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Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine bemerkenswerte Entwicklung auf dem Energiemarkt: Eine Reihe von Startups aus den Sektoren Geothermie, Kernkraft und Batteriespeicher verzeichnen erfolgreiche Börsengänge. Dieser Trend ist eng verknüpft mit dem wachsenden globalen Energiebedarf, der durch die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) und den damit verbundenen Ausbau von Rechenzentren erheblich verstärkt wird. Die Frage, wer am schnellsten skalierbare und zuverlässige Energielösungen bereitstellen kann, rückt zunehmend in den Mittelpunkt.
Ein prominentes Beispiel für diese Entwicklung ist Fervo Energy, ein Geothermie-Unternehmen, das Mitte Mai einen erfolgreichen Börsengang an der Nasdaq absolvierte. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 12,4 Milliarden US-Dollar demonstriert Fervo das Potenzial der Enhanced Geothermal Systems (EGS). Im Gegensatz zur konventionellen Geothermie, die auf natürlich vorkommende heiße Gesteinsformationen mit Wasser und Rissen angewiesen ist, nutzt Fervo innovative Bohr- und Fracking-Techniken, um die notwendigen geologischen Bedingungen künstlich zu schaffen.
Das 2017 gegründete Unternehmen hat vor seinem Börsengang bereits etwa 1,5 Milliarden US-Dollar an Investitionen erhalten. Das erste kommerzielle Projekt, Cape Station in Utah, soll eine Leistung von rund 500 Megawatt erreichen, wobei der erste Block voraussichtlich ab Oktober Strom liefern wird und die folgenden Blöcke ab Januar 2027. Fervo Energy verfügt über verbindliche Stromabnahmeverträge für über 600 Megawatt und besitzt Pachtverträge für Flächen, die potenziell mehr als 40 Gigawatt Strom erzeugen könnten – eine signifikante Zahl, wenn man bedenkt, dass die gesamte Geothermie-Kapazität der USA im Jahr 2024 lediglich vier Gigawatt betrug.
Die Senkung der Bau- und Bohrkosten ist ein zentrales Anliegen von Fervo. Die geschätzten Kosten für das Kraftwerk Cape Station liegen bei etwa sieben Dollar pro Kilowatt, was es im Vergleich zu neuen Kernkraftwerken günstiger macht, aber immer noch teurer als der Bau eines neuen Erdgaskraftwerks in den USA.
Im Bereich der Kernenergie hat X-energy, ein Entwickler kleiner modularer Reaktoren (SMRs), ebenfalls einen erfolgreichen Börsengang verzeichnet. Das Unternehmen baut hochtemperaturgekühlte Gasreaktoren, die Helium über in sich geschlossene Kernbrennstoffpellets leiten. Jeder dieser Reaktoren soll 80 Megawatt Strom erzeugen, was weniger als ein Zehntel der Leistung größerer Reaktoren wie Block 4 im Kraftwerk Vogtle in Georgia ist.
Obwohl X-energy bereits 2023 einen Börsengang plante, der aufgrund schwieriger Marktbedingungen verschoben wurde, konnte das Unternehmen im April dieses Jahres erfolgreich an die Börse gehen. Die Aktien stiegen nach der Erstemission stark an und erreichten eine Marktkapitalisierung von 11,5 Milliarden US-Dollar. Trotz des Erfolgs steht das Unternehmen noch Jahre vor der kommerziellen Demonstration seiner Technologie. Jüngst erhielt X-energy eine wichtige Umweltgenehmigung für den Bau von Kernreaktoren auf dem Gelände eines Werks von Dow Chemical in Texas, wartet jedoch noch auf die endgültige Genehmigung der Nuclear Regulatory Commission.
Das dritte Unternehmen in diesem Kontext ist Solv Energy, das sich auf Solar- und Energiespeicherprojekte spezialisiert hat. Solv Energy realisiert Projekte hauptsächlich für Energieversorger und unabhängige Stromerzeuger. Solar- und Batteriespeichertechnologien gelten als kostengünstig und relativ einfach in bestehende Stromnetze integrierbar, was eine schnelle Kapazitätserweiterung ermöglicht. Das Unternehmen hat bereits Projekte mit einer Gesamtleistung von 21 Gigawatt in 35 Bundesstaaten realisiert und im Februar mit einer Bewertung von sechs Milliarden US-Dollar den Gang an die Börse gewagt.
Der gemeinsame Nenner dieser erfolgreichen Börsengänge ist der signifikant gestiegene Energiebedarf, der maßgeblich durch den Ausbau von KI-Rechenzentren getrieben wird. Der KI-Boom hat die Energielandschaft fundamental verändert und den Stromverbrauch in den USA, der über das letzte Jahrzehnt weitgehend konstant war, in die Höhe schnellen lassen. Unternehmen wie Solv Energy thematisieren in ihren Börsenprospekten den Bedarf an Rechenzentren explizit.
Eine enge Verbindung zu den Tech-Giganten, die die KI-Entwicklung vorantreiben, ist ebenfalls festzustellen. Google ist beispielsweise ein langjähriger Investor bei Fervo Energy und hat mit dem Unternehmen den "Clean Transition Tariff" eingeführt. Amazon ist sowohl Kunde als auch Investor von X-energy und hält Berichten zufolge fast 20 Prozent der Anteile des Unternehmens.
Ein weiterer Faktor für den Erfolg dieser Startups ist die politische Unterstützung in den USA. Während einige erneuerbare Energien in der Vergangenheit politischem Gegenwind ausgesetzt waren, genießen Geothermie und insbesondere Kernkraft weiterhin die Gunst der Bundesregierung. Dies äußert sich in anhaltenden Steuergutschriften und Förderprogrammen.
Die erfolgreichen Börsengänge dieser Marktführer könnten das Vertrauen von Investoren in den Energiesektor stärken und zu weiteren Investitionen führen, insbesondere in Unternehmen in späteren Entwicklungsphasen. Es ist denkbar, dass weitere Firmen, insbesondere aus den Bereichen Kernkraft und Geothermie, in den kommenden Jahren ähnliche Schritte unternehmen werden. Entscheidend wird jedoch sein, ob Unternehmen wie Fervo und X-energy ihre Technologien erfolgreich skalieren und in der Praxis einsetzen können. Verzögerungen oder Misserfolge könnten weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Branche und das Vertrauen der Investoren haben.
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