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KI-verifizierte Formalisierung von Fermats letztem Satz durch Anthropic

KI-verifizierte Formalisierung von Fermats letztem Satz durch Anthropic

Das Wichtigste in Kürze

  • Das KI-Unternehmen Anthropic hat eine computerverifizierte Formalisierung von Fermats letztem Satz vorgelegt.
  • Ein Team von Claude-Agenten erstellte den Beweis in elf Tagen im Beweisassistenten Lean.
  • Der Beweis umfasst 13 Millionen Zeilen Code und 29.500 Zwischentheoreme.
  • Die Formalisierung beruht auf einer vereinfachten Version von Andrew Wiles' Beweis aus dem Jahr 1995.
  • Der Code ist öffentlich zugänglich und wurde von Experten wie Kevin Buzzard als valide bestätigt.
  • Der Erfolg ist das Ergebnis einer Kombination aus KI-Modellen und einer unterstützenden Infrastruktur namens Prove2Me.

Die Anwendung künstlicher Intelligenz in der Mathematik hat einen bemerkenswerten Fortschritt erzielt: Das KI-Unternehmen Anthropic hat nach eigenen Angaben die erste vollständig computerverifizierte Formalisierung von Fermats letztem Satz vorgelegt. Diese Leistung, die von einem Schwarm Claude-Agenten in nur elf Tagen im Beweisassistenten Lean erbracht wurde, umfasst beeindruckende 13 Millionen Zeilen Code und 29.500 Zwischentheoreme. Dieser Erfolg wird in Fachkreisen als ein signifikanter Schritt in der automatischen Formalisierung mathematischer Beweise gewertet.

Der Fermatsche Satz und die Formalisierung

Fermats letzter Satz besagt, dass die Gleichung xⁿ + yⁿ = zⁿ für ganzzahlige Exponenten n > 2 keine ganzzahligen Lösungen hat. Dieser Satz, der über 350 Jahre lang unbewiesen blieb, wurde 1995 von Andrew Wiles in einem 129-seitigen Beweis endgültig geklärt. Die aktuelle Arbeit von Anthropic zielt nicht darauf ab, neue mathematische Erkenntnisse zu generieren, sondern den bestehenden Beweis in eine Form zu überführen, die von einem Computer Schritt für Schritt automatisch überprüft werden kann – eine sogenannte Formalisierung.

Das zentrale Werkzeug für diese Formalisierung war der Beweisassistent Lean. Lean ist eine Kombination aus Programmiersprache und Prüfsystem, das mathematische Aussagen und deren Herleitungen als Code notiert. Dieser Code wird anschließend gegen ein festes logisches Regelwerk geprüft. Nur wenn die logische Kette lückenlos ist, kompiliert der Beweis. Dies eliminiert die Notwendigkeit menschlicher Gutachter für die Überprüfung der Korrektheit, da das Vertrauen lediglich dem kleinen Kern des Systems und dessen Axiomen gilt.

Der Prozess der KI-gestützten Formalisierung

Die Formalisierung eines menschlich verfassten Beweises ist eine komplexe Aufgabe, da menschliche Beweise oft viele als „offensichtlich“ geltende Schritte überspringen und auf einem breiten Fundament publizierter Arbeit aufbauen. Lean hingegen benötigt jeden einzelnen Schritt und kann nur auf den Teil der Mathematik zugreifen, der bereits formalisiert vorliegt, gesammelt in der Community-Bibliothek Mathlib.

Der Anthropic-Forscher Tianyi Peng und sein Team an der Columbia University untersuchten, inwieweit Claude bei der Formalisierung von Fermats letztem Satz (Fermat’s Last Theorem, FLT) Fortschritte erzielen konnte. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen: Innerhalb von elf Tagen produzierten die Claude-Agenten eine weitgehend autonome, computergeprüfte Fassung. Dutzende Agenten arbeiteten dabei zusammen, um Konzepte zu definieren, Zwischentheoreme zu beweisen und damit immer komplexere Aussagen zu belegen. Die Formalisierung basierte auf einer vereinfachten Version von Wiles' Beweis nach Darmon, Diamond und Taylor. Der menschliche Input beschränkte sich auf gelegentliche High-Level-Anweisungen.

Validierung und Kosten

Die Belastbarkeit der Formalisierung wird durch mehrere Faktoren untermauert:

- Das Ergebnis wurde von Lean geprüft und nutzt ausschließlich dessen drei Standardaxiome. - Ein Komparator bestätigte die Übereinstimmung der Theorem-Aussage mit Mathlibs eigener FLT-Formulierung. - Der vollständige Beweis und ein schriftlicher Walkthrough sind im GitHub-Repository von Anthropic öffentlich zugänglich. - Kevin Buzzard, ein führender Mathematiker im Bereich der Formalisierung, hat die Arbeit begutachtet und den Code selbst kompiliert, wobei er die Validität bestätigte. Er bezeichnet die Leistung als großen Schritt hin zur automatischen Formalisierung moderner mathematischer Literatur.

Es wird jedoch betont, dass die Arbeit mathematisch nichts Neues liefere, sondern die Formalisierung lediglich der frühen Literatur zum Beweis folge.

Die Entwicklung war nicht ohne Herausforderungen. Anfängliche Versuche scheiterten, da die Agenten-Teams den Überblick über den Projektzustand verloren. Der Durchbruch gelang durch den Einsatz von Prove2Me, einer offenen Plattform zur Formalisierung von Mathematik, entwickelt von Peng und Kollegen. Prove2Me verwaltet einen gerichteten azyklischen Graphen von Theoremaussagen, der den Agenten hilft, ihre nächsten Schritte zu planen und somit Speicherdegradation entgegenzuwirken und Parallelarbeit zu ermöglichen.

Die Kosten für diesen Prozess werden auf etwa 100.000 bis 300.000 US-Dollar geschätzt, basierend auf rund sechs Milliarden verbrauchten Output-Token. Anthropic selbst hat keine genauen Zahlen veröffentlicht.

Einordnung in die KI-Forschung

Diese Errungenschaft reiht sich in eine Serie von Erfolgen im Bereich der KI-gestützten Mathematik ein:

- Bereits 2024 erreichten DeepMind-Modelle wie AlphaProof und AlphaGeometry 2 bei der Internationalen Mathematik-Olympiade Silbermedaillenniveau. - Im April 2026 löste ein 23-Jähriger mithilfe eines Prompts an GPT-5.4 Pro ein 60 Jahre altes Erdős-Problem, dessen Beweis ebenfalls in Lean formal verifiziert wurde. - Kurz darauf widerlegte ein internes OpenAI-Modell eine 80 Jahre alte Annahme zum „planar unit distance“-Problem.

Diese Entwicklungen unterstreichen das wachsende Potenzial von KI-Systemen, komplexe mathematische Probleme zu formalisieren und zu verifizieren, auch wenn die eigentliche mathematische Kreativität weiterhin beim Menschen liegt.

Der historische Kontext von Fermats letztem Satz

Die Faszination von Fermats letztem Satz liegt in seiner einfachen Formulierung und der über 350 Jahre andauernden Suche nach einem Beweis. Pierre de Fermat selbst notierte um 1640, er habe einen wunderbaren Beweis gefunden, der Rand seines Buches sei jedoch zu schmal für dessen Niederschrift. Die Bedeutung des Problems wird durch den Wolfskehl-Preis verdeutlicht, der 1908 mit 100.000 Goldmark dotiert wurde und im ersten Jahr über 600 fehlerhafte Beweisversuche hervorrief.

Andrew Wiles, der den Satz schließlich 1995 bewies, widmete Jahre seines Lebens diesem Problem. Seine ursprüngliche Beweisversion enthielt eine kritische Lücke, die er erst nach einem weiteren Jahr intensiver Arbeit schließen konnte. Diese Episode verdeutlicht die Anfälligkeit menschlicher Beweise für Fehler und unterstreicht die Notwendigkeit und den Wert formaler, maschinell überprüfbarer Beweise.

Die aktuelle Leistung von Anthropic zeigt, dass KI-Systeme in der Lage sind, die Präzision und Verlässlichkeit mathematischer Beweise auf ein neues Niveau zu heben, indem sie die Schritte menschlicher Argumentation in eine formal überprüfbare Sprache übersetzen. Dies könnte weitreichende Implikationen für die Verifizierung komplexer mathematischer und logischer Systeme in Wissenschaft und Technik haben.

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