden. [1][4]

Wichtig ist die menschliche Vorarbeit: Kryptografen hatten zuvor 33 Zeichenwerte bestimmt. Diese Teiltabelle erklärte laut t-online 435 der rund 1.300 Einheiten; Pasquale Pillitteri beziffert den Anteil ebenfalls auf etwa ein Drittel. Die KI musste also einen erheblichen Rest rekonstruieren, aber nicht ohne verwertbare Ausgangsinformationen beginnen. [1][2][4]

Vom Scan zur möglichen Lesart

Churchs Vorgehen begann mit der Erfassung und Ordnung des Bildmaterials. In seiner von Euronews wiedergegebenen Beschreibung trennte Astra die Tafel in Zeilen, las die Zeichen und erkannte, dass mehrere handgezeichnete Formen dasselbe Zeichen darstellen konnten. Die Angaben unterscheiden sich in der Zählweise: Die Berichte nennen 155 unterschiedliche Symbole; Churchs beschriebener Arbeitsschritt bezog sich auf eine größere Zahl handgezeichneter Formen, die zu diesen Symboltypen zusammengeführt wurden. [2][3][4]

Für die Suche nach einem Schlüssel nutzte das System ein Verfahren namens simulierte Abkühlung. Dabei werden mögliche Zuordnungen schrittweise ausprobiert und bewertet; gelegentlich wird auch ein zunächst schlechterer Schritt zugelassen, damit die Suche nicht zu früh bei einer lokalen Lösung stehen bleibt. Die Kandidaten wurden anhand von Mustern französischer Texte beurteilt. t3n nennt Werke französischer Literatur und Briefe Marmonts als Material; die detailliertere Darstellung führt unter anderem Texte von Victor Hugo und Alexandre Dumas sowie Marmonts Memoiren an. [1][4]

Church zufolge schrieb die KI auch den erforderlichen Programmcode und prüfte die entstehenden Lesarten gegen weitere Vorkommen der Zeichen. Die technische Leistung lag damit laut Berichten nicht allein im bekannten Suchverfahren, sondern in dessen Verbindung mit Transkription, Zeichenabgleich und Sprachbewertung. Das ist eine Beschreibung dieses Einzelfalls; unabhängige Vergleichstests, die den Ablauf gegen andere Verfahren messen, enthalten die vorliegenden Quellen nicht. [2][4]

Was im Brief steht

Der entzifferte Text ist ein militärischer Lagebericht. Er nennt Stellungen französischer und verbündeter Truppen und beschreibt auch Kräfte auf österreichischer Seite. Die Zahlen sollten Marmont einen Überblick über die militärische Lage geben, während seine eigenen Einheiten in Dalmatien vom Hauptheer getrennt waren. [2][3][5]

t-online nennt unter anderem 40.000 bayerische Soldaten bei München und Passau, 80.000 Franzosen bei Bayreuth sowie 60.000 Mann bei Ulm und Donauwörth. Außerdem führt der Bericht ein Elitekorps von 40.000 Mann bei Augsburg und am Lech auf. Diese Angaben werden hier als Inhalt der rekonstruierten Lesung wiedergegeben, nicht als unabhängig neu überprüfte Truppenstatistik. [2]

Der Brief enthält zudem eine Aufforderung an Marmont, sich nicht von gegnerischen Truppen einschüchtern zu lassen. Der historische Wert liegt damit sowohl in den genannten Stellungen als auch in der Übermittlung einer strategischen Einschätzung aus Napoleons Hauptquartier. Die Quellen berichten außerdem, dass die Rekonstruktion eine Passage ergänzt, an der eine gedruckte Fassung von Napoleons Befehl aus dem Jahr 1865 abbricht. Church weist laut t-online jedoch darauf hin, dass der Brief den Befehl nur sinngemäß wiedergibt und daher nicht Napoleons exakten Wortlaut belegt. [2][3][5]

Prüfung und Grenzen der Rekonstruktion

Die Lösung ist nicht ausschließlich durch Churchs eigene Darstellung belegt. t-online berichtet, dass der Kryptografie-Historiker Satoshi Tomokiyo die Entschlüsselung geprüft hat und Cryptiana, die von ihm betreute Plattform für historische Chiffren, den Brief inzwischen als gelöst führt. Das ist eine externe fachliche Prüfung der Lösung, aber kein Beleg dafür, dass jede einzelne historische Interpretation oder jede Formulierung des rekonstruierten Textes zweifelsfrei feststeht. [2][3]

Die Quellen unterscheiden sich darin, wie ausführlich sie verbleibende Unsicherheiten behandeln. Die von Pillitteri referierte Dokumentation Churchs lässt bei fünf nur einmal vorkommenden Zeichen mehrere Deutungen offen. Demnach verändern diese Alternativen den operativen Kern des Briefes nicht. Diese Einschränkung stammt aus der Darstellung von Churchs Bericht; t-online bestätigt unabhängig die Prüfung der Gesamtlösung, führt diese einzelnen Mehrdeutigkeiten aber nicht aus. [2][4]

Auch die Frage, ob ein Sprachmodell bereits bekannte Textfragmente reproduziert haben könnte, wird in der ausführlicheren Darstellung behandelt: Church ließ den Versuch nach eigenen Angaben erneut laufen, nachdem einschlägige napoleonische Texte aus dem verfügbaren Material entfernt worden waren, und erhielt dieselbe Lesung. Das ist ein nachvollziehbarer Kontrollschritt laut Churchs Bericht, jedoch kein unabhängiger Test sämtlicher möglicher Datenquellen des Modells. [4][5]

Was Unternehmen aus dem Fall ableiten können

Für Unternehmen und Institutionen mit umfangreichen historischen oder schwer zugänglichen Dokumentbeständen ist vor allem die Kombination der Arbeitsschritte relevant. Ein System, das Bilder erfasst, Zeichen klassifiziert, ein Suchprogramm erstellt und Ergebnisse sprachlich einordnet, könnte die Vorprüfung solcher Bestände unterstützen. Der Marmont-Brief zeigt allerdings nur einen dokumentierten Einzelfall mit einer bereits bekannten Teiltabelle und einem historischen Text, für den französische Vergleichsmaterialien verfügbar waren. [2][4]

Für einen produktiven Einsatz wären daher zusätzliche Kontrollen nötig: etwa die Qualität der Transkription, die Herkunft verwendeter Vergleichstexte, die Reproduzierbarkeit des Codes und eine fachliche Prüfung der vorgeschlagenen Lesart. Diese Anforderungen sind eine Analyse der im Fall sichtbaren Abhängigkeiten: Ein Fehler beim Erkennen eines Zeichens kann die spätere Schlüsselrekonstruktion beeinflussen, und ein sprachlich plausibler Text ist nicht automatisch historisch korrekt. Die Berichte dokumentieren keine standardisierte Qualitätsmessung oder eine unabhängige Replikation des vollständigen Arbeitsablaufs. [2][4]

Die genannte Bearbeitungszeit von sechs Stunden ist deshalb kein belastbarer Maßstab für Kosten oder Durchsatz in anderen Projekten. Die Quellen nennen weder vergleichbare Testfälle noch den Aufwand für die Vorbereitung der Ausgangsdaten, die Vorarbeit früherer Kryptografen oder eine umfassende manuelle Prüfung. Für Organisationen lässt sich daraus eher eine Evaluierungsfrage ableiten: Bei welchen Beständen kann ein solcher Ablauf die Sichtung beschleunigen, ohne die Verantwortung für Quellenkritik und Verifikation an das Modell abzugeben? [1][2][4]

Kein Beleg für das Brechen moderner Verschlüsselung

Der Erfolg sollte nicht als Nachweis interpretiert werden, dass GPT-6 Astra aktuelle Verschlüsselungsverfahren knacken kann. Gegenstand war eine historische, sprachbasierte Substitutionschiffre mit wiederkehrenden Mustern und einer bekannten Teiltabelle. Die Quellen berichten weder von einem Angriff auf moderne kryptografische Systeme noch von einem entsprechenden Test. [2][4]

Der Fall macht dennoch eine allgemeine Dual-Use-Frage sichtbar: Automatisierte Mustererkennung und mehrstufige Analyse können sowohl bei legitimer Archivarbeit als auch in anderen technischen Zusammenhängen eingesetzt werden. CTech hebt diese mögliche Doppelverwendung hervor. Aus der Napoleon-Chiffre allein lässt sich aber keine konkrete Aussage zur Leistungsfähigkeit des Modells gegen heutige Verschlüsselung oder zu einem daraus entstandenen Sicherheitsrisiko ableiten. [5]

Ein historischer Fund mit klar umrissener Aussagekraft

Die Entzifferung erweitert die verfügbare Kenntnis über Napoleons Kommunikation mit Marmont und korrigiert die bisherige Datierung des Briefes. Zugleich hängt das Ergebnis von mehreren Bausteinen ab: einem veröffentlichten Scan, menschlicher Vorarbeit bei der Zuordnung von Zeichen, einem statistischen Suchverfahren und der Prüfung der Lesung. Dass ein externer Spezialist die Chiffre als gelöst führt, stärkt den Befund; es hebt die dokumentierten Grenzen bei einzelnen Zeichen und beim exakten Wortlaut aber nicht auf. [2][3][4]

Für die KI-Praxis ist der Fall damit weniger ein Beleg für eine einzelne neuartige Entschlüsselungsmethode als für die Integration unterschiedlicher Arbeitsschritte in einem Workflow. Ob dieser Ansatz auf andere historische Chiffren übertragbar ist, hängt unter anderem davon ab, ob vergleichbare Vorarbeiten, geeignetes Sprachmaterial und überprüfbare Ausgangsdokumente vorliegen. Die verfügbaren Berichte liefern dafür einen interessanten Fall, aber keine allgemeine Leistungsbilanz. [2][4]

Quellen

  1. [1] Napoleon-Brief entschlüsselt: KI knackt 217 Jahre alten Geheimcode — https://t3n.de/news/napoleon-brief-ki-entschluesselt-geheimcode-1766406 (abgerufen am 2026-10-18)
  2. [2] Nach 217 Jahren: ChatGPT Astra entschlüsselt einen alten Napoleon-Brief — https://www.t-online.de/digital/aktuelles/id_101462720/nach-217-jahren-chatgpt-astra-entschluesselt-einen-alten-napoleon-brief.html (abgerufen am 2026-10-18)
  3. [3] KI entschlüsselt 217 Jahre alten Brief von Napoleon in sechs Stunden | Euronews — https://de.euronews.com/2026/10/02/ki-entschlusselt-217-jahre-alten-napoleons-brief-in-sechs-stunden (abgerufen am 2026-10-18)
  4. [4] GPT-6 Astra entdeckt den Inhalt von Napoleons verschlüsseltem Brief an Marmont — https://pasqualepillitteri.it/de/news/20401/gpt-6-astra-napoleon-geheimbrief-marmont (abgerufen am 2026-10-18)
  5. [5] SentinelOne AI researcher uses GPT-6 Astra to crack Napoleon cipher after 217 years | Ctech — https://www.calcalistech.com/ctechnews/article/h1dthf69mg (abgerufen am 2026-10-18)

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