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Die Entwicklung effektiver Sprachmodelle für morphologisch reiche Sprachen stellt eine signifikante Herausforderung dar. Insbesondere die Tokenisierung, der Prozess der Zerlegung von Text in kleinere Einheiten (Tokens), ist ein entscheidender Schritt, der die Leistungsfähigkeit nachgelagerter Aufgaben maßgeblich beeinflusst. Eine aktuelle und umfassende Studie widmet sich der systematischen Evaluierung von Subword-Tokenisierungsstrategien für das Türkische, einer agglutinierenden Sprache, die sich durch eine hohe morphologische Komplexität auszeichnet. Diese Untersuchung, die als "Subwords Manifest" bezeichnet wird, beleuchtet den komplexen Zusammenhang zwischen Trainingsdaten, Vokabulargröße und morphologischer Integrität, um präzise Handlungsempfehlungen für die Praxis zu liefern.
In Sprachen wie dem Türkischen, in denen Wörter durch das Anfügen zahlreicher Affixe (Vorsilben, Nachsilben) an einen Wortstamm gebildet werden, kann ein einziges Wort eine Vielzahl von Bedeutungen und grammatischen Funktionen ausdrücken. Diese produktive Agglutination führt zu einer enormen Anzahl potenzieller Wortformen, was die Effizienz des Vokabulars in Sprachmodellen beeinträchtigt und die morphologische Genauigkeit erschwert. Herkömmliche Tokenisierungsansätze, die oft für Englisch optimiert sind, können in solchen Kontexten an ihre Grenzen stoßen. Beispielsweise kann eine wortbasierte Tokenisierung zu einem explosionsartigen Anstieg des Vokabulars und zu Problemen mit unbekannten Wörtern (Out-Of-Vocabulary, OOV) führen. Eine zeichenbasierte Tokenisierung hingegen verlängert die Sequenzen und kann morphologische Grenzen verwischen, während gängige Subword-Tokenizer wie WordPiece oder BPE dazu neigen, Wortstämme zu fragmentieren oder Affixe zu vermischen, was den Zugang des Modells zu syntaktischen und morphologischen Hinweisen erschwert.
Die vorliegende Studie geht über frühere Arbeiten hinaus, indem sie nicht nur die Vokabulargröße variiert, sondern auch systematisch die Größe des Trainingskorpus für den Tokenizer kontrolliert. Dies ermöglicht eine detailliertere Analyse der Wechselwirkung zwischen Daten und Vokabular. Es werden verschiedene Tokenizer-Familien unter vergleichbaren Parameterbudgets verglichen, darunter:
Die Evaluierung erfolgt über ein breites Spektrum nachgelagerter Aufgaben, die semantische (z.B. Natural Language Inference, Sentimentanalyse, Named Entity Recognition), syntaktische (z.B. Part-of-Speech Tagging, Dependenzanalyse) und morphologie-sensitive Aspekte abdecken.
Um die Gründe für den Erfolg oder Misserfolg von Tokenizern zu ergründen, wurde ein spezielles, morphologie-bewusstes Diagnose-Toolkit entwickelt. Dieses Toolkit ermöglicht eine detaillierte Analyse, die über grobe Aggregationen hinausgeht. Zu den diagnostischen Metriken gehören:
Dieses Toolkit ermöglicht es, die Segmentierungsqualität präzise zu beurteilen und die Ursachen für Leistungsschwankungen zu identifizieren.
Die Studie identifiziert mehrere zentrale Erkenntnisse, die für die Entwicklung von Sprachmodellen in morphologisch reichen Sprachen von hoher Relevanz sind:
Die Studie hebt hervor, dass es keinen universell besten Tokenisierungsansatz gibt. Morphologie-bewusste Subwords bieten die höchste linguistische Genauigkeit und Erklärbarkeit, erfordern jedoch linguistische Ressourcen. WordPiece-Tokenizer, wenn sie im mittleren bis großen Bereich gehalten und auf gemischten Daten trainiert werden, bieten den zuverlässigsten Kompromiss zwischen Genauigkeit, Effizienz und Portabilität für das Türkische.
Ein wichtiger Beitrag der Arbeit ist die Bereitstellung von Open-Source-Code, Tokenizer-Pipelines und Modellen. Dies fördert die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse und legt eine solide Grundlage für die weitere Forschung und Entwicklung im Bereich des Türkischen Natural Language Processing (NLP). Die Erkenntnisse dieser Studie bieten eine wertvolle Orientierung für Forscher und Praktiker, die effektive Sprachmodelle für morphologisch reiche Sprachen entwickeln möchten.
Die systematische Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Daten, Vokabular und Morphologie bei der Subword-Tokenisierung des Türkischen liefert nicht nur tiefe Einblicke in die Funktionsweise von Sprachmodellen, sondern auch konkrete, umsetzbare Empfehlungen. Diese sind von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung von KI-basierten Sprachtechnologien, insbesondere in komplexen linguistischen Kontexten. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, bei der Gestaltung von Tokenisierungsstrategien die spezifischen morphologischen Eigenschaften einer Sprache zu berücksichtigen, um optimale Leistung und Erklärbarkeit zu erzielen.
Bibliography: - Altinok, D. (2026). Optimal Turkish Subword Strategies at Scale: Systematic Evaluation of Data, Vocabulary, Morphology Interplay. Eingereicht am 10. Februar 2026. - Altinok, D. (2026). Optimal Turkish Subword Strategies at Scale: Systematic Evaluation of Data, Vocabulary, Morphology Interplay. Hugging Face Papers. - Altinok, D. (2026). Optimal Turkish Subword Strategies at Scale: Systematic Evaluation of Data, Vocabulary, Morphology Interplay. arXiv. - Bayram, M. A., Fincan, A. A., Gümüş, A. S., Karakaş, S., Diri, B., & Yıldırım, S. (2025). Tokenization Standards for Linguistic Integrity: Turkish as a Benchmark. arXiv. - Bayram, M. A., Fincan, A. A., Gümüş, A. S., Karakaş, S., Diri, B., Yıldırım, S., & Çelik, D. (2025). Tokens with Meaning: A Hybrid Tokenization Approach for NLP. arXiv. - Toraman, C., Yilmaz, E. H., Şahinuç, F., & Ozcelik, O. (2022). Impact of Tokenization on Language Models: An Analysis for Turkish. ACM Transactions on Asian and Low-Resource Language Information Processing, 22(4).Lernen Sie in nur 30 Minuten kennen, wie Ihr Team mit KI mehr erreichen kann – live und persönlich.
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