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Künstliche Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Insbesondere KI-Agenten, die in der Lage sind, komplexe Aufgaben autonom auszuführen, von der Code-Generierung über das Datenbankmanagement bis hin zur Web-Navigation, sind in den Fokus gerückt. Diese Systeme versprechen, Geschäftsprozesse zu optimieren, klinische Arbeitsabläufe zu automatisieren und die wissenschaftliche Forschung voranzutreiben. Doch trotz steigender Genauigkeitswerte in Standard-Benchmarks offenbart die Praxis häufig eine kritische Diskrepanz: Viele Agenten versagen in realen Anwendungsszenarien auf unerwartete Weise. Dies wirft die Frage auf, wie die zuverlässige Funktion dieser immer autonomer werdenden Systeme sichergestellt werden kann.
Die gängige Praxis, die Leistung von KI-Agenten auf eine einzelne Erfolgsmetrik zu reduzieren, greift zu kurz. Sie verschleiert wesentliche Verhaltensmerkmale, die für die operationale Zuverlässigkeit von entscheidender Bedeutung sind. Zu diesen Merkmalen gehören:
Vorfälle, wie ein KI-Assistent, der eine Produktionsdatenbank löscht, oder Chatbots, die rechtswidrige Ratschläge erteilen, unterstreichen die Notwendigkeit einer umfassenderen Bewertung. Eine hohe Genauigkeit in isolierten Tests garantiert nicht die Verlässlichkeit in komplexen, dynamischen Umgebungen.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurde ein holistisches Rahmenwerk zur Bewertung der Zuverlässigkeit von KI-Agenten entwickelt. Dieses Framework, das sich an Praktiken aus sicherheitskritischen Ingenieurdisziplinen wie der Luftfahrt oder der Kernenergie orientiert, schlägt zwölf konkrete Metriken vor, die die Zuverlässigkeit entlang der vier Schlüsseldimensionen Konsistenz, Robustheit, Vorhersagbarkeit und Sicherheit aufschlüsseln.
Jede Dimension wird dabei durch spezifische Metriken operationalisiert:
Die Konsistenz misst, ob ein Agent bei identischen Eingaben und Umgebungsbedingungen wiederholbare Ergebnisse, Trajektorien und Ressourcennutzung aufweist. Dies ist besonders relevant für Sprachmodell-basierte Agenten, deren nicht-deterministische Natur zu variierendem Verhalten führen kann.
Die Robustheit bewertet die Fähigkeit eines Agenten, mit Abweichungen von den Nominalbedingungen umzugehen, einschließlich Infrastrukturfehlern, Umgebungsänderungen und Eingabestörungen.
Die Vorhersagbarkeit untersucht, ob das Vertrauen eines Agenten mit seiner tatsächlichen Leistung übereinstimmt, um Benutzern informierte Entscheidungen über das Vertrauen in oder die Überprüfung von Ausgaben zu ermöglichen.
Die Sicherheit quantifiziert die Schwere und Häufigkeit schädlicher Verhaltensweisen, wobei zwischen der Einhaltung von Vorschriften und der Schwere des Schadens unterschieden wird. Der Sicherheitswert wird separat von der aggregierten Zuverlässigkeitsbewertung angegeben, um Tail-Risiken nicht durch Mittelwertbildung zu maskieren.
Diese Metriken sollen die Zuverlässigkeit unabhängig von der reinen Aufgaben-Genauigkeit bewerten, indem sie Normalisierungen und verhältnisbasierte Vergleiche nutzen, um Stabilität, Vorhersagbarkeit und Robustheit von der Rohleistung zu isolieren.
Eine Untersuchung von 14 führenden Agentenmodellen unter Verwendung dieses Frameworks zeigte, dass sich die Genauigkeit zwar über 18 Monate stetig verbessert hat, die Zuverlässigkeitsgewinne jedoch minimal waren. Dies deutet darauf hin, dass eine reine Skalierung der Modelle nicht ausreicht, um tatsächlich verlässliche Agenten zu entwickeln. Vielmehr ist ein gezielter Ansatz erforderlich, der die Zuverlässigkeit als primäres Designziel betrachtet.
Die Entwicklung einer "Wissenschaft der Zuverlässigkeit von KI-Agenten" erfordert einen Paradigmenwechsel in der Bewertung. Es gilt, über statische, einmalige Benchmarks hinauszugehen und dynamische, multikonditionale Tests zu implementieren, die die Komplexität realer Einsatzszenarien widerspiegeln. Dies beinhaltet auch die Notwendigkeit einer systemtheoretischen Perspektive, um zu verstehen, wie sich Agenten im Zusammenspiel mit Menschen und anderen Agenten verhalten und wie emergente Eigenschaften des Systems als Ganzes entstehen.
Die aktuelle Entwicklung der agentischen KI konzentriert sich oft zu stark auf die Fähigkeiten einzelner Modelle, ignoriert jedoch breitere emergente Verhaltensweisen und unterschätzt somit sowohl das wahre Potenzial als auch die Risiken. Eine Systemtheorie der agentischen KI würde untersuchen, wie sich die Handlungsfähigkeit auf Systemebene aus den Interaktionen einfacherer Agenten, Menschen und der Umgebung ergibt. Diese Theorie müsste Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen wie Psychologie, Neurowissenschaften, Kognitionswissenschaften, Soziologie und Biologie integrieren.
Ein zentraler Begriff in diesem Kontext ist die "funktionale Handlungsfähigkeit" (functional agency). Ein System besitzt diese, wenn es folgende drei Bedingungen erfüllt:
Es wird argumentiert, dass effektive agentische Systeme, die komplexe Aufgaben in neuen Umgebungen bewältigen können, ein hohes Maß an funktionaler Handlungsfähigkeit aufweisen. Die Grenzen moderner großer Sprachmodelle (LLMs) liegen oft in einem Mangel an kausaler Argumentation und metakognitivem Bewusstsein, was beides mit einer geringen funktionalen Handlungsfähigkeit zusammenhängt.
Die Systemtheorie legt nahe, dass ein System als Ganzes ein hohes Maß an funktionaler Handlungsfähigkeit besitzen kann, selbst wenn die einzelnen Komponenten einfacher sind. Dies geschieht durch Interaktionen auf verschiedenen Ebenen:
Die Realisierung dieser Mechanismen bringt jedoch auch eine Reihe von Herausforderungen und Risiken mit sich:
Die Zuverlässigkeit von KI-Agenten ist eine multidimensionale Herausforderung, die über die reine Leistungsfähigkeit hinausgeht. Ein umfassendes Verständnis und eine gezielte Bewertung von Konsistenz, Robustheit, Vorhersagbarkeit und Sicherheit sind unerlässlich, um das Vertrauen in autonome KI-Systeme zu stärken und deren sicheren Einsatz zu gewährleisten. Die Integration einer systemtheoretischen Perspektive, die die emergenten Eigenschaften von Agentensystemen berücksichtigt, wird entscheidend sein, um die komplexen Interaktionen und Verhaltensweisen dieser Technologien zu beherrschen und letztendlich die Vision einer zuverlässigen und sicheren KI zu realisieren.
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