Unternehmenseigene Daten für generative KI nutzen: RAG und Retrieval-Architekturen in der Praxis
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KI-gestützt erstellt 5 Quellen Arbeitsweise
Das Wichtigste in Kürze
- Ein dreitägiger iX-Workshop zeigt, wie Unternehmen eigene Dokumente und Wissensbestände für generative KI-Anwendungen nutzbar machen können.
- Im Mittelpunkt stehen Retrieval Augmented Generation, Embeddings und verschiedene Retrieval-Architekturen.
- RAG ergänzt Sprachmodelle zur Laufzeit um passende Informationen aus Unternehmensdatenbanken, Dokumenten oder anderen Quellen.
- Die Qualität der Ergebnisse hängt nicht allein vom verwendeten Sprachmodell ab, sondern ebenso von Datenqualität, Dokumentenaufbereitung, Suchstrategie und Evaluation.
- Der Workshop behandelt neben RAG auch Alternativen wie Long Context, Fine-Tuning und Tool Use.
- Praktische Übungen sollen den Weg von der Konzeption über die Implementierung bis zu Tests und produktionsnahen Szenarien abbilden.
- Die Inhalte richten sich an Softwareentwickler mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und berücksichtigen Cloud- sowie On-Premise-Umgebungen.
// Inhalt · 15 Abschnitte
- Warum eigene Daten zum entscheidenden Faktor für KI-Anwendungen werden
- Wie Retrieval Augmented Generation funktioniert
- Warum eine Vektordatenbank allein nicht ausreicht
- Retrieval-Architekturen im Vergleich
- Die Rolle der Datenaufbereitung
- Qualitätssicherung und Evaluation
- RAG, Long Context, Fine-Tuning und Tool Use
- Cloud und On-Premise als Architekturentscheidung
- LangChain.js als Integrationsbaustein
- Vom Prototyp zum produktiven KI-Agenten
- Das Workshop-Konzept im Überblick
- Termine und organisatorische Angaben
- Was Unternehmen vor der Umsetzung klären sollten
- Einordnung für die Unternehmenspraxis
- Fazit
- Quellen
Warum eigene Daten zum entscheidenden Faktor für KI-Anwendungen werden
Generative Sprachmodelle können Texte zusammenfassen, Fragen beantworten, Quellcode erzeugen und komplexe Inhalte sprachlich aufbereiten. Ihr Wissen ist jedoch nicht automatisch auf interne Unternehmensinformationen, aktuelle Dokumente oder proprietäre Geschäftsprozesse ausgerichtet. Genau an dieser Schnittstelle setzt der iX-Workshop zur praktischen Umsetzung von KI mit eigenen Daten an.
Im Zentrum steht die Frage, wie Unternehmen generative KI so einsetzen können, dass Antworten nicht nur sprachlich plausibel, sondern auch fachlich nachvollziehbar und auf den jeweils relevanten Informationsbestand gestützt sind. Retrieval Augmented Generation, kurz RAG, gilt dafür als eines der verbreiteten Architekturkonzepte. Es verbindet die Fähigkeit eines Sprachmodells zur Textgenerierung mit einem vorgelagerten Such- und Auswahlprozess.
Für Unternehmen ist dieser Ansatz insbesondere dann relevant, wenn Wissen in Handbüchern, Richtlinien, Verträgen, Supportsystemen, Produktunterlagen, Wikis oder Datenbanken verteilt vorliegt. Statt ein Modell ausschließlich auf Basis seines vortrainierten Wissens antworten zu lassen, wird der Anfrage zunächst passender Kontext aus den eigenen Daten zugeordnet. Dieser Kontext wird anschließend gemeinsam mit der Frage an das Sprachmodell übergeben.
Der Workshop ordnet RAG dabei nicht als isolierte Technologie, sondern als Bestandteil einer größeren Systemarchitektur ein. Neben den Grundlagen von Embeddings und Retrieval geht es deshalb auch um Fragen der Datenaufbereitung, der technischen Integration, der Qualitätssicherung, der Skalierbarkeit und des Betriebs.
Wie Retrieval Augmented Generation funktioniert
Vom Dokument zur abrufbaren Wissenseinheit
Eine RAG-Anwendung beginnt typischerweise mit der Erfassung relevanter Datenquellen. Dabei kann es sich um PDF-Dateien, Webseiten, Textdokumente, Datenbankeinträge, interne Wissensplattformen oder strukturierte Geschäftsdaten handeln. Diese Informationen werden zunächst aus den Quellsystemen extrahiert und für die weitere Verarbeitung vereinheitlicht.
Anschließend werden umfangreiche Dokumente in kleinere Abschnitte zerlegt. Diese Abschnitte werden häufig als Chunks bezeichnet. Die Aufteilung ist technisch notwendig, weil Sprachmodelle nur eine begrenzte Menge an Kontext effizient verarbeiten können und Suchsysteme möglichst präzise relevante Passagen identifizieren sollen.
Die Wahl der Chunk-Größe ist nicht nebensächlich. Zu große Abschnitte können bei einer Anfrage zu viel irrelevanten Inhalt liefern. Zu kleine Einheiten wiederum können wichtige Zusammenhänge zerstören. Überschriften, Absätze, Tabellen, Seitenwechsel und semantische Beziehungen müssen deshalb je nach Anwendungsfall berücksichtigt werden.
Embeddings übersetzen Bedeutung in Vektoren
Für die semantische Suche werden Textabschnitte in numerische Darstellungen umgewandelt. Diese sogenannten Embeddings bilden die Bedeutung eines Textes in einem Vektorraum ab. Inhalte mit ähnlicher Bedeutung sollen dort näher beieinander liegen, auch wenn sie nicht dieselben Begriffe verwenden.
Eine Nutzerfrage kann dadurch mit Dokumentenabschnitten verglichen werden, ohne dass die Suche ausschließlich auf identischen Schlagwörtern basiert. Fragt ein Nutzer beispielsweise nach den Bedingungen für eine Rückgabe, können auch Passagen gefunden werden, die den Begriff „Widerrufsfrist“ oder „Retourenabwicklung“ verwenden.
Die Vektoren werden in einer geeigneten Datenbank oder einem spezialisierten Suchsystem gespeichert. Bei einer späteren Anfrage wird ebenfalls ein Embedding erzeugt. Das System sucht anschließend nach den Dokumentabschnitten, deren Vektoren der Anfrage am ähnlichsten sind. Die ausgewählten Passagen werden als zusätzlicher Kontext an das Sprachmodell übergeben.
Die Antwort entsteht aus Suche und Generierung
Der generative Teil des Systems formuliert auf Grundlage der Anfrage und des abgerufenen Kontexts eine Antwort. Das Modell erhält damit nicht nur die Frage, sondern auch Informationen, die für deren Beantwortung als relevant eingestuft wurden.
Das Verfahren kann die Wahrscheinlichkeit verringern, dass ein Modell veraltete oder nicht zum Unternehmen passende Informationen verwendet. Es beseitigt jedoch nicht automatisch alle Risiken. Wenn das Retrieval falsche oder unvollständige Passagen liefert, kann auch die anschließende Antwort unzureichend sein. RAG verlagert einen wesentlichen Teil der Qualitätsverantwortung daher auf die gesamte Verarbeitungskette.
Warum eine Vektordatenbank allein nicht ausreicht
In der öffentlichen Diskussion wird RAG mitunter auf die Verbindung eines Sprachmodells mit einer Vektordatenbank reduziert. Für produktive Anwendungen ist diese Betrachtung zu kurz gegriffen. Die Leistungsfähigkeit eines RAG-Systems hängt von mehreren aufeinanderfolgenden Komponenten ab.
- Quellen: Die zugrunde liegenden Dokumente müssen relevant, aktuell und für den jeweiligen Anwendungsfall geeignet sein.
- Aufbereitung: Inhalte müssen korrekt extrahiert, segmentiert und mit sinnvollen Metadaten versehen werden.
- Embeddings: Das gewählte Embedding-Modell muss Sprache, Fachbegriffe und den konkreten Nutzungskontext angemessen abbilden.
- Retrieval: Die Suchstrategie muss relevante Inhalte zuverlässig priorisieren und irrelevante Treffer aussortieren.
- Kontextübergabe: Der gefundene Kontext muss so in den Prompt integriert werden, dass das Sprachmodell ihn korrekt verarbeiten kann.
- Generierung: Das Modell muss zu einer nachvollziehbaren, angemessen begrenzten Antwort angeleitet werden.
- Evaluation: Ergebnisse müssen mit realistischen Testfragen und definierten Qualitätskriterien überprüft werden.
- Betrieb: Aktualisierung, Monitoring, Zugriffsschutz und Kostenkontrolle müssen im laufenden Einsatz berücksichtigt werden.
Diese Zusammenhänge sind für B2B-Anwendungen besonders bedeutsam. Ein interner Assistent für technische Dokumentation benötigt andere Datenstrukturen und Qualitätsmaßstäbe als ein System zur Bearbeitung von Kundenanfragen. Auch die Konsequenzen fehlerhafter Antworten unterscheiden sich erheblich. In einem Supportdialog kann eine unpräzise Antwort zusätzlichen Klärungsaufwand erzeugen; in regulierten oder sicherheitskritischen Bereichen können die Anforderungen deutlich höher liegen.
Retrieval-Architekturen im Vergleich
Semantische Suche
Die semantische Suche arbeitet primär mit Embeddings und Vektorähnlichkeiten. Sie eignet sich besonders dann, wenn Nutzerfragen und Dokumente unterschiedliche Formulierungen verwenden. Der Ansatz kann thematisch verwandte Inhalte finden, auch wenn einzelne Schlüsselwörter nicht übereinstimmen.
Seine Grenzen zeigt das Verfahren bei exakten Anforderungen. Produktnummern, Gesetzesparagrafen, Versionsstände, Datumsangaben oder technische Kennungen lassen sich nicht immer zuverlässig allein über semantische Ähnlichkeit finden.
Schlagwortbasierte Suche
Die klassische Volltextsuche arbeitet mit Begriffen, Termhäufigkeiten und weiteren textbasierten Signalen. Sie ist bei exakten Namen, Nummern und feststehenden Fachbezeichnungen häufig leistungsfähig. Gleichzeitig kann sie an ihre Grenzen stoßen, wenn eine Anfrage stark paraphrasiert ist oder Synonyme verwendet.
Hybride Suchverfahren
Hybride Retrieval-Architekturen kombinieren semantische und klassische Suche. Dadurch können sowohl Bedeutungsähnlichkeit als auch exakte Übereinstimmungen berücksichtigt werden. Für viele Unternehmensanwendungen ist diese Kombination relevant, weil Geschäfts- und Fachdokumente in der Regel sowohl natürliche Sprache als auch strukturierte Kennzeichnungen enthalten.
Reranking und mehrstufiges Retrieval
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, zunächst eine größere Zahl potenziell passender Treffer abzurufen und diese anschließend mit einem zusätzlichen Modell neu zu bewerten. Dieses Reranking kann die Reihenfolge der Ergebnisse verbessern und die für die Antwort verwendeten Passagen präziser auswählen.
Mehrstufige Verfahren erhöhen allerdings die technische Komplexität und können zusätzliche Rechenzeit sowie Kosten verursachen. Die Entscheidung für eine solche Architektur sollte deshalb an den Anforderungen des konkreten Anwendungsfalls ausgerichtet werden.
Die Rolle der Datenaufbereitung
Die Qualität eines RAG-Systems beginnt vor dem ersten Modellaufruf. Veraltete Dokumente, widersprüchliche Versionen, fehlende Zugriffsrechte oder schlecht extrahierte Tabellen können die Ergebnisse erheblich beeinträchtigen.
Zu einer belastbaren Datenaufbereitung gehören deshalb unter anderem die Prüfung von Dateiformaten, die Erkennung von Dokumentversionen und die Entfernung von Duplikaten. Auch Informationen über Autor, Gültigkeitszeitraum, Abteilung, Produkt, Region oder Vertraulichkeitsstufe können als Metadaten wichtig sein.
Metadaten ermöglichen Filter, die über die reine Ähnlichkeitssuche hinausgehen. Eine Anfrage kann beispielsweise auf Dokumente eines bestimmten Produkts, eines bestimmten Landes oder eines definierten Zeitraums begrenzt werden. In Unternehmensumgebungen ist außerdem zu klären, ob ein Nutzer bestimmte Dokumente überhaupt sehen darf.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Tabellen, Grafiken und gescannte Dokumente. Bei einer einfachen Textextraktion können Spaltenbezüge verloren gehen oder Inhalte in eine falsche Reihenfolge geraten. Systeme, die solche Informationen verarbeiten sollen, benötigen gegebenenfalls spezialisierte Extraktions- und Verarbeitungsschritte.
Qualitätssicherung und Evaluation
Eine RAG-Anwendung sollte nicht nur anhand einzelner überzeugender Beispiele beurteilt werden. Aussagekräftiger ist ein strukturierter Testbestand mit realistischen Nutzerfragen, erwarteten Informationsquellen und definierten Bewertungskriterien.
Dabei können verschiedene Dimensionen getrennt untersucht werden:
- Trefferqualität: Werden die relevanten Dokumentabschnitte gefunden?
- Vollständigkeit: Enthält der abgerufene Kontext alle wesentlichen Informationen?
- Antworttreue: Bleibt die generierte Antwort bei den bereitgestellten Quellen?
- Verständlichkeit: Ist die Antwort für die Zielgruppe klar und angemessen formuliert?
- Aktualität: Werden gültige und nicht überholte Dokumente verwendet?
- Nachvollziehbarkeit: Kann der Nutzer erkennen, auf welche Quellen sich die Antwort stützt?
- Robustheit: Wie verhält sich das System bei unklaren, widersprüchlichen oder unbeantwortbaren Fragen?
- Leistung: Wie schnell und kosteneffizient liefert das System Ergebnisse?
Für produktive Anwendungen empfiehlt sich zudem ein Verfahren, bei dem das System bei fehlender Evidenz ausdrücklich mitteilt, dass keine ausreichende Grundlage für eine Antwort vorliegt. Eine kontrollierte Zurückhaltung ist in vielen Geschäftsszenarien belastbarer als eine sprachlich überzeugende, aber nicht belegte Antwort.
Evaluation ist nicht als einmaliger Abschluss einer Entwicklungsphase zu verstehen. Änderungen an Dokumenten, Embedding-Modellen, Suchparametern, Prompts oder Sprachmodellen können das Verhalten eines Systems verändern. Regelmäßige Tests und ein Monitoring im Betrieb sind daher Bestandteil der technischen Verantwortung.
RAG, Long Context, Fine-Tuning und Tool Use
Der Workshop betrachtet RAG im Zusammenhang mit weiteren Ansätzen zur Anpassung und Erweiterung von Sprachmodellen. Diese Verfahren verfolgen unterschiedliche Ziele und sind nicht ohne Weiteres austauschbar.
Long Context
Bei Long-Context-Ansätzen wird dem Modell eine sehr große Menge an Text direkt im Eingabekontext übergeben. Das kann bei überschaubaren Dokumentbeständen oder einzelnen umfangreichen Dateien praktikabel sein. Mit wachsender Datenmenge steigen jedoch die Anforderungen an Kosten, Latenz und Auswahl der tatsächlich relevanten Inhalte.
Fine-Tuning
Fine-Tuning verändert die Parameter eines Modells anhand zusätzlicher Trainingsdaten. Es kann sinnvoll sein, wenn ein Modell bestimmte Formulierungsstile, Ausgabeformate oder spezialisierte Aufgaben erlernen soll. Für regelmäßig wechselnde Unternehmensinformationen ist es jedoch nicht automatisch die passende Lösung, da neue Inhalte erneut in einen Trainingsprozess einfließen müssten.
Tool Use
Beim Tool Use greift ein Sprachmodell auf externe Funktionen oder Systeme zu. Dazu können Datenbanken, Geschäftssoftware, Berechnungstools oder APIs gehören. Dieser Ansatz eignet sich vor allem für Aufgaben, bei denen aktuelle Werte abgefragt, Aktionen ausgelöst oder strukturierte Prozesse ausgeführt werden sollen.
RAG kann mit diesen Verfahren kombiniert werden. Ein Assistent könnte beispielsweise zunächst interne Dokumente durchsuchen, anschließend eine aktuelle Information über eine API abrufen und das Ergebnis in einer vorgegebenen Form zusammenfassen. Je mehr Komponenten beteiligt sind, desto wichtiger werden klare Zuständigkeiten, Berechtigungen und Fehlerbehandlung.
Cloud und On-Premise als Architekturentscheidung
Unternehmen müssen bei KI-Anwendungen entscheiden, wo Daten verarbeitet und Modelle betrieben werden. Cloud-Dienste können den Zugang zu leistungsfähigen Modellen und verwalteten Infrastrukturkomponenten erleichtern. APIs, etwa von OpenAI oder Azure OpenAI, ermöglichen eine vergleichsweise schnelle Integration in bestehende Anwendungen.
Gleichzeitig müssen Unternehmen prüfen, welche Daten an externe Dienste übertragen werden dürfen, welche Speicherorte vorgesehen sind und wie Protokollierung, Verschlüsselung und Zugriffssteuerung umgesetzt werden. Vertragsbedingungen, interne Richtlinien und regulatorische Anforderungen spielen dabei eine wichtige Rolle.
On-Premise-Umgebungen können mehr Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Netzwerkzugriffe ermöglichen. Dafür müssen Unternehmen die erforderliche Hardware, Modellbereitstellung, Wartung und Skalierung selbst organisieren. Auch der Betrieb von Vektordatenbanken, Embedding-Diensten und Monitoring-Komponenten liegt dann stärker in der eigenen Verantwortung.
Eine hybride Architektur kann beide Modelle verbinden. Sensible Daten bleiben beispielsweise in einer kontrollierten Umgebung, während bestimmte Modellfunktionen über einen externen Dienst bereitgestellt werden. Ob ein solcher Aufbau geeignet ist, hängt von Datenschutz, Sicherheitsanforderungen, Leistungszielen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
LangChain.js als Integrationsbaustein
In den früheren Workshop-Ankündigungen wurde auch der Einsatz von LangChain.js im Zusammenhang mit RAG-Anwendungen thematisiert. Frameworks dieser Art stellen Bausteine bereit, mit denen sich Datenquellen, Embedding-Modelle, Retriever, Sprachmodelle und Ausgabeprozesse miteinander verbinden lassen.
Der Vorteil einer solchen Abstraktion liegt darin, dass Entwickler typische Verarbeitungsschritte strukturieren und unterschiedliche Komponenten vergleichsweise einfach testen können. Dazu gehören beispielsweise das Laden von Dokumenten, das Aufteilen von Texten, die Speicherung von Vektoren, die Suche nach relevanten Passagen und die Erstellung von Prompts.
Frameworks ersetzen jedoch nicht die Architekturentscheidung. Abstraktionen können den Einstieg erleichtern, zugleich aber zusätzliche Abhängigkeiten und neue Fehlerquellen schaffen. Für produktive Systeme müssen Entwickler deshalb nachvollziehen können, wie Daten verarbeitet werden, welche Schnittstellen zum Einsatz kommen und wie Änderungen an Bibliotheken die Anwendung beeinflussen.
Der praktische Nutzen einer Framework-Schulung liegt damit nicht allein im Erlernen bestimmter Programmierschnittstellen. Entscheidend ist das Verständnis für die zugrunde liegenden Muster und für die Frage, wann eine Abstraktion geeignet ist und wann eine individuellere Implementierung erforderlich wird.
Vom Prototyp zum produktiven KI-Agenten
Ein Prototyp kann innerhalb kurzer Zeit zeigen, ob ein Geschäftsproblem grundsätzlich mit einem Sprachmodell und RAG bearbeitet werden kann. Für den produktiven Betrieb sind jedoch weitere Anforderungen zu erfüllen.
Dazu gehören eine eindeutige Definition der Zielgruppe und der erlaubten Nutzung. Es muss festgelegt werden, welche Fragen das System beantworten soll, wann es Quellen angeben muss und in welchen Fällen eine Weiterleitung an Mitarbeitende erforderlich ist.
Auch die Rechteverwaltung ist von zentraler Bedeutung. Ein System darf einem Nutzer nicht automatisch Informationen zugänglich machen, die dieser im Quellsystem nicht einsehen dürfte. Berechtigungen müssen daher entweder bereits beim Abruf berücksichtigt oder vor der Kontextübergabe zuverlässig geprüft werden.
Hinzu kommen Aspekte wie Protokollierung, Ausfallsicherheit und Aktualisierung. Unternehmen müssen nachvollziehen können, welche Datenquelle zu einer Antwort beigetragen hat, ohne dabei unnötig personenbezogene oder vertrauliche Informationen zu speichern. Für den laufenden Betrieb sind außerdem Verfahren für fehlerhafte Dokumente, nicht erreichbare Datenquellen und Modell- oder API-Ausfälle erforderlich.
Der angekündigte Workshop setzt an diesen Übergängen an. Die Teilnehmenden sollen eigene KI-Agenten konzipieren, implementieren und anhand realistischer Testszenarien überprüfen. Damit wird der gesamte Lebenszyklus einer Anwendung betrachtet und nicht nur die Verbindung zwischen einem Modell und einer Suchkomponente.
Das Workshop-Konzept im Überblick
Nach den vorliegenden Angaben ist der iX-Workshop als dreitägige, interaktive Veranstaltung konzipiert. Die Inhalte verbinden technische Grundlagen mit praktischen Übungen. Vorgesehen sind sowohl die Bewertung verschiedener Architekturansätze als auch die Entwicklung einer Lösung für einen eigenen Anwendungsfall.
Zu den behandelten Themen gehören die Grundlagen von RAG und Embeddings, der Aufbau geeigneter Retrieval-Architekturen, die Integration eigener Datenquellen und die gezielte Optimierung von Prompts. Darüber hinaus werden technische Schnittstellen zu Sprachmodellen und Plattformen behandelt.
Die Veranstaltung berücksichtigt Cloud- und On-Premise-Szenarien. Dadurch sollen die Teilnehmenden Unterschiede bei Bereitstellung, Datenschutz, Skalierung und Betrieb nachvollziehen können. Die praktische Ausrichtung umfasst nach den veröffentlichten Informationen auch Tests und Überlegungen zum produktionsnahen Einsatz.
Als Trainer wird Gregor Biswanger genannt. Die Veranstalter beschreiben ihn als Experten für generative KI sowie als Microsoft MVP für Azure AI und Web-App-Entwicklung. Außerdem werden Erfahrungen aus realen Projekten und aus der Zusammenarbeit mit dem Umfeld von GitHub Copilot als Teil des fachlichen Hintergrunds angegeben.
Der Workshop richtet sich an Entwickler, die praktische Erfahrung mit modernen KI-Technologien aufbauen oder vorhandene Kenntnisse vertiefen möchten. Das Angebot wird sowohl für Personen mit ersten Erfahrungen in der KI-Entwicklung als auch für erfahrene Entwickler beschrieben.
Termine und organisatorische Angaben
Für die in den vorliegenden Informationen genannte Veranstaltung ist ein Online-Termin vom 9. bis 11. November 2026 vorgesehen. Als tägliche Veranstaltungszeit werden 9:00 bis 17:00 Uhr angegeben. Ein Frühbucherrabatt von 10 Prozent soll nach den veröffentlichten Angaben bis zum 12. Oktober 2026 gelten.
Da Termine, Konditionen und technische Voraussetzungen geändert werden können, sollten Interessierte die Angaben vor einer Anmeldung beim Veranstalter prüfen. Das gilt insbesondere für die Frage, welche Software, Zugangsdaten oder Entwicklungsumgebungen für die praktischen Übungen benötigt werden.
Was Unternehmen vor der Umsetzung klären sollten
Vor dem Start eines RAG-Projekts empfiehlt sich eine präzise Eingrenzung des Anwendungsfalls. Eine allgemeine Zielsetzung wie „Unternehmenswissen mit KI nutzbar machen“ reicht für eine belastbare Architekturentscheidung nicht aus.
- Welche Nutzergruppen sollen das System verwenden?
- Welche Dokumente und Datenquellen sind tatsächlich relevant?
- Wie häufig ändern sich die Inhalte?
- Welche Antwortgenauigkeit ist für den Anwendungsfall erforderlich?
- Welche Daten dürfen verarbeitet werden und unter welchen Bedingungen?
- Wie werden Zugriffsrechte aus den Quellsystemen übernommen?
- Welche Quellen müssen in der Antwort angezeigt werden?
- Wie wird mit fehlenden oder widersprüchlichen Informationen umgegangen?
- Welche maximale Antwortzeit und welche Betriebskosten sind akzeptabel?
- Wie werden Qualität, Sicherheit und Modellverhalten fortlaufend überprüft?
Diese Fragen helfen dabei, einen Prototyp nicht allein nach dem Eindruck einzelner Antworten zu bewerten. Sie schaffen zudem eine Grundlage für die Auswahl von Modellen, Datenbanken, Frameworks und Betriebsmodellen.
Einordnung für die Unternehmenspraxis
RAG ist kein Garant für fehlerfreie generative KI. Der Ansatz bietet vielmehr eine Möglichkeit, Sprachmodelle kontrollierter mit externen Informationen zu verbinden. Sein Nutzen entsteht dort, wo relevante Daten digital verfügbar, ausreichend strukturiert und mit vertretbarem Aufwand abrufbar sind.
Für viele Unternehmen kann RAG eine pragmatische Alternative zu einer vollständigen Modellanpassung darstellen. Neue Dokumente lassen sich grundsätzlich in den Suchbestand aufnehmen, ohne das Sprachmodell jedes Mal neu zu trainieren. Das kann bei häufig aktualisierten Wissensbeständen ein wesentlicher Vorteil sein.
Gleichzeitig verschiebt sich der Schwerpunkt der Arbeit auf Datenmanagement, Suchqualität und Systembetrieb. Unternehmen benötigen daher nicht nur Kenntnisse über Sprachmodelle, sondern auch über Dokumentenverarbeitung, Informationsretrieval, Softwarearchitektur, Datenschutz und Qualitätssicherung.
Der iX-Workshop adressiert diese Verbindung aus Theorie und Umsetzung. Für technische Entscheider ist dabei besonders relevant, dass nicht ausschließlich die Modellwahl betrachtet wird. Im Vordergrund steht die Frage, wie aus eigenen Daten eine belastbare, testbare und betreibbare KI-Anwendung entsteht.
Fazit
Die praktische Nutzung unternehmenseigener Daten ist eine zentrale Voraussetzung für viele geschäftliche KI-Anwendungen. Retrieval Augmented Generation stellt dafür ein etabliertes Architekturpattern bereit, indem es Informationssuche und Textgenerierung miteinander verbindet.
Die Qualität der Ergebnisse hängt jedoch von der gesamten Kette ab: von der Auswahl und Pflege der Daten über Embeddings und Retrieval bis hin zu Prompting, Modellintegration, Berechtigungen und Evaluation. Wer RAG produktiv einsetzen möchte, muss diese Komponenten als zusammenhängendes System betrachten.
Der dreitägige iX-Workshop vermittelt nach den verfügbaren Angaben einen praxisorientierten Zugang zu diesen Themen. Er behandelt technische Grundlagen, alternative Ansätze, Cloud- und On-Premise-Szenarien sowie die Entwicklung und Prüfung eigener KI-Agenten. Für Entwickler und technische Projektverantwortliche kann ein solcher Aufbau dabei helfen, die Grenzen eines Prototyps zu erkennen und Anforderungen an eine produktionsfähige Lösung systematisch zu formulieren.
Quellen
- heise online: „iX-Workshop: RAG in der Praxis – KI optimieren mit Retrieval-Architekturen“, veröffentlicht am 23.09.2026. https://www.heise.de/news/iX-Workshop-KI-fuer-eigene-Daten-RAG-und-Embeddings-in-der-Praxis-anwenden-11451811.html
- heise Conferences: „KI mit eigenen Daten richtig umsetzen: RAG, Embeddings und Retrieval-Architekturen bewerten und anwenden“. https://heise-conferences.de/workshop/ki-mit-eigenen-daten-richtig-umsetzen-rag-embeddings-und-retrieval-architekturen-bewerten-und-anwenden-UJS49IRR2iSa5D
- heise Conferences: „KI für eigene Daten: Retrieval Augmented Generation in der Praxis mit LangChain.js“. https://heise-conferences.de/workshop/ki-fur-eigene-daten-retrieval-augmented-generation-rag-in-der-praxis-mit-langchain-js-UJS49IRR2iSa5D
- heise online: „iX-Workshop: KI für eigene Daten: RAG in der Praxis mit LangChain.js“, verschiedene Veröffentlichungen im Jahr 2026. https://www.heise.de/news/iX-Workshop-KI-fuer-eigene-Daten-RAG-in-der-Praxis-mit-LangChain-js-11272851.html
- NG-IT: „heise-Angebot: iX-Workshop: KI für eigene Daten: RAG und Embeddings in der Praxis anwenden“. https://www.ng-it.de/heise-angebot-ix-workshop-ki-fuer-eigene-daten-rag-und-embeddings-in-der-praxis-anwenden/
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