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Liquid AI beschleunigt multimodales LFM2.5-VL-Modell mit spekulativem Decoding

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KI-gestützt erstellt 8 Quellen Arbeitsweise

Liquid AI beschleunigt multimodales LFM2.5-VL-Modell mit spekulativem Decoding
Symbolbild

Das Wichtigste in Kürze

  • Liquid AI hat mit LFM2.5-VL-DSpark ein experimentelles Entwurfsmodell für das multimodale Modell LFM2.5-VL-3B veröffentlicht.
  • Die Lösung nutzt spekulatives Decoding, um mehrere Token vorab vorzuschlagen und sie anschließend durch das eigentliche Modell zu prüfen.
  • Nach Angaben des Anbieters steigt die Decoding-Geschwindigkeit auf Edge-Geräten um bis zu 3,13-fach und auf H100-GPUs um bis zu 2,66-fach.
  • Die gemessene Beschleunigung der vollständigen Verarbeitung fällt geringer aus: bis zu 2,62-fach auf dem Gerät und bis zu 2,27-fach auf der H100-GPU.
  • Der zusätzliche Speicherbedarf bleibt laut Liquid AI begrenzt. Das Entwurfsmodell umfasst rund 280 Millionen Parameter und erhöht die Modellgröße um etwa 8,9 Prozent.
  • Unterstützt werden zum Start llama.cpp, MLX-VLM und SGLang. Die Modelle stehen auf Hugging Face in Safetensors- und GGUF-Formaten zur Verfügung.
  • Für Unternehmen ist entscheidend, dass die Technik vor allem die Generierungsphase beschleunigt. Bildkodierung und Prefill bleiben weitgehend unverändert und können den Gesamtnutzen begrenzen.
// Inhalt · 14 Abschnitte
  1. Ein neuer Beschleunigungsansatz für multimodale KI
  2. Was hinter LFM2.5-VL-3B steht
  3. Spekulatives Decoding verständlich erklärt
  4. Wie der DSpark-Drafter für Bilder und Text arbeitet
  5. Begrenzter zusätzlicher Modellumfang
  6. Gemeldete Geschwindigkeitsgewinne
  7. Warum die Gesamtbeschleunigung geringer ausfällt
  8. Unterstützte Laufzeitumgebungen
  9. Was Unternehmen vor dem Einsatz prüfen sollten
  10. Qualität, Determinismus und Validierung
  11. Potenzielle Anwendungsfelder
  12. Einordnung in die Entwicklung effizienter KI-Modelle
  13. Offene Fragen für die Praxis
  14. Fazit
  15. Quellen

Ein neuer Beschleunigungsansatz für multimodale KI

Multimodale Modelle, die Bilder und Text gemeinsam verarbeiten, gelten als wichtige Grundlage für zahlreiche Anwendungen in Unternehmen. Sie analysieren Dokumente, beantworten Fragen zu Fotos und Diagrammen, erkennen Objekte, extrahieren Text aus Bildern oder unterstützen Mitarbeitende bei der visuellen Qualitätskontrolle. Gleichzeitig stellen sie höhere Anforderungen an Hardware und Laufzeitumgebungen als reine Sprachmodelle.

Liquid AI will diese Hürde mit einem neuen Ansatz für die Inferenz senken. Das Unternehmen hat am 24. September 2026 ein experimentelles DSpark-Entwurfsmodell für sein Vision-Language-Modell LFM2.5-VL-3B veröffentlicht. Ziel ist nicht, das eigentliche multimodale Modell zu ersetzen oder dessen Qualität neu zu trainieren. Stattdessen soll ein kleineres Zusatzmodell die nächste Tokenfolge vorhersagen. Das größere Zielmodell überprüft diese Vorschläge anschließend.

Der Ansatz gehört zur Familie des spekulativen Decodings. Er soll die Generierung von Antworten beschleunigen, ohne die Ausgaben des Zielmodells zu verändern. Liquid AI berichtet je nach Hardware und Aufgabe von deutlichen Verbesserungen bei der Decoding-Geschwindigkeit. Die vollständige Latenz einer Anwendung steigt jedoch nicht im gleichen Maß, weil andere Verarbeitungsschritte von der Methode unberührt bleiben.

Was hinter LFM2.5-VL-3B steht

LFM2.5-VL-3B ist eine multimodale Variante der LFM2.5-Modellfamilie. Nach den veröffentlichten Modellinformationen verarbeitet das System sowohl Text als auch Bilder. Als Sprachmodell dient LFM2.5-2.6B, ergänzt um einen SigLIP2-NaFlex-Bildencoder. Die Architektur ist auf effiziente Ausführung ausgerichtet und soll insbesondere für lokale oder gerätenahe Szenarien geeignet sein.

Zu den von Liquid AI genannten Einsatzfeldern gehören unter anderem visuelle Frage-Antwort-Aufgaben, Texterkennung in Bildern, Bildbeschreibung, die Analyse von Diagrammen und komplexere Schlussfolgerungen auf Grundlage visueller Informationen. Die Modellkarte nennt zudem Verbesserungen bei der Verankerung von Objekten in Bildinhalten sowie bei der seitenweiten Texterkennung mit Layoutinformationen.

Die Bezeichnung „3B“ verweist auf die Größenordnung des Zielmodells von rund drei Milliarden Parametern. Das ist deutlich kleiner als viele große multimodale Modelle, die vorwiegend in Rechenzentren betrieben werden. Für Unternehmen kann ein kompakteres Modell interessant sein, wenn Daten nicht an externe Dienste übertragen werden sollen, wenn Netzwerklatenzen kritisch sind oder wenn Anwendungen direkt auf Laptops, Industriecomputern und anderen Edge-Systemen laufen müssen.

Spekulatives Decoding verständlich erklärt

Bei der herkömmlichen autoregressiven Textgenerierung berechnet ein Sprachmodell die Ausgabe Token für Token. Nach jedem generierten Token wird erneut ermittelt, wie die Sequenz fortgesetzt werden soll. Dieser Ablauf ist insbesondere in der Decoding-Phase häufig speichergebunden: Modellgewichte müssen wiederholt aus dem Speicher geladen werden, obwohl pro Schritt vergleichsweise wenig neue Rechenarbeit anfällt.

Spekulatives Decoding verändert diesen Ablauf. Ein kleineres Entwurfsmodell, der sogenannte Drafter, schlägt mehrere aufeinanderfolgende Token auf einmal vor. Das größere Zielmodell verarbeitet diese Kandidaten anschließend in einem gemeinsamen Prüfschritt. Akzeptiert es die Vorschläge, kann die Anwendung mehrere Token mit einem Durchlauf erzeugen. Nicht akzeptierte Vorschläge werden verworfen oder korrigiert.

Für die Praxis ist dabei ein wichtiger Unterschied zu heuristischen Beschleunigungsverfahren relevant: Die Vorschläge des Drafters bestimmen nicht eigenständig das Ergebnis. Das Zielmodell bleibt für die endgültige Ausgabe zuständig. In der von Liquid AI beschriebenen Implementierung überprüft das Zielmodell jeden vorgeschlagenen Token. Bei deterministischer, also gieriger Decodierung, soll dadurch dieselbe Ausgabe entstehen wie beim alleinigen Betrieb des Zielmodells.

Die Geschwindigkeit hängt deshalb nicht nur von der Größe des Drafters ab. Entscheidend ist, wie häufig dessen Vorschläge akzeptiert werden, wie viele Token pro Block vorgeschlagen werden und wie effizient die jeweilige Laufzeitumgebung die zusätzlichen Berechnungen verarbeitet. Ein zu großer Block kann die Prüfarbeit erhöhen, während ein zu kleiner Block einen Teil des möglichen Vorteils ungenutzt lässt.

Wie der DSpark-Drafter für Bilder und Text arbeitet

Bei einem Vision-Language-Modell kommen unterschiedliche Eingabemodalitäten zusammen. Zunächst wird das Bild durch einen Vision-Encoder in eine Folge visueller Repräsentationen beziehungsweise Bild-Token umgewandelt. Anschließend verarbeitet das Sprachmodell diese visuellen Informationen zusammen mit dem Text der Anfrage.

Der DSpark-Drafter setzt an den internen Zuständen des Zielmodells an. Laut der technischen Beschreibung greift er auf sogenannte Hidden States bestimmter Modellschichten zu. Bildbereiche und Text-Token werden zuvor in einen gemeinsamen Darstellungsraum überführt. Dadurch erhält der Drafter interne Vektoren mit einheitlicher Dimension, unabhängig davon, ob die ursprüngliche Information aus einem Bild oder aus Text stammt.

Das ist für die Integration relevant, weil der grundlegende Inferenzalgorithmus nicht vollständig neu für multimodale Modelle entwickelt werden musste. Der Drafter kann nach dem gemeinsamen Repräsentationsschritt auf Zustände zugreifen, die für beide Modalitäten strukturell vergleichbar sind. Er erzeugt daraus einen Block potenzieller Token, den das Zielmodell überprüft.

Liquid AI beschreibt den Drafter als vereinfachtes, auf Aufmerksamkeit basierendes Modell. Die veröffentlichte Konfiguration verwendet vier Schichten und einen empfohlenen Blockumfang von acht oder neun Token, abhängig von der Hardware. Für das Training wurden Vision-Language-Daten aus dem überwachten Feintuning verwendet. Die Datenmischung wurde nach Anbieterangaben auf erwartete Anwendungsszenarien ausgerichtet.

Begrenzter zusätzlicher Modellumfang

Der DSpark-Drafter umfasst rund 280 Millionen Parameter. In Relation zum Zielmodell entspricht das nach Angaben von Liquid AI einem Zuwachs von etwa 8,9 Prozent. Die veröffentlichte Aufschlüsselung nennt rund 193 Millionen Parameter für den Decoder-Stack, 21 Millionen für die Projektion der Hidden States und 65,5 Millionen für einen Markov-Kopf. Hinzu kommen weitere Parameter für Normalisierung und einen Konfidenzkopf.

Der zusätzliche Speicherbedarf ist für Edge-Anwendungen ein zentraler Faktor. Ein Beschleuniger, der zwar die Rechenzeit senkt, aber das Modell über die Speicherkapazität eines Zielgeräts hebt, wäre für viele lokale Szenarien nur eingeschränkt nutzbar. Die vergleichsweise moderate Erweiterung soll es ermöglichen, das Zielmodell und den Drafter gemeinsam auf kompatibler Hardware auszuführen.

Dennoch ist die Angabe nicht mit einem pauschalen Speicherzuwachs von exakt 8,9 Prozent in jeder Betriebsart gleichzusetzen. Der tatsächliche Bedarf hängt unter anderem von Präzision, Quantisierung, Modellformat, Zwischenspeichern und Laufzeitumgebung ab. Für eine Produktionsentscheidung sollten Unternehmen deshalb nicht allein die Parameterzahl, sondern die belegte Speichermenge im konkreten Deployment messen.

Gemeldete Geschwindigkeitsgewinne

Liquid AI hat den DSpark-Drafter sowohl auf Edge-Hardware als auch auf einer H100-GPU untersucht. Bewertet wurden sechs unterschiedliche visuelle Aufgaben. Dazu zählen allgemeine Visual Question Answering-Aufgaben, Fragen zu Text in Bildern, Bildbeschreibung, Diagrammverständnis, komplexes Schlussfolgern und mehrteilige Dialoge. Als Referenz diente nach den veröffentlichten Angaben der MMSpec-Benchmark.

Ergebnisse auf Apple-Hardware

Bei einer Ausführung mit MLX auf einem Apple M5 Max soll die Decoding-Geschwindigkeit je nach Aufgabe zwischen 2,30- und 3,13-fach höher liegen. Die End-to-End-Latenz, also die Zeit für die vollständige Verarbeitung einschließlich weiterer Modellphasen, verbessert sich laut Liquid AI um den Faktor 1,56 bis 2,62.

Auf einem Apple M3 Ultra mit llama.cpp wurden beim Decoding Verbesserungen zwischen 1,57- und 2,14-fach angegeben. Die vollständige Latenz soll sich dort um den Faktor 1,30 bis 1,77 reduzieren. Die Unterschiede zwischen den beiden Plattformen zeigen, dass nicht nur das Modell, sondern auch die konkrete Implementierung, die Speicherarchitektur und die verfügbaren Beschleuniger eine Rolle spielen.

Ergebnisse auf einer H100-GPU

Auf einer NVIDIA H100 berichtet Liquid AI von einer bis zu 2,66-fachen Beschleunigung beim Decoding. Für die gesamte Verarbeitung werden Verbesserungen von bis zu 2,27-fach genannt. Je nach Aufgabe liegen die Werte darunter. Die Zahlen sind daher als Messbereich unter den beschriebenen Testbedingungen zu verstehen und nicht als allgemeine Garantie für jede Anwendung.

Die Differenz zwischen Decoding- und End-to-End-Werten ist technisch erwartbar. Der Drafter beschleunigt nur einen Teil der Verarbeitung. Bei kurzen Antworten, großen Bildern, langen Eingabeaufforderungen oder anspruchsvoller Bildanalyse können andere Phasen den überwiegenden Anteil der Laufzeit ausmachen.

Warum die Gesamtbeschleunigung geringer ausfällt

Die Inferenz eines Vision-Language-Modells besteht grob aus mehreren Abschnitten. Zunächst wird das Bild verarbeitet. Danach werden Bildrepräsentationen und Text in den Kontext des Sprachmodells eingebracht. Diese Phase wird häufig als Prefill bezeichnet. Erst anschließend beginnt die schrittweise Ausgabe, also das Decoding.

LFM2.5-VL-DSpark wirkt vor allem auf die letzte Phase. Die Bildkodierung und das Prefill werden durch den Drafter nicht automatisch schneller. Auf Edge-Geräten verfügen Prozessoren und integrierte Grafik- oder Neural-Processing-Einheiten über deutlich weniger Rechenleistung als moderne Rechenzentrums-GPUs. Dadurch kann die Vorverarbeitung dort einen größeren Anteil der gesamten Antwortzeit beanspruchen.

Dieses Verhältnis lässt sich mit dem Prinzip von Amdahl erklären. Wird nur ein Teil eines Prozesses beschleunigt, bleibt der Gesamtnutzen durch den unveränderten Teil begrenzt. Wenn beispielsweise die Hälfte der Latenz auf Bildencoder und Prefill entfällt, kann eine beliebig schnelle Token-Generierung die Gesamtzeit nicht im gleichen Umfang reduzieren.

Für die Bewertung eines Projekts sollten Sie daher mindestens drei Kennzahlen getrennt erfassen:

- Zeit bis zum ersten Token, insbesondere bei interaktiven Anwendungen

- Geschwindigkeit der Token-Ausgabe während des Decodings

- Gesamtlatenz vom Eingang des Bildes bis zur vollständigen Antwort

Je nach Anwendungsfall kann eine dieser Größen wichtiger sein als die anderen. Bei einem sprachgesteuerten Assistenzsystem zählt häufig eine schnelle erste Rückmeldung. Bei der automatisierten Erstellung längerer Bildberichte ist dagegen der Gesamtdurchsatz entscheidend.

Unterstützte Laufzeitumgebungen

Das Modell wurde zum Start für mehrere Open-Source-Umgebungen verfügbar gemacht. Genannt werden llama.cpp, MLX-VLM und SGLang. Damit adressiert Liquid AI unterschiedliche Bereitstellungsszenarien: lokale Ausführung auf Apple-Silicon-Systemen, ressourcenschonende Inferenz über kompatible C++-Backends sowie serverseitige Ausführung mit einer auf hohe Auslastung ausgelegten Laufzeitumgebung.

Die jeweilige Unterstützung hängt von konkreten Versionen und Integrationen ab. Für SGLang ist eine Version mit DSpark-Unterstützung für LFM-Zielmodelle erforderlich. Bei llama.cpp und MLX-VLM müssen ebenfalls entsprechende Implementierungen verwendet werden. Unternehmen sollten deshalb vor einem produktiven Einsatz prüfen, ob die benötigten Funktionen bereits in der eingesetzten Version enthalten sind oder aus einem Entwicklungszweig übernommen werden müssen.

Die verfügbaren Modellformate erweitern die Einsatzmöglichkeiten. Liquid AI stellt LFM2.5-VL-DSpark nach den veröffentlichten Angaben sowohl als Safetensors- als auch als GGUF-Modell bereit. Safetensors wird häufig in Python- und Transformer-basierten Umgebungen genutzt, während GGUF besonders im Umfeld von llama.cpp verbreitet ist.

Was Unternehmen vor dem Einsatz prüfen sollten

Die angekündigten Beschleunigungen können für Anwendungen mit vielen visuellen Anfragen interessant sein. Ein geringerer Rechenaufwand pro Antwort kann die Betriebskosten senken, die Interaktion beschleunigen oder den Einsatz leistungsfähiger multimodaler Funktionen auf lokalen Geräten ermöglichen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jede bestehende Anwendung von der Integration profitiert.

Für eine belastbare Bewertung empfiehlt sich ein Test mit den eigenen Daten und Antwortlängen. Allgemeine Benchmarks bilden typische Aufgabengruppen ab, ersetzen aber keine Messung unter realen Bedingungen. Besonders relevant sind Bildauflösung, Seitenzahl bei Dokumenten, Länge der Anfragen, gewünschte Antwortlänge und Anteil paralleler Anfragen.

Darüber hinaus sollten Sie folgende Punkte berücksichtigen:

- Prüfen Sie, ob die Zielhardware ausreichend Arbeitsspeicher für Zielmodell, Drafter, Bildencoder und Laufzeitreserven bereitstellt.

- Vergleichen Sie End-to-End-Latenz und Token-Durchsatz getrennt voneinander.

- Messen Sie die Akzeptanzrate der vorgeschlagenen Token auf Ihren typischen Aufgaben.

- Testen Sie unterschiedliche Blockgrößen, insbesondere acht und neun Token, sofern die Laufzeitumgebung dies zulässt.

- Überprüfen Sie die Qualität bei OCR, Tabellen, Diagrammen, kleinen Objekten und langen Dokumenten.

- Berücksichtigen Sie die Versionen von llama.cpp, MLX-VLM oder SGLang sowie die jeweiligen Treiber und Backends.

- Klären Sie Lizenzbedingungen, kommerzielle Nutzung und Anforderungen an Weitergabe oder Anpassung.

- Erheben Sie Energieverbrauch und Geräuschentwicklung, wenn das Modell auf Arbeitsplatzrechnern, mobilen Systemen oder Industriehardware ausgeführt werden soll.

Qualität, Determinismus und Validierung

Ein wesentlicher Vorteil des beschriebenen Verfahrens liegt darin, dass der Drafter nicht als eigenständiges Entscheidungsmodell eingesetzt wird. Die vorgeschlagenen Token werden vom Zielmodell kontrolliert. Liquid AI bezeichnet das Verfahren deshalb als exakt und erklärt, dass bei gieriger Decodierung dieselbe Ausgabe wie beim alleinigen Zielmodell entsteht.

Diese Aussage bezieht sich auf die algorithmische Prüfung der Token. In realen Systemen können dennoch Unterschiede auftreten, etwa durch unterschiedliche Präzision, Quantisierung, Kernel, Zufallsparameter oder Einstellungen der Sampling-Strategie. Für Anwendungen mit hohen Anforderungen an Nachvollziehbarkeit sollten Unternehmen deshalb Vergleichstests zwischen Basisbetrieb und spekulativem Decoding durchführen.

Die Qualitätsprüfung sollte nicht nur die exakte Zeichenfolge einer Antwort betrachten. Bei multimodalen Anwendungen sind auch korrekte Objektbezüge, Seitenpositionen, Zahlenwerte aus Diagrammen, Tabellenstrukturen und die Vollständigkeit extrahierter Inhalte relevant. Ein unverändertes Decoding-Ergebnis ist technisch wichtig, ersetzt aber keine Prüfung der Fähigkeiten des zugrunde liegenden Vision-Language-Modells.

Potenzielle Anwendungsfelder

Die Kombination aus multimodaler Verarbeitung und spekulativem Decoding kann vor allem dort interessant sein, wo Antworten häufig lokal erzeugt werden und eine niedrige Interaktionslatenz erforderlich ist. Dazu zählen beispielsweise mobile Assistenzsysteme, Dokumentenanalyse auf dem Arbeitsplatzrechner, visuelle Wartungsunterstützung und Anwendungen in der Robotik.

In der industriellen Qualitätssicherung könnte ein lokales Modell Bilder von Bauteilen analysieren und Prüfergebnisse in Textform ausgeben. In der Logistik wären Szenarien denkbar, in denen Etiketten, Packstücke oder Schadensbilder ausgewertet werden. Im Wissensmanagement könnte ein System Dokumentseiten lokal lesen und gezielt Fragen zu Tabellen oder Abbildungen beantworten.

Ob LFM2.5-VL-DSpark dafür geeignet ist, hängt von den jeweiligen Anforderungen ab. Besonders wichtig sind die Erkennungsqualität, der Umgang mit vertraulichen Daten, die Hardwareverfügbarkeit und die Integration in bestehende Anwendungen. Die gemeldete Beschleunigung ist ein Infrastrukturvorteil; sie sagt allein noch nichts über die fachliche Eignung für einen bestimmten Geschäftsprozess aus.

Einordnung in die Entwicklung effizienter KI-Modelle

Die Veröffentlichung steht im Zusammenhang mit einem breiteren Trend zur Optimierung der Inferenz. Während die öffentliche Debatte häufig die Größe und Leistungsfähigkeit von Modellen in den Mittelpunkt stellt, wird für Unternehmen zunehmend entscheidend, wie effizient diese Modelle betrieben werden können. Kosten, Energieverbrauch, Latenz, Datenschutz und Offline-Fähigkeit beeinflussen die Wirtschaftlichkeit eines KI-Produkts unmittelbar.

Liquid AI hatte zuvor DSpark-Entwurfsmodelle für mehrere textbasierte LFM2.5-Modelle veröffentlicht. Dabei wurden nach eigenen Angaben ebenfalls erhebliche Verbesserungen beim Decoding erzielt. Die Erweiterung auf ein Vision-Language-Modell zeigt, dass spekulative Verfahren nicht auf reine Textanwendungen beschränkt bleiben müssen. Gleichzeitig macht die multimodale Verarbeitung die Grenzen des Ansatzes sichtbarer, weil Bildencoder und Prefill einen größeren Anteil der Laufzeit beanspruchen können.

Für die Modellarchitektur bedeutet dies, dass künftige Optimierungen wahrscheinlich mehrere Ebenen kombinieren werden. Dazu gehören effizientere Bildencoder, kürzere oder besser komprimierte visuelle Tokenfolgen, optimierte Speicherzugriffe, Quantisierung, bessere Laufzeitkerne und Verfahren wie spekulatives Decoding. Der größte Vorteil entsteht voraussichtlich dann, wenn Modell und Ausführungsumgebung gemeinsam auf das tatsächliche Anwendungsszenario abgestimmt werden.

Offene Fragen für die Praxis

Die Veröffentlichung ist als experimenteller Entwurf gekennzeichnet. Damit bleiben mehrere Fragen für den produktiven Einsatz offen. Dazu gehören die Stabilität über unterschiedliche Hardwaregenerationen hinweg, das Verhalten bei sehr langen Bild-Text-Kontexten, die Akzeptanzraten bei domänenspezifischen Daten und der Aufwand für die laufende Pflege der Integrationen.

Auch die Lizenzbedingungen sollten vor einer kommerziellen Nutzung geprüft werden. Die Modellseiten weisen auf eine eigene Lizenzregelung der LFM-Familie hin. Angaben zur kostenlosen Nutzung und zu Umsatzgrenzen können sich auf bestimmte Bedingungen beziehen und sollten anhand der jeweils aktuellen Lizenzdokumente bewertet werden. Eine technische Verfügbarkeit auf Hugging Face ist nicht gleichbedeutend mit einer uneingeschränkten Nutzung in jeder Unternehmensumgebung.

Für regulierte Branchen kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. Unternehmen müssen unter anderem klären, ob Bilddaten das eigene Netzwerk verlassen, wie Protokolle und Zwischenspeicher behandelt werden und wie sich Modellversionen reproduzierbar dokumentieren lassen. Bei Anwendungen mit personenbezogenen oder geschäftskritischen Bildern sind Datenschutz, Zugriffskontrolle und Löschkonzepte bereits in der Pilotphase zu berücksichtigen.

Fazit

LFM2.5-VL-DSpark verfolgt einen klar abgegrenzten Ansatz: Ein zusätzliches, deutlich kleineres Modell schlägt Tokenfolgen vor, während das multimodale Zielmodell die Vorschläge überprüft. Nach den von Liquid AI veröffentlichten Messungen kann dieses Verfahren die Decoding-Geschwindigkeit auf Edge-Hardware und H100-GPUs deutlich steigern. Der zusätzliche Modellumfang bleibt mit rund 280 Millionen Parametern im Verhältnis zum etwa drei Milliarden Parameter großen Zielmodell begrenzt.

Für die Bewertung der Technologie ist die Unterscheidung zwischen Decoding und vollständiger Inferenz entscheidend. Die ausgewiesenen End-to-End-Gewinne liegen unter den maximalen Decoding-Werten, weil Bildverarbeitung und Prefill nicht automatisch beschleunigt werden. Unternehmen sollten daher eigene Messungen mit realen Bildern, Antwortlängen und Hardwarekonfigurationen durchführen.

Die Veröffentlichung erweitert die Optionen für lokale und ressourcenschonende multimodale KI. Sie ist insbesondere für Teams interessant, die offene Modelle einsetzen, die Inferenz näher an den Daten ausführen und die Antwortgeschwindigkeit auf Edge-Geräten verbessern möchten. Ob der Ansatz einen messbaren Geschäftsvorteil erzeugt, entscheidet sich letztlich an den konkreten Latenz-, Qualitäts-, Kosten- und Compliance-Anforderungen des jeweiligen Projekts.

Bibliografie

  1. Liquid AI: „LFM2.5-VL-DSpark: Accelerating vision-language models on edge and beyond“, 24. September 2026. https://www.liquid.ai/blog/lfm2-5-vl-dspark
  2. Hugging Face Blog / Liquid AI: „Accelerating vision-language models with LFM2.5-VL-DSpark“, 24. September 2026. https://huggingface.co/blog/LiquidAI/lfm2-5-vl-dspark
  3. Liquid AI: „Liquid Foundation Models – Models built for real-world constraints“. https://www.liquid.ai/models
  4. Hugging Face: „LiquidAI/LFM2.5-VL-3B – Model Card“. https://huggingface.co/LiquidAI/LFM2.5-VL-3B
  5. Liquid AI: „LFM2.5-DSpark: Up to 3.2x Faster Inference from H100 to MacBook“, 20. August 2026. https://www.liquid.ai/blog/lfm2.5-dspark
  6. Hugging Face: „LiquidAI/LFM2.5-2.6B-DSpark – Model Card“. https://huggingface.co/LiquidAI/LFM2.5-2.6B-DSpark
  7. Hugging Face Papers: „DSpark“, Paper-ID 2607.05147. https://huggingface.co/papers/2607.05147
  8. MMSpec Benchmark, Referenz im Beitrag zu LFM2.5-VL-DSpark. https://huggingface.co/papers/2603.14989

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