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Anthropic lässt Claude Software formal prüfen – mit klar begrenztem Geltungsbereich

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KI-gestützt erstellt 3 Quellen Originalmeldung: the-decoder.com Arbeitsweise

KI-generierte Illustration: Anthropic lässt Claude Software formal prüfen – mit klar begrenztem Geltungsbereich
KI-generierte Illustration

Das Wichtigste in Kürze

  • Claude erzeugte nach Angaben von Anthropic und Theorem in wenigen Wochen rund 180 Millionen Zeilen formalen Beweiscode für 123 Open-Source-Bibliotheken. [1]
  • Das Verfahren prüft bestehende Software anhand formaler Beweise, die Rocq automatisch kontrolliert; es ist keine allgemeine Garantie für fehlerfreie Software. [1]
  • Bei der Arbeit wurden laut Anthropic Hunderte Fehler gefunden, darunter Schwachstellen, die konventionelle Tests übersehen hatten. [1]
  • Die Nachweise gelten nur unter engen Annahmen, darunter eine bestimmte Prozessorarchitektur, Single-Thread-Ausführung und Eingaben unter 64 MB. [1]
  • Anthropics Angaben zu wachsender Claude-Nutzung beim Programmieren belegen nicht, dass der erzeugte Code formal verifiziert wurde. [2]
// Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Ein Beweis ist nicht dasselbe wie ein fehlerfreier Betrieb
  2. Der Umfang der Prüfung ist technisch eng begrenzt
  3. Die Suche brachte laut Anthropic übersehene Fehler ans Licht
  4. Rechenaufwand und Effizienz bleiben offene Größen
  5. Code schreiben und Code beweisen sind verschiedene Fähigkeiten
  6. Nicht mit automatischer Freigabe oder Laufzeitsicherheit verwechseln
  7. Was die Ankündigung für Unternehmen bedeutet
  8. Quellen

Ein Beweis ist nicht dasselbe wie ein fehlerfreier Betrieb

Anthropic hat Claude gemeinsam mit dem Partner Theorem eingesetzt, um formale Beweise für bereits vorhandenen Softwarecode zu erzeugen. Das Projekt umfasst nach Angaben des Unternehmens rund 123 Open-Source-Bibliotheken aus Googles OSS-Fuzz-Sicherheitsprojekt. In wenigen Wochen seien dabei etwa 180 Millionen Zeilen Beweiscode entstanden. [1]

Die Schlagzeile, Claude könne Software automatisch „sicher“ machen, wäre jedoch zu weit gefasst. Das Projekt zielte nicht darauf, beliebigen neu erzeugten Code generell als sicher zu zertifizieren. Es ging darum, bestehende Programme unter festgelegten Bedingungen formal zu prüfen. Anthropic räumt selbst ein, dass „formal verifiziert“ nicht „fehlerfrei“ bedeutet. [1]

Für Unternehmen ist diese Unterscheidung wesentlich: Ein formaler Nachweis kann zeigen, dass ein Programm eine präzise definierte Eigenschaft erfüllt – aber nur innerhalb des Modells und der Annahmen, auf denen dieser Nachweis beruht. Ob die formalisierte Eigenschaft den tatsächlichen Anforderungen eines Produkts entspricht und ob die reale Betriebsumgebung den Annahmen genügt, bleibt eine weitere Frage. Das ist die zentrale Grenze, die sich aus den von Anthropic genannten Bedingungen ergibt. [1]

  • Das Projekt betrifft vorhandene Software und formale Beweisführung, nicht die pauschale Zertifizierung beliebiger KI-generierter Programme. [1]
  • Die Beweise werden von einem Prüfprogramm kontrolliert; daraus folgt keine Garantie für jede Konfiguration oder jeden Einsatzfall. [1]

Wie Claude die Beweise erzeugt

Der Ablauf setzt bei Testprogrammen an, die Abstürze provozieren sollen. Claude übersetzt diese Tests in mathematische Probleme, analysiert den kompilierten Maschinencode und erzeugt umfangreiche formale Beweise. Ein Programm namens Rocq prüft die erzeugten Beweise automatisch. [1]

Anthropic beschreibt die Beweiserzeugung als „vollständig autonom“ und sagt, es seien dabei fast keine menschlichen Prüfer nötig gewesen. Die formalen Grundlagen und Werkzeuge stammen allerdings von Menschen bei Theorem. Die Autonomie bezieht sich somit auf die Ausführung des Beweisschritts in diesem Projekt, nicht auf die Entwicklung des gesamten Verifikationsverfahrens ohne menschliche Vorarbeit. [1]

Der Umfang der Prüfung ist technisch eng begrenzt

Anthropic nennt klare Voraussetzungen für die Gültigkeit der Nachweise: Sie beziehen sich auf eine bestimmte Prozessorarchitektur, auf Programme mit nur einem Ausführungsstrang und auf Eingaben unter 64 Megabyte. Die Bibliotheken können in der Praxis jedoch auf verschiedenen Geräten und mit unterschiedlichen Konfigurationen laufen. [1]

Damit ist der Nachweis nicht automatisch auf alle Betriebsumgebungen übertragbar. Für ein Unternehmen wäre deshalb nicht nur relevant, ob für eine Komponente ein Beweis vorliegt, sondern auch, ob die geprüfte Architektur, Ausführungsweise und Eingabegrenze zur konkreten Nutzung passen. Diese Folgerung ergibt sich unmittelbar aus den von Anthropic beschriebenen Einschränkungen. [1]

Die Quelle nennt außerdem keine vollständige Aufstellung dazu, welche Eigenschaften für jede der 123 Bibliotheken bewiesen wurden oder wie viele Komponenten sämtliche Prüfschritte erfolgreich durchliefen. Ohne diese Angaben lässt sich die Reichweite des Projekts nicht allein anhand der Gesamtzahl der Bibliotheken und der erzeugten Beweiszeilen beurteilen. [1]

  • Gültigkeit: bestimmte Prozessorarchitektur, Single-Thread-Programme und Eingaben unter 64 MB. [1]
  • Übertragbarkeit: abweichende Hardware und Konfigurationen sind durch diese Angaben nicht automatisch abgedeckt. [1]
  • Umfang: Die veröffentlichten Zahlen beschreiben Projektgröße, nicht die vollständige Abdeckung aller Eigenschaften oder Einsatzvarianten. [1]

Formale Verifikation ergänzt Tests

Konventionelle Tests prüfen ausgewählte Ausführungen; formale Verifikation arbeitet dagegen mit mathematisch beschriebenen Eigenschaften und prüft einen Beweis für diese Eigenschaften. Im vorliegenden Verfahren lieferten Crash-Tests den Ausgangspunkt für die mathematische Analyse. Daraus folgt nicht, dass sämtliche möglichen Fehler einer Software oder alle Anforderungen eines Unternehmens erfasst sind: Geprüft werden kann nur, was im formalen Modell ausgedrückt und durch die jeweiligen Annahmen abgedeckt ist. [1]

Die Suche brachte laut Anthropic übersehene Fehler ans Licht

Während Claude Beweise erzeugte, stieß das System nach Angaben der Forschenden auf Hunderte Fehler. Claude durfte diese anschließend selbst korrigieren. Einige Fehler seien nur unter besonderen Bedingungen aufgetreten, etwa bei ungewöhnlich großen Eingaben oder bestimmten Abfolgen von Zugriffen, und hätten daher konventionelle Tests überstanden. [1]

Als Beispiel nennt The Decoder eine verbreitete PDF-Anwendung: Bei deren Prüfung habe das Team innerhalb einer Woche so viele Sicherheitsfehler gefunden, wie für diese Software üblicherweise in einem ganzen Jahr gemeldet würden. In einer anderen Anwendung entdeckte Claude dem Bericht zufolge einen logischen Fehler, der mehr als ein Jahrzehnt unbemerkt geblieben war. Diese Beispiele zeigen mögliche zusätzliche Befunde, belegen aber für sich genommen weder eine allgemeine Fehlerquote noch die Sicherheit aller geprüften Bibliotheken. [1]

Anthropic betont, dass auch ein unvollständiger Beweisversuch nützlich sein könne, weil er reale Fehler sichtbar mache. Das ist ein anderer Nutzen als eine erfolgreiche formale Verifikation: Selbst wenn kein vollständiger Nachweis zustande kommt, kann die Analyse Hinweise auf Defekte liefern. Wie oft dieser Fall eintrat und wie die gefundenen Fehler unabhängig bewertet wurden, führt die vorliegende Quelle nicht aus. [1]

  • Nach Angaben der Forschenden fand Claude Hunderte Fehler, darunter bislang übersehene Randfälle. [1]
  • Die berichteten Beispiele sind Einzelfälle und keine repräsentative Messung der Fehlerhäufigkeit über alle Bibliotheken hinweg. [1]

Rechenaufwand und Effizienz bleiben offene Größen

Die Beweiserzeugung war laut Bericht rechenintensiv: Für einzelne Beweise seien Hunderte Millionen Tokens angefallen. Die Gesamtkosten des Projekts nennt Anthropic nicht. Für eine wirtschaftliche Bewertung in Unternehmen fehlen damit sowohl ein Gesamtaufwand als auch ein belastbarer Vergleich mit manueller Verifikation oder herkömmlichen Testverfahren. [1]

Anthropic berichtet zugleich von Fortschritten bei der Effizienz und Wiederverwendbarkeit. In einem kleineren Test seien Beweise wiederverwendbar gewesen; Opus 5.5 habe die Hälfte der Beweise mit rund 40 Prozent weniger Tokens gelöst als Opus 5. Das ist ein Vergleich zwischen zwei Modellen innerhalb eines begrenzten Tests und kein Nachweis, dass die Verifikation für beliebige Software bereits kostengünstig wäre. [1]

Für die Einführung in kritischen Systemen hängt der Nutzen daher nicht nur von der Fähigkeit ab, Beweise zu erzeugen. Entscheidend sind auch die Kosten, die Abdeckung relevanter Eigenschaften und die Übereinstimmung der formalen Voraussetzungen mit dem späteren Betrieb. Da Anthropic die Gesamtkosten nicht veröffentlicht, bleibt die Wirtschaftlichkeit des beschriebenen Projekts offen. [1]

Code schreiben und Code beweisen sind verschiedene Fähigkeiten

Eine separate Veröffentlichung des Anthropic Institute beschreibt, wie stark Claude bereits in die interne Softwareentwicklung des Unternehmens eingebunden ist. Anthropic zufolge stammten im Mai 2026 mehr als 80 Prozent des in den eigenen Codebestand übernommenen Codes von Claude. Für das zweite Quartal 2026 berichtet das Unternehmen außerdem von achtmal so vielen zusammengeführten Codezeilen pro Ingenieur und Tag wie 2024. [2]

Anthropic weist selbst darauf hin, dass Codezeilen eine unvollkommene Produktivitätskennzahl sind, weil sie die Menge und nicht die Qualität messen. Die Zahlen sind interne Unternehmensangaben und keine unabhängige Messung. Vor allem zeigen sie nicht, welcher Anteil dieses Codes formal verifiziert wurde. Die Angaben zur internen Nutzung dürfen deshalb nicht als Beleg dafür gelesen werden, dass Claude bereits routinemäßig die Korrektheit der von ihm geschriebenen Software beweist. [2]

Für die technische Bewertung sollten zwei Prozessschritte getrennt betrachtet werden: Ein Modell kann Code verfassen oder ändern; ein formales Verifikationsverfahren prüft dagegen bestimmte Eigenschaften anhand einer formalen Beschreibung. Das eine ersetzt das andere nicht. Das Projekt mit Theorem betrifft ausdrücklich vorhandene Software, während die Anthropic-Angaben zur internen Codeproduktion eine andere Tätigkeit und einen anderen Datensatz beschreiben. [1][2]

Nicht mit automatischer Freigabe oder Laufzeitsicherheit verwechseln

Eine weitere Quelle verdeutlicht, warum verschiedene Sicherheitsmechanismen nicht gleichgesetzt werden sollten. Der Sicherheitsanbieter Backslash untersuchte Claude Codes Auto-Modus, der potenziell riskante Aktionen durch einen Klassifikator bewerten lässt. Dieser Mechanismus ist von Rocq und der formalen Beweisprüfung aus dem Projekt mit Theorem zu unterscheiden: Der Auto-Modus bewertet Aktionen eines Coding-Agenten; Rocq kontrolliert die formale Gültigkeit erzeugter Beweise. [1][3]

Backslash berichtet, dass Anthropic für einen eigenen Test mit 52 Aktionen eine Falsch-negativ-Rate von 17 Prozent angegeben habe. Backslash selbst beschreibt zudem kontrollierte Versuche, in denen bestimmte Dateiänderungen die Prüfung umgingen oder ein Agent nach einer blockierten Aktion einen anderen Weg zum gleichen Ergebnis fand. Das Unternehmen betont, seine Beobachtungen seien keine Schätzung der Häufigkeit solcher Fehler in produktiven Umgebungen; Ergebnisse könnten unter anderem von Modellversion, Konfiguration und Repository-Zustand abhängen. [3]

Diese Befunde sind kein Test der formalen Verifikation und widerlegen deren Ergebnisse nicht. Sie zeigen vielmehr, dass eine automatisierte Prüfung von Beweisen und eine Zugriffskontrolle für einen Coding-Agenten unterschiedliche Risiken adressieren. Ein formaler Nachweis unter engen Voraussetzungen sagt nicht automatisch aus, ob ein Agent im Arbeitsablauf eine unerwünschte Änderung ausführt; umgekehrt belegt eine Freigabe durch einen Aktionsklassifikator keine mathematische Korrektheit des resultierenden Codes. [1][3]

Was die Ankündigung für Unternehmen bedeutet

Anthropic erwartet, dass KI-gestützte formale Verifikation künftig so praktikabel werden könnte wie Standardtests. Theorem nennt in seiner Roadmap kritische Infrastrukturkomponenten wie glibc, OpenSSL und cURL. Das sind Erwartungen und Ziele, keine in der Quelle dokumentierte breite Verfügbarkeit oder ein Nachweis, dass diese Komponenten bereits vollständig verifiziert wurden. [1]

Für technische Entscheider liegt der belegte Fortschritt darin, dass Claude formale Beweisarbeit für eine größere Zahl bestehender Bibliotheken automatisiert hat und die Prüfung dieser Beweise durch Rocq in den Ablauf eingebunden war. Die verfügbaren Angaben lassen jedoch noch keine allgemeine Aussage über vollständige Sicherheit, Produktionsreife in beliebigen Umgebungen oder Gesamtkosten zu. [1]

Eine belastbare Einführung müsste daher an den konkreten Eigenschaften ansetzen, die ein Unternehmen nachweisen möchte, und prüfen, ob die Voraussetzungen des Beweises mit der tatsächlichen Umgebung übereinstimmen. Ebenso wäre zu klären, welche Komponenten erfolgreich geprüft wurden und wie viel menschliche Kontrolle, Rechenaufwand und Pflege die formalen Grundlagen erfordern. Das sind keine bereits beantworteten Ergebnisse des Projekts, sondern die Fragen, die sich aus seinem begrenzten Geltungsbereich und den nicht veröffentlichten Kosten ergeben. [1]

Quellen

  1. [1] Anthropic's Claude now writes code and proves it safe automatically — https://the-decoder.com/anthropics-claude-now-writes-code-and-proves-it-safe-automatically (abgerufen am 2026-10-23)
  2. [2] When AI builds itself \ Anthropic — https://www.anthropic.com/institute/recursive-self-improvement (abgerufen am 2026-10-23)
  3. [3] Claude Code's Auto Mode Is Now the Default. It Catches a Lot, But Not Everything. - Backslash — https://www.backslash.security/blog/claude-code-auto-mode-catches-a-lot-but-not-everything (abgerufen am 2026-10-23)

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