Das Wichtigste in Kürze
- Die Integration von KI in Unternehmen erfordert einen strategischen und praxisorientierten Ansatz, der über bloße Experimente hinausgeht.
- Ronnie Sheth, CEO der SENEN Group, betont die Notwendigkeit, KI auf konkrete Geschäftsergebnisse auszurichten und nicht als Selbstzweck zu betrachten.
- Datenqualität spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg von KI-Initiativen; schlechte Daten können erhebliche Kosten verursachen.
- Unternehmen sollten sich auf wertzentrierte Strategien konzentrieren, bei denen KI als Enabler zur Erreichung von Geschäftszielen dient.
- Die Implementierung von KI erfordert eine umfassende Veränderung in Prozessen, Unternehmenskultur und Mitarbeiterkompetenzen.
- Agentic AI, also KI-Systeme, die autonom komplexe Aufgaben ausführen können, gewinnt zunehmend an Bedeutung und erfordert angepasste Workflows und Governance.
Praxisorientierte KI in Unternehmen: Eine Notwendigkeit für nachhaltiges Wachstum
Die Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) in der Unternehmenswelt hat sich in den letzten Jahren intensiviert. Während viele Unternehmen mit der Implementierung von KI-Pilotprojekten experimentieren, steht die praktische Anwendung und Wertschöpfung oft im Vordergrund. Ronnie Sheth, CEO der SENEN Group, einer globalen Beratungsfirma für KI-Strategie und -Umsetzung, hebt die entscheidende Bedeutung eines pragmatischen Ansatzes für den Unternehmenserfolg hervor.
Strategische Neuausrichtung: Von der "KI-Zentrierung" zur "Wert-Zentrierung"
In vielen Unternehmen ist der Wunsch nach "KI-Zentrierung" spürbar, oft getrieben von dem Bestreben, wettbewerbsfähig zu bleiben oder ein innovatives Image zu pflegen. Sheth warnt jedoch davor, KI als Selbstzweck zu betrachten. Stattdessen plädiert sie für einen wertzentrierten Ansatz.
Dieser Ansatz beinhaltet:
- Die klare Definition von Geschäftszielen und gewünschten Ergebnissen.
- Die Identifizierung der besten Methoden zur Erreichung dieser Ziele, wobei KI eine mögliche, aber nicht die einzige Lösung darstellt.
- Die Vermeidung einer erzwungenen Integration von KI in bestehende Prozesse, es sei denn, es ist ein klarer, positiver Einfluss auf den Geschäftserfolg erkennbar.
Ein wesentlicher Aspekt hierbei ist die Überprüfung und gegebenenfalls Neugestaltung bestehender Prozesse und Geschäftsmodelle. KI sollte als ein leistungsstarkes Werkzeug zur Effizienzsteigerung und zur Erzielung von Geschäftsergebnissen verstanden werden, nicht als primäres Geschäftsziel.
Die Rolle der Datenqualität als Fundament für KI-Erfolg
Bevor Unternehmen ihre KI-Reise antreten, ist die Qualität der Daten von entscheidender Bedeutung. Schlechte Datenqualität wird von Gartner auf jährlich durchschnittlich 12,9 Millionen US-Dollar an verschwendeten Ressourcen und verlorenen Chancen geschätzt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, in robuste Datenmanagementstrategien zu investieren, um die Grundlage für effektive KI-Anwendungen zu schaffen.
Herausforderungen bei der KI-Implementierung und -Skalierung
Studien, unter anderem vom MIT und der Boston Consulting Group, zeigen, dass ein beträchtlicher Anteil von KI-Pilotprojekten in Unternehmen scheitert oder nicht den erwarteten ROI liefert. Die Gründe hierfür sind vielfältig, liegen aber oft nicht in der Technologie selbst, sondern in strategischen und organisatorischen Mängeln:
- Mangelnde Ausrichtung an Geschäftsergebnissen: Projekte werden gestartet, ohne klare Ziele für Umsatzsteigerung oder Kostensenkung zu definieren.
- Fehlende Governance: Eine unzureichende Steuerung und Überwachung der KI-Initiativen führt zu Ineffizienz und Duplizierung.
- Unzureichende Skalierung: Erfolgreiche Pilotprojekte werden nicht in den breiteren Unternehmenskontext integriert.
- Fokus auf "Shiny New Things": Unternehmen jagen Trends hinterher, anstatt sich auf die Automatisierung von Back-Office-Prozessen zu konzentrieren, wo oft der größte und unmittelbarste ROI liegt.
Ronnie Sheth und andere Experten betonen, dass der Erfolg von KI-Initiativen maßgeblich von einer ganzheitlichen Strategie abhängt, die Technologie, Prozesse und Menschen miteinander verbindet.
Agentic AI: Die nächste Evolutionsstufe der Unternehmens-KI
Ein aufkommender Trend ist die Agentic AI, also KI-Systeme, die nicht nur Empfehlungen geben oder Inhalte generieren, sondern autonom komplexe, mehrstufige Arbeitsabläufe ausführen können. Diese "digitalen Mitarbeiter" können die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten, grundlegend verändern.
Der Übergang zu Agentic AI erfordert jedoch mehr als nur die Bereitstellung neuer Tools. McKinsey & Company hebt sechs zentrale Lektionen hervor, um Agentic AI erfolgreich zu implementieren:
- Fokus auf Workflows, nicht nur Agenten: Agenten sind am effektivsten, wenn sie End-to-End-Prozesse orchestrieren.
- Nicht jede Aufgabe benötigt einen Agenten: Für strukturierte Aufgaben sind regelbasierte Automatisierungen oft besser geeignet, während Agenten für komplexe, variable Workflows gedacht sind.
- Den richtigen KI-Ansatz für die richtige Aufgabe wählen: Es geht darum, das passende KI-Tool für jeden Schritt des Workflows zu finden.
- Evaluation ist entscheidend: Agenten müssen kontinuierlich getestet, bewertet und verfeinert werden, um Vertrauen aufzubauen und Fehlfunktionen zu vermeiden.
- Jeden Schritt verfolgen und verifizieren: Eine detaillierte Überwachung der Workflow-Phasen ist unerlässlich.
- Wiederverwendbarkeit maximieren: Durch den Aufbau wiederverwendbarer Komponenten und zentralisierter Dienste kann die Akzeptanz und Effizienz gesteigert werden.
Auch bei Agentic AI bleibt die menschliche Komponente unverzichtbar. Menschen übernehmen die Aufsicht, führen Qualitätskontrollen durch, handhaben Ausnahmen und treffen letztlich strategische Entscheidungen. Die erfolgreiche Integration von Agentic AI erfordert ein intuitives Mensch-KI-Kollaborationsmodell, bei dem KI die „schwere Arbeit“ leistet und Menschen ihr Urteilsvermögen einbringen.
Kompetenzentwicklung und kultureller Wandel
Die erfolgreiche Einführung von KI in Unternehmen erfordert einen tiefgreifenden kulturellen Wandel und die Weiterentwicklung der Mitarbeiterkompetenzen. Über 50% der Mitarbeiter in Unternehmen, die KI erfolgreich einsetzen, erlernen neue Fähigkeiten. Es geht darum, eine Kultur der Neugier und des Experimentierens zu fördern, in der Mitarbeiter befähigt werden, mit KI-Tools effektiv zusammenzuarbeiten.
HR-Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle, indem sie den Fokus auf die Entwicklung von Fähigkeiten legen, anstatt nur Software zu implementieren. Sie müssen eine Brücke zwischen technischen Teams und Geschäftsbereichen schlagen und sicherstellen, dass KI-Lösungen auf reale Geschäftsprobleme zugeschnitten sind.
Fazit
Die Ära der rein explorativen KI-Experimente in Unternehmen neigt sich dem Ende zu. Die Forderung nach praktischer, wertorientierter KI wird immer lauter. Unternehmen, die KI erfolgreich einsetzen, zeichnen sich durch eine klare Strategie, ein starkes Engagement der Führungsebene, eine hohe Datenqualität und eine kontinuierliche Investition in die Kompetenzentwicklung ihrer Mitarbeiter aus. Indem sie KI als strategischen Enabler begreifen und nicht als bloße Technologie, können sie nachhaltiges Wachstum und Wettbewerbsvorteile erzielen.
Bibliography
- "Ronnie Sheth, CEO, SENEN Group: Why now is the time for enterprise AI to ‘get practical’". AI News.
- LinkedIn-Profil von Ronnie Sheth.
- LinkedIn-Seite der SENEN Group.
- "Why 95% Of AI Pilots Fail, And What Business Leaders Should Do Instead". Forbes.
- "One year of agentic AI: Six lessons from the people doing the work". McKinsey & Company.
- "AI Trends in 2026: Key Insights for Leaders". MIT Sloan Management Review.
- "The Widening AI Value Gap". Boston Consulting Group (BCG).
- "Smarter AI, Not More AI: How to Invest Where It Counts". IDEO U (via LinkedIn-Post von Krystian M. Frahn).