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Sicherheit & Gesellschaft 8 Min. Lesezeit

KI-Nutzung kann das Vertrauen von Führungskräften schwächen

Mindverse News

KI-gestützt erstellt, vor Veröffentlichung redaktionell geprüft 6 Quellen

KI-generierte Illustration: KI-Nutzung kann das Vertrauen von Führungskräften schwächen
KI-generierte Illustration

Das Wichtigste in Kürze

  • In mehreren Experimenten bewerteten Vorgesetzte Beschäftigte, die KI für ihre Arbeit eingesetzt hatten, als weniger vertrauenswürdig als Beschäftigte ohne KI-Nutzung. [1]
  • Laut dem Bericht lag der Anteil der Vertrauensurteile bei 24 Prozent mit KI und bei 68 Prozent ohne KI. Die untersuchten Urteile sind jedoch kein Nachweis für tatsächliche Karrierenachteile im Arbeitsalltag. [1]
  • Eine weitere, von GoTo mit Workplace Intelligence durchgeführte Befragung deutet auf einen Konflikt zwischen Nutzungsdruck und Sorge vor den Folgen von KI-Fehlern hin. [7]
  • Andere Untersuchungen beschreiben mögliche Produktivitätsgewinne, zugleich aber auch Mehrarbeit und neue Belastungen durch KI. [2] [3]
  • Für Unternehmen spricht das gegen pauschale Nutzungsgebote: Regeln sollten festlegen, wann KI sinnvoll ist, wie Ergebnisse geprüft werden und wie offen über den Einsatz gesprochen wird. [1] [4] [5]
Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Ein Nutzungsgebot kann mit einem Vertrauensverlust kollidieren
  2. Der Befund betrifft die Wahrnehmung, nicht automatisch die Arbeitsqualität
  3. Beschäftigte berichten zugleich von Nutzungsdruck und Sorge vor Fehlern
  4. Produktivität ist nicht allein eine Frage der eingesparten Zeit
  5. Warum heimlicher Einsatz keine tragfähige Antwort ist
  6. Was Unternehmen aus den Befunden ableiten können
  7. Die sinnvolle Ausnahme ist keine pauschale Verweigerung
  8. Quellen

Ein Nutzungsgebot kann mit einem Vertrauensverlust kollidieren

Viele Unternehmen erwarten von Beschäftigten, KI-Werkzeuge in ihre Arbeit einzubeziehen. Eine von der Hebräischen Universität Jerusalem durchgeführte Forschungsreihe legt jedoch ein mögliches Problem offen: Vorgesetzte können Mitarbeitende anders beurteilen, sobald sie wissen, dass diese KI eingesetzt haben. t3n berichtet, die Ergebnisse der Studie seien im Fachjournal The Leadership Quarterly veröffentlicht worden. [1]

In den beschriebenen Experimenten sollten Führungskräfte einschätzen, ob sie einem Bericht ihrer Beschäftigten vertrauen würden. Sie wussten dabei, ob die betreffende Person KI verwendet hatte. Laut t3n fiel das Vertrauen geringer aus, wenn KI an der Erstellung beteiligt war; die berichtete Qualität der Arbeit beeinflusste die Beurteilung nicht. [1]

Das stellt die Einführung von KI nicht grundsätzlich infrage. Es zeigt aber, dass eine Organisation mit widersprüchlichen Signalen arbeiten kann: Sie kann KI-Nutzung verlangen und zugleich riskieren, dass Führungskräfte diese Nutzung als Grund für geringeres Vertrauen werten. Ob das in einem konkreten Unternehmen geschieht, lässt sich aus den Experimenten allein nicht ableiten.

  • Ohne KI wurde den Beschäftigten in 68 Prozent der Fälle Vertrauen ausgesprochen, mit KI in 24 Prozent. Das entspricht einer Differenz von 44 Prozentpunkten in den berichteten Versuchsurteilen. [1]
  • Der Bericht nennt mehrere Experimente, aber keine Angaben zur Stichprobengröße oder eine detaillierte Beschreibung der Versuchsanordnungen. Deshalb lässt sich aus dem bereitgestellten Text nicht beurteilen, wie repräsentativ die Ergebnisse sind. [1]

Was die Prozentwerte messen – und was nicht

Die Zahlen beschreiben Urteile in Experimenten, keine beobachtete Quote von Beförderungen, Kündigungen oder Leistungsbewertungen in Unternehmen. Auch belegen sie nicht, dass jede Führungskraft KI-Nutzung negativ bewertet. Die Studie, wie sie t3n darstellt, legt vielmehr nahe, dass die Information über den KI-Einsatz die Einschätzung von Vertrauen beeinflussen kann. [1]

Für Sie als Unternehmen ist diese Abgrenzung entscheidend: Ein experimenteller Befund kann auf einen relevanten Wahrnehmungsmechanismus hinweisen, sagt aber nicht automatisch voraus, wie stark dieser in einer bestimmten Branche, Unternehmenskultur oder Rolle wirkt. Der Bericht enthält zudem keine Messung, ob KI tatsächlich zu besseren oder schlechteren Arbeitsergebnissen führte. [1]

Der Befund betrifft die Wahrnehmung, nicht automatisch die Arbeitsqualität

Die zentrale Spannung liegt darin, dass Führungskräfte den KI-Einsatz offenbar als Signal über die Person interpretieren können, obwohl der Bericht keinen Zusammenhang zwischen der Qualität der Arbeit und dem Vertrauensurteil beschreibt. [1] Als Analyse lässt sich daraus ableiten: Wird KI-Nutzung nicht klar eingeordnet, können Vorgesetzte eigene Annahmen darüber entwickeln, was sie über Sorgfalt, Eigenleistung oder Verantwortungsübernahme aussagt. Diese möglichen Deutungen wurden im vorliegenden Bericht jedoch nicht als Ursachen nachgewiesen.

Unternehmen sollten deshalb zwischen dem Ergebnis einer Arbeit und dem Verfahren zu seiner Erstellung unterscheiden. Eine belastbare Bewertung kann beispielsweise festhalten, welche Beiträge von Beschäftigten stammen, welche KI-Unterstützung genutzt wurde und wer das Resultat geprüft und verantwortet hat. Das ist eine organisatorische Empfehlung, keine direkt getestete Maßnahme aus der Studie.

Eine pauschale Offenlegungspflicht ohne klare Bewertungsregeln könnte den gegenteiligen Effekt haben: Beschäftigte erfahren dann zwar, dass sie ihre KI-Nutzung nennen sollen, wissen aber nicht, ob diese Information ihre Beurteilung beeinflusst. Dass solche Unsicherheit in der Praxis eine Rolle spielt, ist mit den Experimenten vereinbar, aber durch sie nicht für alle Arbeitsplätze belegt. [1]

Beschäftigte berichten zugleich von Nutzungsdruck und Sorge vor Fehlern

Eine von GoTo gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Workplace Intelligence durchgeführte Befragung unter 2.500 Beschäftigten und IT-Führungskräften ergänzt das Bild um die Perspektive der Belegschaft. Nach der Zusammenfassung von OnlineMarketing.de befürchteten 83 Prozent der Befragten, für einen KI-Fehler verantwortlich gemacht zu werden oder den Arbeitsplatz zu verlieren. 58 Prozent fühlten sich gedrängt, KI für höhere Produktivität einzusetzen; 26 Prozent hätten KI bereits aus Angst vor möglichen Konsequenzen bewusst nicht verwendet. [7]

Die Befragung ist keine unabhängige Bestätigung des Experiments zur Vertrauensbewertung. Sie stammt aus einer Erhebung, die ein Anbieter gemeinsam mit einem Marktforschungsunternehmen durchgeführt hat, und erfasst geäußerte Einschätzungen, nicht das tatsächliche Verhalten aller Beschäftigten. Sie beschreibt dennoch einen betrieblich relevanten Zielkonflikt: Mitarbeitende können sich zur Nutzung gedrängt fühlen und zugleich negative Folgen eines Fehlers fürchten. [7]

Auch die im Artikel berichteten Angaben zu fehlenden Regeln verweisen auf dieses Spannungsfeld: Nur 16 Prozent der kleinen Unternehmen und 47 Prozent der Großunternehmen verfügten laut der Befragung über eine KI-Richtlinie. Die Zahlen sind als Ergebnisse dieser konkreten Erhebung zu verstehen, nicht als vollständige Bestandsaufnahme sämtlicher Unternehmen. [7]

Produktivität ist nicht allein eine Frage der eingesparten Zeit

Die Debatte um Vertrauen findet vor einem breiteren Hintergrund statt. Eine Zusammenfassung österreichischer OECD-Studien berichtet von Befragungen mit mehr als 5.000 Arbeitskräften und 2.000 Unternehmen. Die Ergebnisse deuteten auf positive Auswirkungen der KI auf Produktivität und Arbeitsbedingungen hin, zugleich aber auch auf Sorgen über Beschäftigungsstabilität und Löhne. Als Folge der Einführung von KI würden Aufgaben häufig neu organisiert; gefragt seien dabei digitale und übergreifend einsetzbare Kompetenzen. [2]

Eine von tagesschau.de dargestellte Untersuchung der Universität Berkeley beschreibt eine andere mögliche Entwicklung: Forschende begleiteten acht Monate lang 200 Beschäftigte eines US-Technologieunternehmens. Nach der Einführung von KI-Tools arbeiteten einige schneller und länger und übernahmen zusätzliche Aufgaben. Die Untersuchung befasst sich mit Arbeitsintensität, nicht mit dem Vertrauen von Vorgesetzten, und ist daher kein direkter Beleg für den Jerusalemer Befund. [3]

Zusammengenommen mahnen diese Quellen zur Vorsicht bei einfachen Produktivitätsversprechen. KI kann einzelne Tätigkeiten unterstützen oder automatisieren; ob daraus eine Entlastung entsteht, hängt auch davon ab, wie frei werdende Zeit und neue Aufgaben verteilt werden. Das ist eine Analyse der berichteten Ergebnisse, keine Aussage, dass KI in jedem Betrieb Mehrarbeit verursacht. [2] [3]

Warum heimlicher Einsatz keine tragfähige Antwort ist

Die Forschenden hinter der Vertrauensstudie befürchten laut t3n, dass der Druck zur Nutzung bei gleichzeitig negativen Bewertungen einen heimlichen Einsatz von KI begünstigen könnte. Der Bericht verweist dabei auf Risiken, wenn vertrauliche Unternehmens- oder Kundendaten an nicht freigegebene Dienste übermittelt werden. [1]

Auch das Europäische Parlament nennt Datenschutz als eines der Risiken bei KI-Anwendungen und weist darauf hin, dass eine übermäßige Nutzung Ressourcen binden kann oder Systeme für ungeeignete Aufgaben eingesetzt werden. [4] Daraus folgt nicht, dass jede nicht genehmigte Nutzung zu einem Datenabfluss führt. Es unterstreicht aber, weshalb Unklarheit über zugelassene Werkzeuge und erlaubte Daten eine operative Sicherheitsfrage ist.

Eine individuelle Entscheidung, eine ungeeignete KI-Anwendung nicht zu verwenden, ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer Empfehlung, betriebliche Vorgaben heimlich zu umgehen. Wenn ein vorgeschriebenes Werkzeug für eine Aufgabe nicht passend erscheint oder sensible Informationen betroffen sind, ist ein transparenter Klärungsweg belastbarer als verdeckte Nutzung oder stiller Verzicht. Das ist eine Schlussfolgerung für die betriebliche Praxis, keine Handlungsempfehlung, die in der Studie selbst geprüft wurde. [1] [4]

Was Unternehmen aus den Befunden ableiten können

Der erste Schritt ist, aus einem allgemeinen Nutzungsziel konkrete Anwendungsregeln zu machen. Dazu gehört, für welche Aufgaben KI eingesetzt werden soll, welche Daten dafür zulässig sind und welche Prüfung vor einer Weitergabe oder Veröffentlichung erforderlich ist. Das Europäische Parlament beschreibt sowohl Datenschutzrisiken als auch die Gefahr, KI für ungeeignete Aufgaben zu verwenden. [4]

Zweitens sollte eine Organisation festlegen, wie KI-Nutzung in der Leistungsbeurteilung behandelt wird. Wenn Beschäftigte den Einsatz offenlegen sollen, müssen sie wissen, ob ihre Eigenleistung, die Qualität des Ergebnisses oder die Einhaltung des vereinbarten Verfahrens bewertet wird. Diese Klarheit kann die im Experiment sichtbare Trennung zwischen Ergebnisqualität und wahrgenommenem Vertrauen adressieren; ob eine bestimmte Regel das Vertrauen tatsächlich erhöht, zeigen die vorliegenden Quellen nicht. [1]

Drittens braucht es Unterstützung, nicht nur eine Aufforderung zur Nutzung. Eine frühe, internationale Befragung der zeb.business school und ihrer Partner meldete vorläufig, dass 26 Prozent der Befragten keine KI-spezifischen Richtlinien in ihrer Organisation fanden und 16 Prozent an KI-spezifischen Schulungen teilgenommen hatten. Die Autoren kennzeichneten die Ergebnisse als vorläufig; die begrenzte Erhebung erlaubt keine Aussage über alle Unternehmen. [5]

Für Führungskräfte bedeutet das: Nutzungsziele, Schulungen und Verantwortlichkeiten sollten zusammenpassen. Wenn KI als Standard vorausgesetzt wird, ohne Kriterien für Qualität, Kontrolle und Umgang mit Fehlern festzulegen, bleibt die praktische Verantwortung möglicherweise unklar. Das ist eine organisatorische Schlussfolgerung aus dem berichteten Spannungsfeld zwischen Nutzungsdruck, Vertrauensurteilen und fehlenden Richtlinien. [1] [5] [7]

  • Unterscheiden Sie zwischen Aufgaben, bei denen KI Assistenz leisten kann, und solchen, bei denen fachliche Prüfung oder ein Verzicht auf KI angezeigt ist. [4]
  • Machen Sie transparent, wann Beschäftigte den KI-Einsatz offenlegen müssen und wie diese Information bei Leistungsbewertungen berücksichtigt wird. [1]
  • Verknüpfen Sie Nutzungsanforderungen mit klaren Regeln zu zulässigen Daten, geprüften Ergebnissen und Zuständigkeiten. [1] [4]
  • Erheben Sie nicht nur, ob KI eingesetzt wird, sondern auch, ob sie Arbeit entlastet oder verdichtet. [2] [3]

Die sinnvolle Ausnahme ist keine pauschale Verweigerung

Die Studie liefert keinen Beleg dafür, dass Beschäftigte grundsätzlich besser fahren, wenn sie eine KI-Vorgabe ignorieren. Sie zeigt einen möglichen Vertrauensnachteil in experimentellen Bewertungen, während andere Quellen sowohl Potenziale für Produktivität als auch Risiken durch Überlastung, Unsicherheit und ungeeignete Anwendungen beschreiben. [1] [2] [3] [4]

Für Sie als Unternehmen lautet die belastbare Konsequenz daher nicht „KI immer nutzen“ oder „KI vermeiden“. Sinnvoller ist ein begründeter, auf die Aufgabe zugeschnittener Einsatz: Beschäftigte sollten eine Anwendung hinterfragen oder ihre Nutzung ablehnen können, wenn Zweck, Datenverarbeitung oder Prüfverfahren nicht geklärt sind. Gleichzeitig sollte diese Entscheidung offen kommuniziert werden, statt in Schatten-KI oder verdeckte Nichtbefolgung zu münden. Diese Einordnung ist eine Analyse der Quellenlage; die Studie testet keine konkrete Unternehmensrichtlinie. [1] [4]

Der entscheidende Gestaltungsauftrag liegt damit bei der Führung. Ein Unternehmen, das KI-Einsatz erwartet, muss zugleich erklären, wie es Eigenleistung, Verantwortung und Ergebnisqualität bewertet. Sonst wird die Technologie nicht nur zum Werkzeug für Aufgaben, sondern möglicherweise auch zu einem unklaren Signal in der Zusammenarbeit. [1]

Quellen

  1. [1] Wer KI nutzt, wird vom Chef als weniger vertrauenswürdig eingeschätzt — https://t3n.de/news/laut-studie-wer-chatgpt-nutzt-setzt-das-vertrauen-seiner-vorgesetzten-aufs-spiel-1772237 (abgerufen am 2026-11-08)
  2. [2] OECD-Studien: Die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) auf den Arbeitsmarkt — https://www.bmwet.gv.at/European-Year-of-Skills/Newsletter/3-Newsletter-Fachkraefte/1-Analyse/OECD-Studien.html (abgerufen am 2026-11-08)
  3. [3] Studie: Wenn KI nicht weniger, sondern mehr Arbeit macht | tagesschau.de — https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/ki-arbeitsintensitaet-folgen-100.html (abgerufen am 2026-11-08)
  4. [4] Künstliche Intelligenz: Chancen und Risiken | Themen | Europäisches Parlament — https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20200918STO87404/kunstliche-intelligenz-chancen-und-risiken (abgerufen am 2026-11-08)
  5. [5] Wird uns KI am Arbeits­platz ersetzen oder unter­stützen? – Eine inter­nationale Studie | BankingHub — https://bankinghub.de/innovation-digital/ki-arbeitsplatz-studie (abgerufen am 2026-11-08)
  6. [7] Wegen KI-Fehler gekündigt? So viele haben Angst davor | OnlineMarketing.de — https://onlinemarketing.de/karriere/human-resources/kuendigung-wegen-ki-fehler (abgerufen am 2026-11-08)

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