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Rechtsstreit über die Nutzung von Stream-Inhalten für KI-Training gegen Twitch und Amazon

Rechtsstreit über die Nutzung von Stream-Inhalten für KI-Training gegen Twitch und Amazon

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein US-Streamer hat eine Sammelklage gegen Twitch und Amazon eingereicht, da seine Stream-Inhalte ohne Zustimmung zum Training generativer KI-Modelle verwendet worden sein sollen.
  • Die Klage wirft den Unternehmen vor, seit 2024 Millionen von Videos für KI-Trainingszwecke kopiert und kommerzialisiert zu haben, ohne Lizenzen zu erwerben oder um Erlaubnis zu bitten.
  • Im August 2026 führte Twitch eine Opt-out-Funktion ein, die es Streamern ermöglicht, die Nutzung ihrer Inhalte für KI-Trainings zu deaktivieren. Diese Funktion ist standardmäßig aktiviert und wirkt nicht rückwirkend.
  • Der Produktchef von Twitch begründete die Voreinstellung damit, dass sich bei einer Opt-in-Lösung niemand für die Nutzung entscheiden würde.
  • Die Klage stützt sich auf Vertragsbruch, ungerechtfertigte Bereicherung und unlautere Geschäftspraktiken, nicht primär auf Urheberrechtsverletzungen.
  • Ähnliche Klagen gegen Technologieunternehmen wegen der Nutzung von Inhalten für KI-Trainings nehmen zu, darunter eine Sammelklage gegen Apple.

Die digitale Landschaft wird zunehmend von Diskussionen über die Nutzung von Inhalten für das Training künstlicher Intelligenz (KI) geprägt. Eine aktuelle Entwicklung in diesem Kontext ist die Sammelklage eines Twitch-Streamers gegen die Streaming-Plattform Twitch und deren Mutterkonzern Amazon. Dieser Rechtsstreit wirft wichtige Fragen bezüglich der Rechte von Content-Erstellern, der Transparenz von Datennutzung und der Geschäftspraktiken großer Technologieunternehmen auf.

Hintergrund der Klage: Unerlaubtes KI-Training?

Der Streamer Warren Pandiscia aus Connecticut hat eine Sammelklage beim Bundesbezirksgericht für den nördlichen Bezirk Kaliforniens eingereicht. Er wirft Twitch und Amazon vor, seine Streams sowie die Inhalte zahlreicher anderer Creator ohne deren ausdrückliche Zustimmung und ohne finanzielle Vergütung für das Training generativer KI-Modelle verwendet zu haben. Laut der 37-seitigen Klageschrift sollen die Unternehmen Millionen von Videos kopiert haben, um Amazons KI-Modelle zu entwickeln und kommerziell zu verwerten. Die Klageschrift argumentiert, dass Amazon ein "überwältigendes Interesse" daran gehabt habe, Trainingsdaten in einem beispiellosen Umfang zu akquirieren, und dies ohne Aushandlung rechtmäßiger Lizenzen oder Einholung von Genehmigungen getan habe.

Der Kläger behauptet, dass die Nutzung seiner Inhalte für KI-Trainings bereits seit 2024 stattgefunden habe, also lange bevor Twitch eine entsprechende Offenlegung oder eine Widerspruchsmöglichkeit anbot. Er gibt an, dass er der Nutzung seiner Inhalte widersprochen hätte, wenn Twitch dies früher transparent gemacht hätte. Diese retrospektive Nutzung ohne explizite Einwilligung steht im Zentrum der rechtlichen Auseinandersetzung.

Die Einführung der Opt-out-Funktion

Mitte August 2026 führte Twitch eine neue Einstellung in den Kontoeinstellungen ein, die es Streamern ermöglicht, die Nutzung ihrer Kanalinhalte für das Training generativer KI-Modelle von Amazon zu deaktivieren. Dieser Schalter, benannt "Training für generative KI", ist standardmäßig aktiviert. Amazon nutzt für diese Trainings eine breite Palette von Daten, darunter Streams, Aufzeichnungen, Clips, Chatverläufe sowie Bilder und Texte, die auf den Kanälen generiert werden.

Die Implementierung dieser Opt-out-Funktion stieß jedoch auf Kritik. Zum einen wirkt der Widerspruch nur für zukünftige Trainings und kann bereits verwendetes Material nicht rückgängig machen. Zum anderen betrifft die Einstellung nur den eigenen Kanal: Wenn ein Streamer in einem anderen Kanal aktiv ist, dessen Betreiber das Opt-out nicht aktiviert hat, können seine dortigen Beiträge weiterhin für KI-Trainings genutzt werden. Mike Minton, Produktchef von Twitch, begründete die standardmäßige Aktivierung der Funktion in einem Livestream offen mit der Aussage: "Wenn es Opt-in wäre, würde das keiner machen. Das ist die ehrliche Antwort." Diese Äußerung unterstreicht die unternehmerische Perspektive, birgt jedoch auch Konfliktpotenzial mit den Interessen der Content-Ersteller.

Rechtliche Argumentation und Parallelen

Die Klage von Warren Pandiscia stützt sich primär auf die Verletzung von Vertragspflichten, ungerechtfertigte Bereicherung und unlautere Geschäftspraktiken. Es wird argumentiert, dass Twitch und Amazon durch die unerlaubte Nutzung der Inhalte Vertragsbruch begangen und von den Streamern profitiert hätten. Bemerkenswert ist, dass die Klage weniger auf Urheberrechtsverletzungen als vielmehr auf den Bruch impliziter und expliziter vertraglicher Vereinbarungen sowie auf Wettbewerbsrecht abzielt.

Dieser Fall ist kein Einzelfall. Die Nutzung von öffentlich zugänglichen Daten für das Training von KI-Modellen ist ein branchenweites Thema. Bereits im April 2026 wurde gegen Apple eine Sammelklage von drei YouTube-Kanälen eingereicht, die dem Unternehmen vorwerfen, Millionen von Videos ohne Erlaubnis für das Modelltraining verwendet zu haben. Solche Klagen verdeutlichen eine wachsende Sensibilität gegenüber der Datennutzung im Kontext generativer KI und könnten präzedenzschaffende Urteile zur Folge haben, die die Spielregeln für Technologieunternehmen und Content-Ersteller neu definieren.

Die Entwicklungen in diesem Fall werden von der Branche aufmerksam verfolgt, da sie weitreichende Implikationen für die Beziehungen zwischen Plattformen und ihren Nutzern sowie für die zukünftige Gestaltung von KI-Trainingspraktiken haben könnten. Die Frage der gerechten Vergütung und der transparenten Einwilligung bei der Nutzung digitaler Inhalte für kommerzielle KI-Produkte bleibt ein zentraler Diskussionspunkt.

Bibliographie

- Herbig, Daniel. "Twitch: Streamer verklagt Amazon wegen KI-Training mit seinen Streams | heise online." heise online, 24. August 2026. - Seidl, Maik. "Twitch: Streamer verklagt Amazon wegen KI-Training ohne Zustimmung." play3.de, 24. August 2026. - Brien, Jörn. "Twitch und Amazon wegen KI-Trainings verklagt." t3n.de, 24. August 2026. - Chen, Jackson. "Twitch and Amazon hit with lawsuit for training AI with streamers' content." engadget.com, 23. August 2026. - Blake, Vikki. "Twitch faces a class action lawsuit over using streamers' content to train Amazon's AI." eurogamer.net, 23. August 2026. - "Twitch and Amazon sued over 2 years of undisclosed AI training." ppc.land, 23. August 2026. - "Sammelklage gegen Twitch: Vertragsbruch statt Urheberrecht." blogspan.net, 23. August 2026. - Biancchini, Ricardo. "Twitch sued over use of streamers' content to train AI." umgamer.com, 23. August 2026.

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