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Die rapide Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) führt zu einer stetig wachsenden Anzahl von Anwendungen, die auf dieser Technologie basieren. Insbesondere im B2B-Sektor versprechen diese Lösungen Effizienzsteigerungen und innovative Geschäftsmodelle. Doch bei genauerer Betrachtung lassen sich zwei Kategorien von KI-Anwendungen unterscheiden, deren Charakteristika und Implikationen für Unternehmen von Bedeutung sind: KI-Wrapper und native KI-Apps. Diese Unterscheidung ist entscheidend für die strategische Planung und Investitionsentscheidungen im Kontext der digitalen Transformation.
Ein KI-Wrapper ist im Kern eine Softwareanwendung, die eine benutzerfreundliche Schnittstelle (Frontend) bereitstellt, um den Zugang zu einem bestehenden, komplexen KI-Modell – häufig einem Large Language Model (LLM) wie GPT, Claude oder ähnlichen Technologien – zu vereinfachen. Das Konzept des "Wrapping" ist in der Softwareentwicklung nicht neu; es bezieht sich auf das Umschließen einer bestehenden Komponente, um deren Funktionalität zu erweitern oder zu modifizieren, ohne den ursprünglichen Code zu ändern. Im Kontext der KI bedeutet dies, dass der Wrapper den Nutzerinput entgegennimmt, diesen in optimierte Prompts für das zugrunde liegende KI-Modell umwandelt und die generierten Ergebnisse auf verständliche Weise präsentiert.
Die primäre Funktion eines Wrappers ist es, die Komplexität der direkten Interaktion mit KI-Modellen zu abstrahieren. Nutzer müssen keine tiefgehenden Kenntnisse über Prompt Engineering oder die technischen Details der KI-APIs besitzen. Beispiele für erfolgreiche KI-Wrapper sind Tools zur Textgenerierung wie Jasper.ai oder Copy.ai, die auf den APIs großer Sprachmodelle aufbauen und spezifische Anwendungsfälle wie das Erstellen von Marketingtexten oder Blogartikeln vereinfachen. Auch Runway ML für kreative Anwendungen wie Bild- und Videobearbeitung nutzt diese Struktur, indem es komplexe KI-Modelle über eine zugängliche Oberfläche bereitstellt.
Die Vorteile von KI-Wrappern liegen in ihrer Zugänglichkeit und der schnellen Umsetzbarkeit. Sie demokratisieren die Nutzung von KI, indem sie Nicht-Entwicklern und Nicht-Data-Scientists den Einsatz von leistungsstarken KI-Modellen ermöglichen. Für Unternehmen bedeuten sie eine Möglichkeit, schnell auf KI-Technologien zuzugreifen, Prozesse zu optimieren und die Produktivität zu steigern, oft mit geringem Entwicklungsaufwand durch Low-Code- oder No-Code-Plattformen.
Jedoch bergen Wrapper auch Herausforderungen. Ihre Nachhaltigkeit kann begrenzt sein, da sie stark von der Entwicklung der zugrunde liegenden KI-Modelle abhängen. Updates der Original-APIs oder die Einführung neuer, leistungsfähigerer Modelle können Wrapper-Lösungen schnell obsolet machen. Zudem kann die Datensicherheit ein kritischer Punkt sein, da sensible Unternehmensdaten unter Umständen an externe KI-Modelle gesendet werden müssen. Die Abhängigkeit von Drittanbietern und deren Geschäftsmodellen stellt ebenfalls ein Risiko dar.
Im Gegensatz dazu ist eine native KI-App eine Anwendung, die Künstliche Intelligenz nicht nur als externen Dienst nutzt, sondern deren Kernfunktionalität tiefgreifend auf KI-Technologien basiert. Hierbei wird die KI oft direkt in die Anwendungsarchitektur integriert, manchmal unter Verwendung von Open-Source-Modellen, die auf unternehmenseigenen Servern oder in einer kontrollierten Cloud-Umgebung betrieben werden. Der Fokus liegt auf der Lösung eines spezifischen Problems oder der Erfüllung einer konkreten Aufgabe, die über die generischen Fähigkeiten eines Chatbots hinausgeht.
Ein wesentliches Merkmal nativer KI-Apps ist die Optimierung für den jeweiligen Anwendungsfall. Dies umfasst oft eine spezialisierte Datenaufbereitung vor und nach dem KI-Prozess, die bei generischen KI-Modellen nicht gegeben ist. Ein Beispiel hierfür ist ein Unternehmens-Wiki, das Tausende von internen Dokumenten einliest, diese intelligent aufbereitet und es Nutzern ermöglicht, spezifische Fragen auf Basis dieses proprietären Wissens zu beantworten. Eine solche App fragt nicht das Weltwissen ab, sondern das unternehmensspezifische, validierte Wissen, was für Datensicherheit und Relevanz entscheidend ist. Ein weiteres Beispiel sind KI-gestützte Simulationen von Personas für die Marktforschung, die komplexe Verhaltensmuster abbilden können, ohne dass umfangreiches Prompting erforderlich ist.
Native KI-Apps bieten Unternehmen einen erheblichen Mehrwert durch ihre Spezialisierung, höhere Zuverlässigkeit und verbesserte Automatisierbarkeit. Sie ermöglichen eine präzise Anpassung an spezifische Geschäftsanforderungen und bieten oft eine bessere Kontrolle über Daten und Algorithmen. Dies ist besonders relevant in Branchen mit hohen Anforderungen an Datenschutz und Compliance.
Die Entwicklung nativer KI-Apps erfordert in der Regel einen höheren initialen Aufwand und spezialisiertes Fachwissen. Sie sind komplexer in der Konzeption und Implementierung, da sie nicht nur die Integration von KI-Modellen, sondern auch die Entwicklung einer maßgeschneiderten Dateninfrastruktur und Benutzeroberfläche umfassen. Die Kosten können höher sein, bieten jedoch langfristig oft ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis durch höhere Effizienz, Datensicherheit und Unabhängigkeit von externen Anbietern.
Für B2B-Unternehmen ist die bewusste Unterscheidung zwischen KI-Wrappern und nativen KI-Apps von strategischer Bedeutung. Die Wahl der richtigen Lösung hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Die Entscheidung, ob ein Unternehmen auf KI-Wrapper oder native KI-Apps setzen sollte, ist keine Frage von "gut" oder "schlecht", sondern eine Frage der strategischen Passung zum jeweiligen Anwendungsfall, den Unternehmenszielen und den spezifischen Anforderungen an Funktionalität, Sicherheit und Skalierbarkeit. Während Wrapper schnelle und zugängliche Lösungen für eine breite Palette von Aufgaben bieten, ermöglichen native KI-Apps eine tiefere Integration und maßgeschneiderte Innovationen, die einen nachhaltigen Wert für das Unternehmen schaffen können. Eine fundierte Analyse dieser Unterschiede ist essenziell für die erfolgreiche Implementierung von KI-Technologien im B2B-Umfeld und für die Entwicklung einer zukunftssicheren Digitalstrategie.
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