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Die Integration künstlicher Intelligenz (KI) in die öffentliche Verwaltung bietet großes Potenzial, stellt Behörden jedoch gleichzeitig vor komplexe Herausforderungen. Insbesondere die Auswahl geeigneter KI-Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) erfordert eine fundierte Bewertung, die über gängige internationale Benchmarks hinausgeht. Um dieser Notwendigkeit gerecht zu werden, hat die Bundesdruckerei das Forschungs- und Innovationsprojekt "MÖVE" ins Leben gerufen.
Die öffentliche Verwaltung in Deutschland operiert unter besonderen Rahmenbedingungen, die sich von denen des Privatsektors oder internationalen Kontexten unterscheiden. Eine präzise Handhabung der deutschen Sprache, die Einhaltung juristischer Vorgaben, strenge Sicherheitsstandards sowie die Berücksichtigung demokratischer Werte sind essenziell. Bestehende KI-Modellvergleiche konzentrieren sich oft auf Kriterien wie das englische Textverständnis, mathematische Fähigkeiten oder allgemeines Weltwissen. Diese sind für den spezifischen Einsatz in deutschen Behörden jedoch nur bedingt aussagekräftig.
Das Projekt MÖVE, eine Abkürzung für "Modelle für die öffentliche Verwaltung evaluieren", zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. Es handelt sich um den ersten ganzheitlichen KI-Modellvergleich, der speziell auf die Anforderungen des öffentlichen Sektors zugeschnitten ist. Seit Januar 2025 werden im Rahmen dieses Projekts über 50 LLMs, darunter bekannte Modelle wie GPT, Gemma, Llama, Claude, DeepSeek und Mistral, systematisch bewertet.
Das übergreifende Ziel von MÖVE besteht darin, Behörden eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für den verantwortungsvollen Einsatz von KI zu bieten. Dabei werden die Modelle nicht nur hinsichtlich ihrer reinen Leistungsfähigkeit beurteilt, sondern auch in Bezug auf weitere kritische Aspekte.
Die methodische Basis von MÖVE bilden neun eigens entwickelte, deutschsprachige Testdatensätze, die direkt aus der Verwaltungspraxis stammen. Diese Datensätze umfassen beispielsweise reale juristische Texte, offizielle Verwaltungsdokumente und Publikationen von Bundesministerien. Auf dieser Grundlage hat das Forschungsteam sieben Kernkriterien für die Bewertung erarbeitet:
Die Ergebnisse dieser umfassenden Bewertungen werden in einem interaktiven Online-Vergleich bereitgestellt. Behörden haben dort die Möglichkeit, einzelne Kriterien zu filtern, um das für ihre spezifischen Anwendungsfälle optimale Modell zu identifizieren. Aktuelle Ergebnisse zeigen, dass Modelle wie Gemma4 und GPT-40 in den Gesamtvergleichen derzeit führend sind, wobei auch europäische Modelle wie Mistral Small 3.1 in den Top Ten vertreten sind.
Ein besonderer Schwerpunkt von MÖVE liegt auf der IT-Sicherheit. Die Bundesdruckerei arbeitet hierfür eng mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) zusammen. Diese Kooperation ist von hoher Relevanz, da leistungsstarke KI-Modelle zwar Potenziale für die Cyberabwehr bieten, jedoch auch für automatisierte Angriffe missbraucht werden könnten. Eine frühzeitige Risikoanalyse wird daher als unerlässlich erachtet.
Luise Kranich vom BSI betont, dass messbare Vergleichsstandards die Grundlage dafür schaffen, dass Nutzer Sicherheitsentscheidungen nicht allein auf Basis eines Bauchgefühls treffen müssen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer objektiven und fundierten Bewertung.
Um größtmögliche Transparenz zu gewährleisten, ist die gesamte Bewertungsmethodik von MÖVE als Open-Source-Repository frei verfügbar und in einem Forschungspapier ausführlich dokumentiert. Alle Ergebnisse sind zudem auf der eigens eingerichteten MÖVE-Webseite der Bundesdruckerei nachvollziehbar. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die vorgenommenen Bewertungen und dargestellten Ergebnisse keine rechtlich verbindliche Auslegung oder Prüfung auf Gesetzeskonformität darstellen.
Das Projekt MÖVE trägt somit maßgeblich dazu bei, die öffentliche Verwaltung in Deutschland bei der sicheren und verantwortungsvollen Implementierung von KI-Technologien zu unterstützen und eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die digitale Transformation zu schaffen.
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