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Die Landschaft der öffentlichen Gesundheit in den Vereinigten Staaten steht vor einer potenziell transformativen Phase durch die Integration künstlicher Intelligenz. Im Rahmen einer neuen, nationalen Initiative, bekannt als PULSE (Public Health Use Case and Learning Scaling Engine), werden öffentliche Gesundheitsbehörden in den USA generative KI-Tools von führenden Anbietern wie OpenAI und Anthropic testen. Diese Initiative, maßgeblich vorangetrieben von der Coalition for Health AI (CHAI), soll die verantwortungsvolle Implementierung und Skalierung von KI-Technologien im Gesundheitswesen unterstützen.
Die PULSE-Initiative sieht vor, Pilotprojekte in zehn staatlichen, lokalen, Stammes- oder territorialen Gerichtsbarkeiten durchzuführen. Ziel ist es, durch praktische Erprobung Implementierungsleitfäden zu erstellen, die anderen öffentlichen Gesundheitsbehörden bei ähnlichen Vorhaben als Orientierung dienen können. Für dieses ambitionierte Projekt haben OpenAI und Anthropic jeweils Unternehmenslizenzen gespendet, die bis zu 2.000 Fachkräften im öffentlichen Gesundheitswesen den Zugang zu den generativen KI-Produkten ermöglichen.
Die Koordination und Unterstützung der Teilnehmer wird von Accenture übernommen. Das Unternehmen ist verantwortlich für das Onboarding der Fachkräfte und die Entwicklung von „Playbooks“, die auf den Erkenntnissen der Pilotprojekte basieren. Diese Playbooks sollen praktische Anleitungen und Best Practices für die Nutzung der KI-Tools bereitstellen.
Der Lenkungsausschuss der Coalition for Health AI wird die teilnehmenden Jurisdiktionen auswählen und die Fachkräfte in Arbeitsgruppen einteilen, die sich auf fünf spezifische Anwendungsfälle konzentrieren:
Eine zentrale Herausforderung bei der Implementierung dieser Technologien liegt in der Festlegung klarer Governance-Strukturen und Evaluierungskriterien. Die CHAI hat bislang keine detaillierten Anforderungen für die Bewertung der KI-Systeme in Bezug auf Datenschutz, Sicherheit oder menschliche Überprüfung veröffentlicht. Dies betrifft insbesondere die Frage, welche Produkte, Modellversionen oder Konfigurationen der KI-Anbieter zum Einsatz kommen werden und wie die Zuweisung der Anbieter zu den einzelnen Pilotprojekten erfolgt.
Ein kritischer Aspekt bei der Nutzung von KI im Gesundheitswesen ist der Umgang mit sensiblen Daten. Die US-Gesundheitsbehörden müssen die Vorgaben des Health Insurance Portability and Accountability Act (HIPAA) einhalten, der den Schutz elektronischer Gesundheitsinformationen regelt. Es bleibt unklar, ob die Pilotprojekte identifizierbare Datensätze, anonymisierte Informationen, synthetische Daten oder aggregierte Datensätze verwenden werden. Die Anwendung von HIPAA wird dabei von der jeweiligen Behörde, den involvierten Daten und der durchgeführten Funktion abhängen.
Sowohl OpenAI als auch Anthropic haben erklärt, dass Eingaben und Ausgaben ihrer kommerziellen Dienste standardmäßig nicht zum Training oder zur Verbesserung ihrer Modelle verwendet werden. Diese Richtlinien definieren jedoch nicht, wie die PULSE-Implementierungen konkret konfiguriert werden. Fragen zur Aufbewahrungsdauer von Daten, Zugangskontrollen, Audit-Vereinbarungen, Datenspeicheranforderungen und Regeln für die Übermittlung geschützter Gesundheitsinformationen sind noch zu klären.
Die Pilotprojekte sollen im Herbst 2026 starten, und die daraus resultierenden Playbooks werden voraussichtlich 2027 veröffentlicht. Diese Playbooks sollen als Referenzmaterial für andere öffentliche Gesundheitsbehörden dienen. Es ist jedoch noch nicht definiert, welche Metriken zur Bewertung der Pilotprojekte herangezogen werden oder ob jeder Anwendungsfall unter separaten technischen, betrieblichen, datenschutzrechtlichen und sicherheitstechnischen Kriterien bewertet wird.
Die Überprüfung der Modellausgaben ist ein weiterer wichtiger Punkt. Es muss festgelegt werden, ob erzeugte öffentliche Kommunikationen, Übersetzungen, klinische Informationen oder Ergebnisse aus Biosurveillance- und Drogenwellenprognosen vor ihrer Nutzung von Personal genehmigt, verifiziert oder überprüft werden müssen. Die Leitlinien des National Institute of Standards and Technology (NIST) empfehlen, Funktionen zu identifizieren, die menschliche Aufsicht erfordern, und Benutzer im Verständnis der Systemleistung und -einschränkungen zu schulen.
Elizabeth Kelly, Head of Beneficial Deployments bei Anthropic, betonte die Notwendigkeit, KI mit Sorgfalt und den richtigen Schutzmaßnahmen einzuführen. Sie hob hervor, dass PULSE es den Praktikern ermöglichen werde, die Tools in ihren eigenen Umgebungen mit integrierten Datenschutz-, Governance- und verantwortungsvollen Nutzungsmaßnahmen zu testen.
Daten der National Association of County and City Health Officials zeigen, dass fast 40 % der lokalen Gesundheitsämter noch keine KI nutzen. Die CHAI sieht in der PULSE-Initiative eine Möglichkeit, diese Lücke zu schließen und den Behörden praktische Erfahrungen mit KI zu vermitteln, bevor eine breitere Implementierung erfolgt. Dr. Brian Anderson, Chief Executive der Coalition for Health AI, wies darauf hin, dass die öffentlichen Gesundheitsbehörden nach Jahren begrenzter Technologieinvestitionen in die COVID-19-Pandemie geraten seien. PULSE soll nun eine fundierte Vorbereitung auf die KI-gestützte Zukunft ermöglichen.
Die Initiative ist Teil der umfassenderen Bemühungen der Coalition for Health AI, Governance-Standards für KI im Gesundheitswesen zu entwickeln. Im Mai wurden Pläne zur Erarbeitung von Leitlinien in acht Governance-Bereichen durch Workshops und Arbeitsgruppen bekannt gegeben. Die CHAI hat bereits Playbooks zu organisatorischen KI-Richtlinien, Governance-Strukturen und internen Ressourcen veröffentlicht, weitere sollen folgen.
Dr. Ashish Jha, ehemaliger White House COVID-19 Response Coordinator, unterstreicht die Bedeutung eines durchdachten Ansatzes: „Wir wissen, dass KI die Art und Weise, wie wir öffentliche Gesundheit liefern, neu gestalten wird – die Frage ist, ob wir dies bedacht oder unbedacht tun.“ Die PULSE-Initiative soll genau dies leisten: Anwendungen testen, die funktionieren, und die Ergebnisse dokumentieren, um anderen Behörden eine evidenzbasierte Grundlage zu bieten.
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