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Die Auswirkungen von KI auf den selbstveröffentlichten Buchmarkt: Eine Studie zur Marktdynamik und Umsatzentwicklung

Die Auswirkungen von KI auf den selbstveröffentlichten Buchmarkt: Eine Studie zur Marktdynamik und Umsatzentwicklung

Der schnelle Überblick

  • Eine aktuelle Studie analysiert über 14.000 selbstveröffentlichte E-Books auf Amazon.
  • KI-generierte Bücher machen 20 % des Katalogs aus, generieren aber nur 11,3 % des Umsatzes.
  • Der Gesamtumsatz pro Buch sinkt, auch für von Menschen verfasste Werke, was auf eine Marktverwässerung hindeutet.
  • Trotz geringerer Umsätze pro Titel dringen KI-Bücher zunehmend in die Top-Rankings vor.
  • Es besteht ein signifikanter sprachlicher Überlapp zwischen erfolgreichen KI-Büchern und bestehenden Werken.
  • Die Studienergebnisse könnten Auswirkungen auf laufende Urheberrechtsstreitigkeiten haben.

Der Einfluss von KI-generierten Inhalten auf den Buchmarkt: Eine Analyse

Die rapide Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren zahlreiche Branchen transformiert, und der Buchmarkt bildet hierbei keine Ausnahme. Insbesondere im Bereich der selbstveröffentlichten Werke auf Plattformen wie Amazon Kindle Direct Publishing (KDP) zeichnet sich eine neue Dynamik ab. Eine umfassende Analyse von über 14.000 selbstveröffentlichten E-Books, die zwischen Januar 2023 und März 2026 auf Amazon erschienen sind, beleuchtet die vielschichtigen Auswirkungen von KI-generierten Inhalten auf den Markt und die Erlöse menschlicher Autoren.

Methodik der Studie: Ein tieferer Einblick

Die untersuchte Stichprobe umfasste 14.419 E-Books, deren tägliche Verkaufszahlen aus einem internen Datensatz eines der fünf größten US-Verlage bezogen wurden. Dieser Datensatz deckt nach Angaben der Forscher etwa 95 Prozent aller täglich auf Amazon verkauften E-Books ab. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, die sich auf kurze Buchvorschauen stützten, erfolgte die Klassifizierung der Bücher mittels des vollständigen Textes. Hierfür wurde der KI-Detektor Pangram v3.3 eingesetzt, dessen Entwickler eine Falsch-Positiv-Rate von 0,04 Prozent angeben. Die Bücher wurden in drei Kategorien eingeteilt: keine KI, geringer KI-Anteil (bis zu 25 Prozent) und erheblicher KI-Anteil (über 25 Prozent).

Marktanteile und Umsatz: Eine erste Betrachtung

Die Analyse zeigt, dass Bücher mit einem erheblichen KI-Anteil zwar 20 Prozent des untersuchten Katalogs ausmachen, jedoch nur 12,1 Prozent der Verkäufe und 11,3 Prozent der Umsätze generieren. Im Gegensatz dazu entfallen 62,9 Prozent des Katalogs auf Bücher ohne nachweisbaren KI-Text, die 72,5 Prozent des Umsatzes erwirtschaften. Diese Zahlen könnten auf den ersten Blick die Annahme bestätigen, dass KI-Bücher qualitativ minderwertig sind und am unteren Ende des Marktes angesiedelt bleiben.

Die Realität der Marktverwässerung

Die Studie offenbart jedoch eine komplexere Marktdynamik. Zwischen dem ersten Quartal 2023 und dem ersten Quartal 2026 wuchs der kumulative Katalog um das 38,3-fache, während die Anzahl der pro Quartal verkauften Titel um das 19,2-fache zunahm. Der vierteljährliche Umsatz stieg jedoch nur um das 8,9-fache. Dies deutet darauf hin, dass eine deutlich größere Anzahl von Büchern um einen langsamer wachsenden Umsatzpool konkurriert. Dieses Phänomen wird als "Marktverwässerung" bezeichnet.

Sinkende Erlöse pro Buch: Eine branchenweite Entwicklung

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist der Rückgang der Erlöse pro Buch, selbst für Titel ohne nachweisbaren KI-Text. In sechs von acht Genres sanken die Umsätze pro Buch im Vergleich von 2023 und 2025. Betrachtet man ausschließlich Bücher ohne KI-Text, so war in sieben von acht Genres ein Umsatzrückgang zu verzeichnen. Dies widerlegt die Annahme, dass der Durchschnitt lediglich durch schlecht verkaufende KI-Bücher verzerrt wird. Die Forscher betonen, dass diese Vergleiche beobachtend und assoziativ sind und keinen experimentellen Beweis für eine Kausalität darstellen.

Eine Ausnahme bildet das Genre Fantasy/Übernatürliches/Horror, wo KI-Text später Einzug hielt und weniger Akzeptanz fand. Hier stiegen die Umsätze pro Buch für nicht-KI-Titel um 35 Prozent. Die Forscher sehen darin ein Argument gegen einen allgemeinen Markttrend als Ursache.

Die Effekte sind in Genres mit hoher Verfügbarkeit bei Kindle Unlimited, einem Abonnementmodell, stärker ausgeprägt. Dort ist der Umsatzvorteil von Büchern ohne KI-Text um 8,4 Prozentpunkte geringer als in Genres mit geringer Kindle Unlimited-Verfügbarkeit. Die Forscher führen diese Diskrepanz auf genrespezifische Merkmale zurück und stellen keine direkte kausale Verbindung zu Kindle Unlimited her.

KI-Bücher in den Top-Rankings

Trotz der durchschnittlich geringeren Umsätze pro Titel ist ein Anstieg des Anteils neuer Top-25-Einträge mit erheblichem KI-Inhalt zu beobachten. Dieser stieg im Untersuchungszeitraum von nahezu null auf 31 Prozent. Gleichzeitig beschleunigte sich der Wechsel in den Top-Rankings. Der Anteil der Bücher ohne KI-Text, die von einem Quartal zum nächsten in den Top 25 blieben, fiel zeitweise auf etwa 28 Prozent, stabilisierte sich aber zum Ende der Studie bei rund 62 Prozent.

Die Produktion von KI-Büchern konzentriert sich auf eine kleine Gruppe produktiver Akteure. Von 385 Autorenidentitäten, die nach ihrem ersten KI-Buch weitere Titel mit erheblichem KI-Inhalt veröffentlichten, erhöhten 287 ihre monatliche Produktion. Das erfolgreichste Pseudonym erzielte Bruttoeinnahmen von 1,7 Millionen US-Dollar aus acht Titeln vor Abzug der Plattformgebühren. Das erfolgreichste einzelne Buch mit erheblichem KI-Inhalt generierte 643.000 US-Dollar bei 80.431 verkauften Exemplaren.

Diese Erkenntnisse decken sich mit Berichten über "Coral Hart", die angeblich über 200 Romantitel unter 21 Pseudonymen innerhalb eines Jahres veröffentlicht und etwa 50.000 Exemplare verkauft haben soll. KI-generierte Inhalte sind auch außerhalb des Buchmarktes präsent, wie der Fall eines Mannes zeigt, der Millionen von Dollar durch KI-generierte Musik auf Streaming-Plattformen ergaunerte.

Sprachlicher Überlapp und Urheberrecht

Um den Grad der Übereinstimmung zwischen erfolgreichen KI-Büchern und bestehenden Werken zu messen, nutzten die Forscher das "infini-gram tool" des Allen Institute for AI in Verbindung mit dem Google Books Index. Sie identifizierten seltene Ausdrücke, die in fünf oder weniger Google Books-Bänden vorkommen und in einem 4,7 Billionen Token umfassenden Web-Snapshot völlig fehlen. Solche Phrasen weisen auf Sprachmuster hin, die eng mit veröffentlichten Büchern verbunden sind.

Bei den 50 umsatzstärksten Titeln mit erheblichem KI-Inhalt deckten diese seltenen Ausdrücke 45 Prozent des Textes ab, verglichen mit 37,7 Prozent bei den Top-50-Büchern ohne nachweisbaren KI-Text. Bei preisgekrönter oder nominierter Belletristik lag dieser Wert bei lediglich 19,1 Prozent. Innerhalb der KI-Bücher stieg der Überlapp um 7,6 Prozentpunkte bei jeder Verzehnfachung des Umsatzes. Eine solche Korrelation existierte bei Büchern ohne nachweisbaren KI-Text nicht. Die Methode verfolgt nicht den Ursprung einzelner Passagen oder beweist das Kopieren eines spezifischen Buches, sondern misst den aggregierten sprachlichen Überlapp.

Chakrabarty erläuterte, dass ein KI-Detektor lediglich eine Schätzung liefert, wie wahrscheinlich eine Passage synthetisch ist, ohne die Herkunft der Sprache zu benennen. Wenn ein verdächtiger Text seltene Ausdrücke enthält, die nicht im Web vorkommen und nur in wenigen Büchern auftauchen, kann man mit einiger Sicherheit sagen, dass er aus Büchern entnommen wurde. Solche Beweise untermauern die Ergebnisse eines KI-Detektors und widerlegen gleichzeitig Argumente, die das menschliche Lesen von Büchern mit dem Training von KI auf Büchern gleichsetzen – eine Standardverteidigungslinie von KI-Unternehmen in Urheberrechtsstreitigkeiten.

Implikationen für Urheberrechtsklagen

Die Studienergebnisse haben direkte Auswirkungen auf laufende Urheberrechtsklagen gegen KI-Unternehmen. Im Fall Kadrey gegen Meta entschied Richter Vince Chhabria im Juni 2025 zugunsten von Meta, sprach jedoch eine deutliche Warnung aus. Er hielt es für schwer vorstellbar, dass die Verwendung urheberrechtlich geschützter Bücher zur Entwicklung eines Produkts, das Milliarden an Einnahmen generiert und eine potenziell unendliche Flut von konkurrierenden Werken hervorbringt, als faire Nutzung einzustufen wäre.

Die Kläger hatten zu diesem Zeitpunkt keine empirischen Beweise für eine Marktverwässerung vorgelegt. Die aktuelle Studie liefert nun genau die fehlenden Belege und zeigt, dass Bücher ohne nachweisbaren KI-Text weniger einbringen, wenn KI-Titel in großer Zahl auf den Markt kommen.

Die rechtliche Situation wird dadurch erschwert, dass KI-Inhalte auf der Plattform selbst nicht gekennzeichnet werden. Autoren müssen zwar bei der Veröffentlichung über Kindle Direct Publishing eine KI-Beteiligung offenlegen, Amazon gibt diese Informationen jedoch nicht an die Kunden weiter. Die Plattform kämpft seit Jahren mit KI-Titeln, die Namen und Stile bekannter Autoren kapern, und hat hauptsächlich mit einer Begrenzung der Veröffentlichungen auf drei pro Tag reagiert.

Die Befunde zum sprachlichen Überlapp stimmen mit einer Studie vom November 2025 überein, die zeigte, dass Sprachmodelle Passagen aus urheberrechtlich geschützten Büchern nahezu wortwörtlich reproduzieren können. Eine weitere Studie vom Herbst 2025 ergab, dass bereits zwei Bücher ausreichen, um ein Modell auf den Stil eines Autors zu trainieren.

Fazit und Ausblick

Die Studie zeigt, dass der Aufstieg von KI-generierten Büchern eine tiefgreifende Verschiebung im selbstveröffentlichten Buchmarkt bewirkt. Während KI-Titel derzeit noch einen geringeren Umsatzanteil haben, tragen sie zur allgemeinen Marktverwässerung bei und dringen zunehmend in die Bestsellerlisten vor. Die Fähigkeit von KI, existierende Sprachmuster zu imitieren und zu reproduzieren, wirft zudem ernste Fragen hinsichtlich des Urheberrechts auf, die in laufenden Gerichtsverfahren eine Rolle spielen könnten. Für menschliche Autoren bedeutet dies eine zunehmende Konkurrenz und einen Druck auf die Einnahmen, während Plattformen wie Amazon vor der Herausforderung stehen, die Integrität ihres Angebots zu wahren und Transparenz für die Leser zu schaffen.

Bibliographie

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