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Deutschland im Fokus internationaler KI-Forschung
Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland etabliert sich zunehmend als attraktiver Standort für internationale KI-Forschung.
- Das "1.000-Köpfe-Plus-Programm" des Bundesforschungsministeriums fördert gezielt die Ansiedlung exzellenter Wissenschaftler aus dem Ausland.
- Hochkarätige Forscherpersönlichkeiten wie Stefanie Jegelka und Sevgi Gökçe Kafalı Tekat wechseln von renommierten US-Institutionen an deutsche Universitäten, insbesondere die Technische Universität München.
- Forschungsschwerpunkte liegen auf maschinellem Lernen, neuronalen Netzen, KI-gestützten Bildgebungstechnologien und der Entwicklung sicherer, nachhaltiger KI-Lösungen.
- Die Humboldt-Professur spielt eine zentrale Rolle bei der Gewinnung internationaler Spitzenwissenschaftler für Deutschland.
- Trotz Erfolgen im Anwerben von Forschenden aus den USA, zeigt sich, dass der Großteil der Geförderten aus Europa und Asien stammt.
- Die Entwicklung eigener KI-Chips und die Diskussion um technologische Souveränität in Europa gewinnen an Bedeutung.
Die internationale Forschungslandschaft für Künstliche Intelligenz (KI) befindet sich in einem dynamischen Wandel. In diesem Kontext rückt Deutschland zunehmend in den Fokus hochqualifizierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zuvor an führenden Institutionen in den USA tätig waren. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe für diese Entwicklung und die Initiativen, die Deutschland als attraktiven Standort für KI-Forschung etablieren sollen.
Deutschland als Ziel für KI-Spitzenforschung
Die Anziehungskraft Deutschlands für internationale KI-Forschende manifestiert sich in mehreren hochkarätigen Wechseln. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Professorin Stefanie Jegelka. Die deutsche Informatikerin, die zuvor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) forschte und lehrte, hat 2023 eine Alexander von Humboldt-Professur an der Technischen Universität München (TUM) angenommen. Ihre Expertise liegt im Bereich algorithmisches maschinelles Lernen, insbesondere bei der Erforschung künstlicher neuronaler Netze, die Graphen verarbeiten.
Ein weiteres Beispiel ist Sevgi Gökçe Kafalı Tekat, eine Medizininformatikerin, die nach ihrer Promotion an der University of California, Los Angeles (UCLA) im Herbst 2024 an die TU München wechselte. Sie forscht an KI-gestützten Bildgebungstechnologien für Leber und Herz und wurde durch das "1.000-Köpfe-Plus-Programm" gefördert.
Initiativen zur Förderung der internationalen Forschung
Das Bundesforschungsministerium hat mit dem "1.000-Köpfe-Plus-Programm", auch bekannt als "Global Minds Initiative", eine gezielte Maßnahme ins Leben gerufen, um exzellente Forschende aus dem Ausland für den Standort Deutschland zu gewinnen. Dieses Programm, das im Juli 2025 startete, verfolgt das Ziel, Deutschlands Attraktivität als Wissenschaftsstandort zu stärken.
Wesentliche Merkmale des Programms:
- Finanzierung: Ursprünglich mit 277 Millionen Euro ausgestattet, soll das Programm bis 2029 um weitere 375 Millionen Euro aufgestockt werden, was eine Gesamtinvestition von über 600 Millionen Euro bedeutet.
- Förderbereiche: Die geförderten Forschenden konzentrieren sich hauptsächlich auf die Life Sciences (35%), Naturwissenschaften (32%) und Ingenieurswissenschaften (22%).
- Implementierung: Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).
- Ergebnisse: Seit dem Start haben 286 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Programm genutzt, wobei ein signifikanter Anteil durch die Alexander von Humboldt-Stiftung nach Deutschland kam.
Die Alexander von Humboldt-Professur ist ein zentrales Instrument in dieser Strategie. Sie ist mit bis zu fünf Millionen Euro für fünf Jahre dotiert und zielt darauf ab, international führende Wissenschaftler nach Deutschland zu holen. Die TUM hat in diesem Wettbewerb bemerkenswerte Erfolge erzielt und zählt nun zehn Humboldt-Professuren, darunter auch die von Stefanie Jegelka und ihrem Ehemann Suvrit Sra, der ebenfalls vom MIT an die TUM wechselte, um im Bereich maschinelles Lernen zu forschen.
Gründe für den Wechsel nach Deutschland
Die Entscheidung für einen Wechsel von den USA nach Deutschland ist vielschichtig. Während politische Entwicklungen in den USA, wie potenzielle Kürzungen in der Forschung, eine Rolle spielen können, sind oft die langfristigen Perspektiven und die Stabilität des europäischen Wissenschaftssystems ausschlaggebend. Sevgi Gökçe Kafalı Tekat betonte im Interview, dass die damalige politische Lage in den USA nicht der primäre Grund für ihren Wechsel war, aber die Instabilität sich langfristig auf die Wissenschaft auswirken könnte.
Deutschland bietet zudem eine starke Forschungsinfrastruktur und eine wachsende Anerkennung für den Wert und die Relevanz von KI-Forschung. Die Möglichkeit, sich auf Forschung zu konzentrieren, ohne die starke Gewichtung der Lehre, wie sie in den USA oft üblich ist, kann ebenfalls ein Anreiz sein.
Herausforderungen und Potenziale der deutschen KI-Forschung
Trotz der Erfolge bei der Anwerbung von Spitzenkräften steht die deutsche und europäische KI-Forschung vor Herausforderungen. Philipp Herzig, Chief AI und CTO bei SAP, betont zwar, dass Deutschlands KI-Forschung "Weltklasse" sei, sieht aber Nachholbedarf bei der Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen. Die Erfindung der Diffusionsmodelle beispielsweise erfolgte an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), die erfolgreiche Kommerzialisierung jedoch durch andere Unternehmen, nicht unbedingt deutsche.
Technologische Souveränität und eigene KI-Lösungen
Ein weiteres wichtiges Thema ist die technologische Souveränität Europas im Bereich der KI. Professorin Gitta Kutyniok von der LMU München warnt davor, dass Europa einen eigenen KI-Weg einschlagen müsse, um nicht von den USA oder China abhängig zu werden. Projekte wie gAIn (Next Generation AI Computing), an dem die LMU, die TU München und die TU Dresden beteiligt sind, zielen darauf ab, eine nachhaltige, zuverlässige und sichere KI-Lösung für sensible Anwendungsbereiche zu schaffen. Hierbei sollen auch ressourceneffiziente Hardware- und Software-Ansätze, wie neuromorphe Chips, Quanten- und Biocomputing, erforscht werden.
Die TU München hat bereits einen eigenen KI-Chip in 7-nm-Technologie entwickelt, der auf dem Open-Source-Standard RISC-V basiert. Dieser Chip soll digitale Souveränität jenseits von Rechenzentren gewährleisten und kann maßgeschneidert für spezifische Aufgaben angepasst werden. Die Motivation dahinter ist, die gesamte Wertschöpfungskette von der Ausbildung über die Entwicklung bis zur Fertigung von KI-Chips in Deutschland und Europa zu etablieren, um Lieferketten zu sichern und Vertrauen in die Technologie zu schaffen.
Regulierung und Innovationsförderung
Die Diskussion um die richtige Balance zwischen Regulierung und Innovationsförderung ist ebenfalls präsent. Annika von Mutius, Gründerin des KI-Start-ups „Empion“, kritisiert den EU AI Act und die Datenschutz-Grundverordnung als Hürden für Start-ups in Europa. Sie plädiert für weniger Regulierung, um die Skalierung von Unternehmen zu erleichtern und Europa als attraktiven Standort für Innovationen zu positionieren.
Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, weist darauf hin, dass Europa früh die Risiken von KI in den Vordergrund gestellt hat, während andere Länder dies möglicherweise unvorsichtiger handhaben. Die Frage bleibt, wie Deutschland und Europa ihre Kernkompetenzen, wie einen stabilen Arbeitsmarkt, exzellente Forschung und einen reichen Datenschatz, optimal nutzen können, um im globalen KI-Wettbewerb erfolgreich zu sein.
Die Migration von Spitzenforschenden aus den USA nach Deutschland unterstreicht das wachsende Potenzial und die Attraktivität des deutschen Wissenschaftsstandorts im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Begleitet von gezielten Förderprogrammen und dem Streben nach technologischer Souveränität, positioniert sich Deutschland als wichtiger Akteur in der globalen KI-Landschaft, während gleichzeitig Herausforderungen in der Kommerzialisierung und der Regulierung adressiert werden müssen.
Bibliography: - T3N. (2026, 26. April). „Meine erste Wahl war Deutschland": Warum diese KI-Forscherin von den USA an die TU München wechselt. - Wikipedia. (o. D.). Stefanie Jegelka. - Süddeutsche Zeitung. (2024, 27. Mai). Jegelka und Sra: Dieses Ehepaar bekommt zehn Millionen Euro für KI-Forschung. - Technische Universität München. (2021, 25. November). Humboldt-Professuren Nummer Neun und Zehn für die TUM. - Tagesspiegel. (2026, 5. Januar). Deutschland als „attraktives Zielland“ für Forscher?: Beim Anwerben aus den USA hapert es noch. - Computerwoche. (2026, 4. Februar). TUM-Chip bricht US-Macht: Europas Befreiungsschlag bei KI. - Süddeutsche Zeitung. (2026, 3. Februar). Annika von Mutius über Europas Stärken im Tech-Bereich. - TZ. (2025, 10. Februar). Forschung in München: Mit KI gegen den Terror. - Antenne Bayern. (o. D.). "Deutschlands KI-Forschung ist Weltklasse, aber ..." - Philipp Herzig (SAP). - Ingenieur.de. (2025, 9. April). Eine nachhaltige, zuverlässige und sichere KI aus Deutschland.Passend dazu in Mindverse Studio
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