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Claude rekonstruiert Herkunft rätselhafter NIST-Kurvenparameter

Mindverse News

KI-gestützt erstellt 3 Quellen Originalmeldung: the-decoder.com Arbeitsweise

KI-generierte Illustration: Claude rekonstruiert Herkunft rätselhafter NIST-Kurvenparameter
KI-generierte Illustration

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein internes Claude-Forschungsmodell soll fünf öffentlich bekannte Seeds für NIST-Elliptische-Kurven auf den Zufallszahlengenerator lrand48 und Zeitstempel aus den Jahren 1997 und 1998 zurückgeführt haben. [1] [2]
  • Der Hinweis waren systematisch auf null gesetzte obere Bits – ein Muster, das zu lrand48 passt, weil der Generator laut den Berichten nur 31 Bit ausgibt. [1] [2]
  • Die Rekonstruktion macht eine absichtlich eingebaute Hintertür weniger plausibel, beweist aber nicht, dass alle Parameter der Kurven vollständig erklärt sind. [2] [3]
  • Anthropic zufolge müssen Anwender der NIST-Kurven wegen dieses Befunds nichts ändern; diese Einschätzung ist von der gesonderten Frage nach der Absicherung eigener Schlüsselgenerierung zu unterscheiden. [2]
  • Bitcoin war von der Seed-Rekonstruktion nicht betroffen: Laut CoinDesk verwendet das Netzwerk secp256k1. Eine mögliche Bedrohung durch leistungsfähige Quantencomputer ist davon unabhängig. [2]
// Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Ein lange ungeklärter Teil eines Kryptografiestandards
  2. Warum die Seeds Misstrauen auslösten
  3. Das Muster führte zu lrand48
  4. Eine plausible Erklärung ist kein vollständiger Abschluss
  5. Keine pauschale Aufforderung zum Austausch
  6. Bitcoin ist nicht betroffen – Quantenrisiken bleiben getrennt
  7. Ein konkreter Forschungsbeitrag statt allgemeiner KI-Beweis
  8. Quellen

Ein lange ungeklärter Teil eines Kryptografiestandards

Ein internes Forschungsmodell von Anthropic hat nach Darstellung des Unternehmens eine seit rund 25 Jahren offene Frage zur Entstehung von Zahlen in verbreiteten elliptischen Kurven geklärt. Das Modell führte fünf Seeds – Ausgangswerte zur Erzeugung von Kurvenparametern – auf den einfachen Zufallszahlengenerator lrand48 und Unix-Zeitstempel aus den Jahren 1997 und 1998 zurück. Die Untersuchung soll weniger als 30 Minuten gedauert haben. [1] [2]

Im Kern ging es nicht darum, eine Verschlüsselung zu knacken oder einen geheimen Schlüssel zu finden. Ungeklärt war vielmehr, wie die US-amerikanische National Security Agency (NSA) bestimmte Ausgangswerte ausgewählt hatte, die später in standardisierten elliptischen Kurven auftauchten. Das ist ein wichtiger Unterschied: Der Befund betrifft die Herkunft der Kurvenparameter und die Vertrauenswürdigkeit des damaligen Auswahlverfahrens, nicht den Nachweis eines praktischen Angriffs auf geschützte Kommunikation. [1] [2]

  • NIST übernahm 2000 mehrere von der NSA bereitgestellte Kurven in den Standard für digitale Signaturen. [1] [2]
  • Die Seeds waren öffentlich, ihre Entstehung wurde jedoch nicht dokumentiert oder erklärt. [2]
  • Anthropic zufolge senkt die nun rekonstruierte Erklärung die Wahrscheinlichkeit einer absichtlich eingebauten Schwäche, schließt offene Fragen aber nicht aus. [2]

Wofür elliptische Kurven eingesetzt werden

Elliptische-Kurven-Kryptografie ist ein mathematisches Verfahren, das unter anderem digitale Signaturen ermöglicht. Mit einer Signatur lässt sich prüfen, ob eine Nachricht, Software oder Transaktion authentisch ist, ohne den privaten Schlüssel offenzulegen. ECDSA, der Elliptic Curve Digital Signature Algorithm, ist ein weit verbreiteter Signaturstandard. [2] [3]

Bei solchen Verfahren vertrauen die Nutzer nicht nur einer konkreten Softwareimplementierung, sondern auch den mathematischen Parametern der verwendeten Kurve. Werden Ausgangswerte für deren Erzeugung nicht erklärt, kann die Frage entstehen, ob sie neutral ausgewählt wurden oder ob bei der Auswahl eine Schwäche berücksichtigt worden sein könnte. Genau diese Unsicherheit stand im Mittelpunkt der jahrzehntelangen Debatte. [1] [2]

Warum die Seeds Misstrauen auslösten

Die NSA stellte die fraglichen Werte bereit, ohne ihre Entstehung offenzulegen. Weil die Kurven anschließend in einem 2000 von NIST veröffentlichten Standard verwendet wurden, blieb unklar, ob die Behörde ein nachvollziehbares Verfahren angewandt hatte. Kritiker hielten es daher für denkbar, dass zahlreiche Kandidaten geprüft und gezielt solche Parameter ausgewählt worden sein könnten, die für Außenstehende schwerer zu brechen wären. Die Berichte bezeichnen dies als Verdacht, nicht als nachgewiesene Hintertür. [1] [2]

Die Sorge war auch durch die Vorgeschichte der Kryptografiepolitik geprägt: CoinDesk verweist darauf, dass die NSA im Zusammenhang mit den Snowden-Enthüllungen mit Bemühungen zur Schwächung kryptografischer Standards in Verbindung gebracht wurde. NIST entfernte später den Dual-EC-Zufallszahlengenerator aus seinen Empfehlungen. Diese Vorgänge erklären den Kontext des Misstrauens, belegen für sich genommen aber nicht, dass die hier untersuchten Kurven absichtlich geschwächt wurden. [2]

Eine frühere Vermutung setzte bei Jerry Solinas an, einem NSA-Mathematiker, der mit der Übergabe der Werte in Verbindung gebracht wurde. Solinas soll die Möglichkeit erwähnt haben, dass die Zahlen aus einer humorvollen Formulierung abgeleitet worden seien. Diese Spur führte nicht zur Erklärung der Seeds; die neue Rekonstruktion weist stattdessen auf einen Programmablauf mit Zeitstempeln. [1] [2]

  • Der Kryptograf Alfred Menezes, der am ursprünglichen Standard mitgewirkt hatte, erinnerte sich laut CoinDesk daran, die Seeds 1997 von Solinas erhalten zu haben. [2]
  • Der Sicherheitsforscher Steve Weis suchte nach einer Erklärung und stellte 2018 öffentliche Informationsanfragen; NIST erklärte dem Bericht zufolge, keine Dokumentation zu besitzen. [2]
  • 2023 wurde eine Prämie für eine überzeugende Erklärung der Herkunft ausgelobt. Anthropic kündigte an, den Betrag von 36.864 US-Dollar an die Internet Security Research Group zu spenden. [1] [2]

Ein ungelöstes Rätsel mit konkretem Anreiz

Die Prämie gab der Suche einen finanziellen Anreiz, lieferte aber nicht automatisch eine überprüfbare Lösung. Laut CoinDesk belief sich das ursprüngliche Angebot auf 12.288 US-Dollar; mit einer Spendenvereinbarung konnte sich die Gesamtsumme auf 36.864 US-Dollar erhöhen. Anthropic zufolge geht der Betrag an die Internet Security Research Group, eine gemeinnützige Organisation hinter Let’s Encrypt. [1] [2]

Das Muster führte zu lrand48

Nach dem Bericht von CoinDesk bat ein Anthropic-Mitarbeiter ein internes Claude-Forschungsmodell, die Seeds zu untersuchen, ohne ihm die ältere Theorie einer vergessenen Formulierung vorzugeben. Statt nach Wörtern oder einem bekannten Spruch zu suchen, untersuchte das Modell die Zahlen auf technische Muster. [2]

Ein entscheidender Hinweis waren Bits an den oberen Stellen bestimmter Seeds, die systematisch auf null standen. Das passt zu lrand48, einem in älteren C-Programmbibliotheken verfügbaren Pseudozufallszahlengenerator, der 31-Bit-Ausgaben erzeugt. Die Verkürzung der möglichen Bitmuster machte den Generator als Erklärung plausibel. [1] [2]

Ein Pseudozufallszahlengenerator erzeugt eine Folge, die zufällig wirken kann, aber aus einem Startzustand berechnet wird. Ist dieser Zustand bekannt, lässt sich die Folge grundsätzlich nachbilden. Claude rekonstruierte laut CoinDesk die internen Zustände und erhielt die veröffentlichten Seeds; für die Kurve P-256 stimmte ein Wert demnach mit dem 1.842. geprüften Kandidaten überein. [2]

Die rekonstruierten Startwerte entsprachen Unix-Zeitstempeln aus dem Zeitraum von Mai 1997 bis April 1998. Damit ergibt sich ein einfacher Ablauf: Der Generator wird mit einem Zeitstempel initialisiert, erzeugt Kandidaten, und geeignete Werte werden für die Kurvenkonstruktion ausgewählt. Die beiden Berichte beschreiben diese Verbindung als die Erklärung für die fünf untersuchten Seeds. [1] [2]

  • Der Befund beruht auf einer erkennbaren Eigenschaft der Zahlen und einer reproduzierbaren Rekonstruktion des Generatorzustands. [2]
  • CoinDesk berichtet, dass sich die publizierten Zahlen mit dem rekonstruierten Programmablauf erneut erzeugen lassen. [2]
  • Die Geschwindigkeit des Modells ist bemerkenswert, ersetzt aber nicht die Prüfung der zugrunde liegenden Methode und Ergebnisse. [2]

Was „in weniger als 30 Minuten“ belegt – und was nicht

Die Zeitangabe stammt aus den Berichten über Anthropics Untersuchung. Sie zeigt, wie schnell das Modell eine passende Erklärung gefunden haben soll; sie ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer unabhängigen Leistungsbewertung des Modells oder dem Nachweis, dass eine KI jede vergleichbare kryptografische Frage in derselben Zeit lösen kann. Belegt wird in den vorliegenden Quellen die konkrete Rekonstruktion, nicht eine allgemeine Erfolgsquote. [1] [2]

Eine plausible Erklärung ist kein vollständiger Abschluss

Anthropic bewertet den Fund als Hinweis, der eine absichtlich eingebaute Hintertür weniger wahrscheinlich macht. Die Logik dahinter: Ein einfacher Generator, dessen Zustand sich aus den veröffentlichten Zahlen zurückgewinnen lässt, bietet eine nachvollziehbare Erklärung dafür, wie die Seeds entstanden sein könnten. Das ist ein gewichtiger Befund gegen die Vorstellung, die Werte seien allein mit dem Ziel ausgewählt worden, eine geheime Schwäche zu verbergen. Es ist aber kein mathematischer Beweis dafür, dass jede denkbare Manipulation ausgeschlossen ist. [1] [2]

Zudem bleiben Fragen offen. CoinDesk zufolge konnten die Forschenden nicht erklären, warum bei der historischen Suche einige scheinbar brauchbare Kandidaten übersprungen wurden. Auch die Herkunft weiterer Kurvenparameter sei nicht geklärt. Investing.com nennt unter anderem einen weiteren Seed und die Basispunkte von vier großen NIST-Kurven als offene Punkte. Die Rekonstruktion beantwortet damit eine zentrale Frage zu den fünf Seeds, nicht jede Detailfrage zur Entstehung der Kurven. [2] [3]

Die Quellen unterscheiden sich im Umfang ihrer Darstellung: CoinDesk konzentriert sich auf die fünf fraglichen NIST-Kurven-Seeds, während Investing.com zusätzlich von Startpunkten für sechs ältere Kurven berichtet, die auf einen Zufallszahlengenerator aus einem mathematischen Softwarepaket zurückgeführt worden seien. Das ist ein separater Befund und sollte nicht mit der Erklärung für die fünf NIST-Seeds gleichgesetzt werden. [2] [3]

  • Eine reproduzierbare Herkunft macht eine absichtliche Manipulation weniger plausibel, schließt unbekannte Schwächen aber nicht allein durch ihre Existenz aus. [2]
  • Die Berichte lassen Fragen zu ausgelassenen Kandidaten und einzelnen weiteren Parametern ausdrücklich offen. [2] [3]

Die richtige Einordnung für Sicherheitsverantwortliche

Für Unternehmen ist der Unterschied zwischen einer öffentlich gewählten Kurvenkonstante und einem geheimen Schlüssel operativ entscheidend. Der rekonstruierte Generator beschreibt laut den Berichten die Erzeugung öffentlicher Seeds für Kurvenparameter. Er belegt nicht, dass dieselbe Methode zur Erzeugung privater Schlüssel in Unternehmenssystemen eingesetzt wurde. CoinDesk weist ausdrücklich darauf hin, dass ein mit lrand48 erzeugter geheimer Wallet-Schlüssel problematisch wäre, weil er bei Kenntnis des ungefähren Erzeugungszeitpunkts nachgebildet werden könnte. Das ist jedoch ein anderes Szenario als die offen veröffentlichten NIST-Seeds. [2]

Keine pauschale Aufforderung zum Austausch

Anthropic erklärte laut CoinDesk, Nutzer der NIST-Kurven müssten aufgrund des Befunds nichts ändern. Diese Aussage ist als Einschätzung des Anbieters zu verstehen und nicht als unabhängige Freigabe sämtlicher Systeme, die elliptische Kurven einsetzen. Sie bezieht sich auf die nun plausibler gewordene Herkunft der Seeds. [2]

Für die Praxis folgt daraus keine Grundlage für einen ungeplanten Austausch kryptografischer Komponenten allein wegen der historischen Seed-Frage. Das ist eine Einordnung aus den vorliegenden Befunden, keine allgemeine Sicherheitsgarantie: Unternehmen müssen weiterhin wissen, welche Kurven und Implementierungen ihre Anwendungen tatsächlich verwenden und wie ihre eigenen Schlüssel erzeugt werden. Die Berichte liefern keinen Anlass, die Herkunft der NIST-Seeds mit einem nachgewiesenen Angriff auf private Schlüssel gleichzusetzen. [2]

Die Nachricht unterstreicht außerdem, dass Erklärbarkeit bei kryptografischen Standards nicht nur eine historische Formalität ist. Wenn Auswahlverfahren dokumentiert und überprüfbar sind, können Organisationen Risiken besser einordnen. Im vorliegenden Fall beruht die Entlastung nicht auf einer neuen Zusicherung der NSA, sondern auf einer nachträglichen Rekonstruktion anhand der veröffentlichten Zahlen. Diese Unterscheidung ist für Governance und Beschaffung relevant: Nachvollziehbarkeit stärkt Vertrauen, während sie fehlende Dokumentation nicht rückwirkend ungeschehen macht. [1] [2]

Bitcoin ist nicht betroffen – Quantenrisiken bleiben getrennt

CoinDesk grenzt die Rekonstruktion ausdrücklich von Bitcoin ab. Bitcoin verwendet nach dem Bericht secp256k1 und nicht eine der fünf untersuchten NIST-Kurven. Die Kurve wird dort als mathematisch einfacher beschrieben und weist laut CoinDesk weniger frei wählbare Parameter auf, an denen sich eine verborgene Schwäche hätte unterbringen lassen. Der Fund zu den NIST-Seeds ist daher kein Hinweis darauf, dass Bitcoin-Schlüssel auf diesem Weg kompromittiert werden. [2]

Davon unabhängig bleibt die längerfristige Frage, ob leistungsfähige Quantencomputer heutige kryptografische Verfahren gefährden könnten. CoinDesk beschreibt dies als separates Risiko: Ein hinreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte demnach aus einem öffentlichen Schlüssel den zugehörigen privaten Schlüssel ableiten. Der Bericht betont zugleich, dass bislang kein Quantencomputer mit ausreichender Größe und Zuverlässigkeit existiert und es keinen klaren Zeitplan für eine solche Entwicklung gibt. [2]

Für Unternehmen und Infrastrukturbetreiber ist deshalb eine saubere Trennung der Themen wichtig. Die Claude-Rekonstruktion betrifft die historische Auswahl bestimmter öffentlicher Kurvenparameter; die Quantenfrage betrifft die künftige Leistungsfähigkeit von Angreifern und die Widerstandsfähigkeit kryptografischer Verfahren. Die eine Nachricht löst die andere nicht. [2]

Ein konkreter Forschungsbeitrag statt allgemeiner KI-Beweis

Der Fall zeigt, wie ein KI-Modell bei einer eng umrissenen technischen Recherche Muster in Zahlenmaterial identifizieren und daraus eine prüfbare Hypothese entwickeln kann. Die wesentlichen Schritte waren laut den Berichten die Erkennung der auffälligen Bits, die Auswahl eines passenden Generators und die Rückrechnung auf Startzustände, die zu den publizierten Seeds führten. [1] [2]

Für die Bewertung des Ergebnisses zählt nicht allein die kurze Bearbeitungszeit, sondern ob die Rekonstruktion nachvollzogen werden kann und ob sie die bekannten Daten erklärt. CoinDesk berichtet, dass sich der Programmablauf erneut ausführen lässt; zugleich bleiben Parameterfragen offen. Damit ist die Arbeit ein konkreter Erfolg für diesen Fall, aber kein Beleg dafür, dass KI-Modelle kryptografische Systeme grundsätzlich auditieren oder formale Sicherheitsprüfungen ersetzen können. [2] [3]

Quellen

  1. [1] Anthropics' Claude cracks a 25-year-old NSA cryptography mystery in under 30 minutes — https://the-decoder.com/anthropics-claude-cracks-a-25-year-old-nsa-cryptography-mystery-in-under-30-minutes (abgerufen am 2026-10-17)
  2. [2] Anthropic’s Claude cracks a 25-year NSA curve mystery, what it means for bitcoin — https://www.coindesk.com/tech/2026/10/17/wow-it-s-a-real-discovery-claude-cracks-a-25-year-nsa-number-mystery (abgerufen am 2026-10-17)
  3. [3] Anthropic says Claude solved 25-year cryptography mystery in 30 ... — https://www.investing.com/news/economy-news/anthropic-says-claude-solved-25year-cryptography-mystery-in-30-minutes-4954741 (abgerufen am 2026-10-17)

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