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Vorwürfe gegen OpenAI: Streit um Urheberschaft und ethische Standards in der KI-Forschung

Vorwürfe gegen OpenAI: Streit um Urheberschaft und ethische Standards in der KI-Forschung

Der schnelle Überblick

  • Ein Mathematiker der NYU erhebt schwere Vorwürfe gegen OpenAI bezüglich der Urheberschaft an einer Lösung der Navier-Stokes-Gleichungen.
  • OpenAI soll versucht haben, einen Co-Autor aufgrund seiner Anstellung bei Anthropic von der Autorenschaft auszuschließen.
  • Die Angelegenheit wirft Fragen bezüglich des Umgangs mit Forschungsdaten und ethischen Standards in der KI-Forschung auf.
  • OpenAI bestreitet die Vorwürfe und betont, die eigene Lösung unabhängig entwickelt zu haben.

Kontroverse um mathematischen Durchbruch: Vorwürfe gegen OpenAI wegen Druckausübung

In der Welt der Künstlichen Intelligenz und der mathematischen Forschung hat eine aktuelle Entwicklung für Aufsehen gesorgt, die weitreichende Fragen über Ethik, Datenverwendung und den Umgang mit wissenschaftlicher Urheberschaft aufwirft. Im Zentrum der Debatte stehen Vorwürfe des Mathematikers Tristan Buckmaster von der New York University (NYU) gegen das KI-Unternehmen OpenAI.

Der Ursprung der Kontroverse: Navier-Stokes-Gleichungen und KI-gestützte Forschung

Die Navier-Stokes-Gleichungen stellen eines der sieben sogenannten "Millennium-Probleme" des Clay Mathematics Institute dar, für deren Lösung jeweils ein Preisgeld von einer Million US-Dollar ausgelobt ist. Diese Gleichungen sind fundamental für das Verständnis von Flüssigkeitsströmungen, doch ihre theoretische Lösung ist seit Langem eine der größten Herausforderungen der Mathematik.

Professor Tristan Buckmaster und sein Co-Autor Levent Alpöge, der bei Anthropic beschäftigt ist, arbeiteten über Monate hinweg mit verschiedenen KI-Modellen, darunter Anthropic's Claude und OpenAI's Codex (unter Verwendung von GPT-5.6 Sol), an diesen Gleichungen. Ihre Forschung führte nach eigenen Angaben Mitte August zu mehreren Durchbrüchen, die sie der Lösung einer spezifischen Variante der Navier-Stokes-Gleichungen näherbrachten. Eine formale Verifizierung dieser Ergebnisse steht noch aus, doch ein solcher Nachweis würde einen bedeutenden Fortschritt sowohl in der Mathematik als auch in der KI-gestützten Forschung darstellen.

Gerüchte, Kontaktaufnahme und OpenAIs Reaktion

Anfang September begannen Gerüchte über einen bevorstehenden mathematischen Durchbruch zu kursieren. Alpöge erfuhr, dass Informationen über ihre Arbeit an OpenAI gelangt waren. Daraufhin kontaktierte Buckmaster am 3. September proaktiv einen Mathematiker bei OpenAI, um die Situation zu klären. Er betonte, dass es sich um eine rein persönliche Zusammenarbeit handele, ohne institutionelle Vereinbarungen.

OpenAI reagierte noch am selben Tag, forderte Details an und bot Rechenressourcen an. Trotz Buckmasters Vorschlag, einen Termin in der folgenden Woche zu vereinbaren, drängte OpenAI auf ein früheres Gespräch. Am Sonntag, dem 4. September, trat Sébastien Bubeck von OpenAI den Gesprächen bei. Laut Buckmasters Darstellung informierte OpenAI ihn in zwei Telefonaten darüber, dass ein internes Modell einen etwa 100-seitigen Beweis für die Navier-Stokes-Gleichungen mit forcierender Kraft erstellt habe.

Die Frage der Methode und Datennutzung

Buckmaster bemerkte, dass die Erwähnung der "forcierten Navier-Stokes-Gleichungen" darauf hindeutete, dass OpenAI denselben ungewöhnlichen Ansatz verfolgte, den er und Alpöge gewählt hatten – eine Richtung, an der nach seiner Einschätzung kaum jemand sonst arbeitete. Er und Alpöge hatten all ihre Entwürfe während des Projekts in OpenAI Codex-Sitzungen eingegeben. Auf die Frage, ob OpenAIs Modell mit diesen Sitzungen trainiert worden sei oder Zugriff darauf gehabt habe, wurde ihm geantwortet, dass das Modell keine Benutzerdaten einsehe. Eine spezifische Frage zum Training blieb unbeantwortet.

Zuvor hatte OpenAI-Entwickler Noam Brown im August erklärt, dass OpenAI ebenfalls an den Millennium-Problemen arbeite, aber noch keine Lösung gefunden habe und nicht viel Rechenleistung dafür aufwende.

Der Vorwurf der Druckausübung und die Forderung nach Entfernung des Co-Autors

Laut Buckmaster unterbreitete OpenAI zwei Vorschläge: Entweder würden Buckmaster und Alpöge ihr Euler-Ergebnis veröffentlichen, und OpenAI würde am nächsten Tag sein eigenes veröffentlichen, wobei OpenAI sie als die "nächsten Menschen am Problem" bezeichnen würde. Oder Buckmaster allein würde das Navier-Stokes-Ergebnis präsentieren und ein internes OpenAI-Modell anerkennen. In beiden Szenarien habe Bubeck zweimal darauf bestanden, dass Alpöge von der Autorenschaft ausgeschlossen werde. Als Begründung wurde angeführt, dass es "so ärgerlich" sei, dass Alpöge bei Anthropic arbeite.

Buckmaster lehnte beide Vorschläge ab und drohte, die Angelegenheit öffentlich zu machen, sollte OpenAI das Ergebnis in der vorgeschlagenen Form veröffentlichen. Die mutmaßliche Reaktion von Bubeck: "Warum sollten Sie Ihre Karriere ruinieren?" Als Buckmaster erwiderte, er sei Akademiker, soll Bubeck gesagt haben: "Wenn Sie nicht wollen, dass ich nett bin, dann muss ich nicht nett sein." Berichten zufolge kontaktierte Bubeck später Alpöge separat mit der Nachricht: "Ich weiß nicht, ob Tristan gerade völlig rational ist." Alpöge lehnte eine Reaktion ab.

OpenAIs offizielle Stellungnahme und die weiteren Implikationen

OpenAI hat die Vorwürfe von Buckmaster zurückgewiesen. In einer Pressemitteilung erklärte das Unternehmen, die eigene Lösung fundamental von dem Ansatz von Buckmaster und Alpöge unterscheide sich. Man habe am 28. August mit dem Training eines neuen Modells mit fortgeschrittenen mathematischen Fähigkeiten begonnen und nach Gerüchten über Fortschritte bei Anthropic mehr Ressourcen auf das Navier-Stokes-Problem umgeleitet. Am Sonntag, dem 4. September, sei die endgültige Lösung, Lean-formalisiert, fertiggestellt worden.

In einem Blogbeitrag erklärte OpenAI, die eigene Arbeit habe am 1. September begonnen, nachdem ein Gerücht aufgetaucht sei, das sich später auf Alpöge und Buckmaster bezog. Nach Abschluss des Projekts und der Lean-Verifizierung am 6. September habe das Unternehmen Kontakt aufgenommen, um eine gleichzeitige Veröffentlichung und eine gemeinsame Ankündigung zur Anerkennung ihrer Priorität vorzuschlagen. Erst dann habe OpenAI erfahren, dass die beiden das forcierte Euler-Problem gelöst hatten, nicht die Navier-Stokes-Gleichungen. OpenAI bot an, alle verwendeten Prompts und später Zugang zum Beweis zu gewähren.

OpenAI betonte: "Wir (die Forscher und die Agenten) haben ihre Arbeit bis zur öffentlichen Veröffentlichung in keiner Weise eingesehen – insbesondere wurden keine spezifischen Benutzerdaten abgerufen, um dieses Problem zu lösen." Es wird jedoch eingeräumt, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass anonymisierte Daten aus der Nutzung ihrer Produkte zur Verbesserung der Modelle beigetragen hätten. Die Beweise von OpenAI unterschieden sich jedoch erheblich, und selbst die genauen bewiesenen Ergebnisse seien im Euler-Fall (forciert vs. unforciert) unterschiedlich.

Buckmaster reagierte auf diese Stellungnahme mit der Bemerkung: "Beachten Sie, dass sie offen zugeben, Trainingsdaten aus einem Zeitraum verwendet zu haben, nachdem wir unser Ergebnis gefunden hatten. Ist es ethisch, die Daten eines Kunden zu verwenden, um den Kunden zu übertrumpfen?" Ob Buckmaster die Standardeinstellung von OpenAI, die die Nutzung von Kundendaten für das Modelltraining erlaubt, abgewählt hatte, ist nicht bekannt.

Die gesamte Situation wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Verflechtung von akademischer Forschung und kommerzieller KI-Entwicklung. Die Fragen der Urheberschaft, des Datenzugriffs und der ethischen Standards in einer hochkompetitiven Forschungslandschaft bleiben von zentraler Bedeutung für die B2B-Zielgruppe von Mindverse, die sich mit den Implikationen von KI-Technologien auseinandersetzt.

Bibliografie

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