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Die Dynamik der modernen Arbeitswelt wird zunehmend von technologischen Innovationen, insbesondere der Künstlichen Intelligenz (KI), geprägt. Diese Entwicklung führt zu einer fundamentalen Transformation von Berufsfeldern und Anforderungsprofilen an Arbeitnehmer. In diesem Kontext rückt eine Fähigkeit verstärkt in den Mittelpunkt, die als entscheidender Erfolgsfaktor für die kommenden Jahre gilt: die Anpassungsfähigkeit. Joe Depa, Global Chief Innovation Officer bei EY, unterstreicht die Relevanz dieser Kompetenz und bezeichnet sie als die „neue Jobsicherheit“ für das Jahr 2026.
Die rapide Entwicklung von KI-Technologien verändert die Art und Weise, wie Aufgaben in Unternehmen erledigt werden. Während KI-Tools zunehmend repetitive oder datenintensive Tätigkeiten übernehmen, verlieren klassische Fachkenntnisse, die früher als unverzichtbar galten, an relativer Bedeutung. Dies betrifft beispielsweise rein mathematische Berechnungen oder die Beherrschung von Fremdsprachen, die durch KI-Assistenz effizienter unterstützt werden können.
Das World Economic Forum (WEF) prognostiziert, dass sich bis 2030 durchschnittlich 39 Prozent der heute erforderlichen Kompetenzen grundlegend verändern oder obsolet werden. Eine Analyse des WEF, basierend auf Kursdaten der Online-Lernplattform Coursera, zeigt, dass stattdessen Fähigkeiten wie Empathie, Neugier, kritisches und kreatives Denken sowie Problemlösungskompetenz stärker gefragt sind. Diese Erkenntnisse decken sich mit der Einschätzung Depas, der die Fähigkeit zur Anpassung und Veränderung als den wichtigsten Faktor hervorhebt.
Um in dieser sich ständig wandelnden Landschaft bestehen zu können, sind drei zentrale Elemente von Bedeutung:
Joe Depa betont die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens. Er selbst hat dies vorgelebt, indem er einen Masterstudiengang in Analytics absolvierte, um seine Kenntnisse in Programmierung und Data Science zu vertiefen. Für ihn ist es essenziell, „jeden Tag zu lernen und sich selbst herauszufordern“, sei es durch Podcasts, Fachartikel oder formale Bildung. Diese Denkweise ist besonders bei jüngeren Generationen verbreitet: Laut einer Umfrage der FOM Hochschule planen 24 Prozent der Generation Y und 34 Prozent der Generation Z, sich 2026 gezielt weiterzubilden. Dies ist auch eine Reaktion auf die sinkende Zahl von Einstiegsstellen, wie eine Analyse der Karriereplattform Stepstone zeigt.
Neben der individuellen Weiterbildung ist Mentoring ein kritischer Bestandteil der beruflichen Entwicklung. Depa unterstreicht, dass der Austausch von Perspektiven mit erfahrenen Personen unerlässlich ist. Solche Beziehungen, ob formell in Beiräten oder informell, fördern das Verständnis für neue Entwicklungen und ermöglichen es, Strategien zu validieren. Die Fähigkeit, Feedback einzuholen und zu geben, wird somit zu einer wichtigen sozialen Kompetenz.
Gelerntes Wissen muss in die Praxis umgesetzt werden. Depa ermutigt zum „Vibe Coding“ oder zur Entwicklung eigener Anwendungen, um neue Denkweisen zu etablieren. Dabei sei es wichtig, Fehler als natürlichen Teil des Lernprozesses zu akzeptieren. Eine Haltung, die Unsicherheit toleriert und zur Selbstreflexion anregt, ist entscheidend, um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Die Anforderungen an Fachkräfte lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen:
Diese Fähigkeiten bilden das Fundament für alle, die direkt mit der Entwicklung, Anpassung oder tiefgehenden Analyse von KI-Systemen arbeiten:
- Programmierung: Trotz KI-generierten Codes bleibt die Beherrschung von Sprachen wie Python oder R entscheidend für die Entwicklung und Integration von KI-Software. - Mathematik und Statistik: Kenntnisse in linearer Algebra, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik sind für das Verständnis und die Optimierung von Machine- und Deep-Learning-Algorithmen unerlässlich. - Maschinelles Lernen: Das Wissen um verschiedene Lernformen und die Auswahl des richtigen Algorithmus für Geschäftsprobleme ist eine Kernexpertise. - Deep Learning: Spezialisierung auf komplexe neuronale Netze für Bereiche wie Bild- oder Spracherkennung. - Datenanalyse: Die Fähigkeit zur Datenbereinigung, -verarbeitung, -visualisierung und Interpretation ist aufgrund der Abhängigkeit von KI-Modellen von hochwertigen Daten entscheidend. - Prompt Engineering: Die Kunst, KI-Modelle durch präzise Eingaben so zu steuern, dass sie verwertbare Ergebnisse liefern. Diese Fähigkeit ist für fast alle Rollen relevant.Diese menschlichen Kompetenzen sind unverzichtbar für den verantwortungsvollen und effektiven Einsatz von Technologien:
- Kritisches Denken: Die Fähigkeit, KI-Ergebnisse auf Validität, Bias und Übereinstimmung mit Unternehmenszielen zu hinterfragen. - Ethik und Bias-Bewusstsein: Das Erkennen von Verzerrungen in Trainingsdaten und die Entwicklung von Strategien zur Bias-Minderung sind ethische und regulatorische Notwendigkeiten. - Problemlösung: Das Formulieren und Strukturieren komplexer Probleme bleibt eine zutiefst menschliche Aufgabe, die analytische Fähigkeiten und Kreativität erfordert. - Kollaboration: Effektive Zusammenarbeit mit Data Scientists, Entwicklern und anderen Fachleuten wird zur Norm im "Co-Working" von Mensch und KI. - Kommunikation: Die Fähigkeit, technische Konzepte und komplexe KI-Ergebnisse klar und verständlich an nicht-technische Stakeholder zu kommunizieren. - Kontinuierliches Lernen: Die proaktive Suche nach neuem Wissen ist der wichtigste Meta-Skill, um die eigene Expertise langfristig zu sichern.Während bestimmte Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen, verlieren andere, insbesondere manuelle Geschicklichkeit, Ausdauer und Präzision, sowie einfache, repetitive Bürotätigkeiten an Relevanz. Automatisierung und Robotik übernehmen diese Aufgaben zunehmend. Für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist es daher entscheidend, sich auf die menschlichen Kompetenzen zu konzentrieren, die Maschinen nicht ersetzen können.
Ein wesentlicher Treiber dieser Transformation ist die sogenannte Agentic AI. Diese weiterentwickelte Form der KI, die eigenständig Aufgaben ausführt, Entscheidungen vorbereitet und Workflows automatisiert, wird in den Bereichen Personalentwicklung, strategische Personalplanung und Entscheidungen über interne Rollenwechsel ("Build versus Buy") eine zentrale Rolle spielen. Sie ermöglicht personalisierte Lernpfade und die Identifizierung von Qualifikationslücken in Echtzeit.
Für Unternehmen bedeutet dies, eine Kultur des kontinuierlichen Lernens zu etablieren und Technologien wie Agentic AI zu nutzen, um Lernpfade zu individualisieren und Qualifikationslücken zu schließen. Gleichzeitig müssen Soft Skills gestärkt werden, um KI sicher und verantwortungsvoll einzusetzen.
Individuen sind aufgefordert, aktiv in ihre Weiterbildung zu investieren und erworbene Kompetenzen durch konkrete Beispiele zu belegen. Die Zukunft gehört nicht den Spezialisten in einem einzigen Bereich, sondern den vielseitigen Generalisten, die eine Balance aus kognitiven Fähigkeiten, technologischem Verständnis und menschenzentrierten Soft Skills mitbringen. Diese ganzheitliche Kompetenzentwicklung ist der beste Schutz vor den Unsicherheiten des Arbeitsmarktes und sichert die Relevanz über Branchengrenzen und Berufsfelder hinweg.
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