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Die Integration künstlicher Intelligenz in kreative Bereiche wie die Musikproduktion schreitet stetig voran. Während KI-Modelle zunehmend komplexe musikalische Strukturen generieren können, stoßen sie oft an ihre Grenzen, wenn es um die Abbildung musikkultureller Vielfalt geht, die über westliche Harmonielehren hinausreicht. Ein bemerkenswertes Projekt des Teams Motif, angeführt von Jad Al Masri, hat sich dieser Herausforderung angenommen und einen wichtigen Schritt in Richtung kulturell inklusiver Musik-KI gemacht.
Viele der aktuell verfügbaren KI-Audiomodelle wurden primär auf Datensätzen trainiert, die westliche Musiktraditionen repräsentieren. Dies führt dazu, dass Musikformen, die auf anderen Skalen, Intervallen und Strukturen basieren – wie beispielsweise die arabische Maqam-Musik mit ihren mikrotonalen Nuancen – in der Regel nicht adäquat verarbeitet oder generiert werden können. Die Maqam-Musik, ein komplexes Melodiesystem des Nahen Ostens, verwendet Vierteltöne und spezifische melodische Muster, die für westlich trainierte KIs schwer zu erfassen sind.
Vor diesem Hintergrund hat das Team Motif eine innovative Lösung entwickelt. Sie nahmen das generative Audiomodell Stable Audio 3.0 von Stability AI – ein Modell, das sich durch seine Fähigkeit auszeichnet, Musik und Soundeffekte aus Textprompts zu erzeugen und lokal auf Geräten zu laufen – und unterzogen es einem spezifischen Fine-Tuning. Das Ziel war es, dem Modell die Besonderheiten der arabischen Maqam-Musik beizubringen.
Für das Fine-Tuning wurde ein proprietärer Datensatz mit über 100 von Experten annotierten Maqam-Aufnahmen verwendet. Diese Daten wurden von Maqam-Spezialisten kuratiert und mit präzisen Metadaten versehen, um dem Modell ein tiefgehendes Verständnis der musikalischen Strukturen zu ermöglichen. Das Training erfolgte auf einer H100 80GB GPU unter Verwendung von bf16 Mixed Precision und Rectified Flow Loss, was eine effiziente und präzise Anpassung des Modells gewährleistete. Die LoRA (Low-Rank Adaptation)-Technik wurde eingesetzt, um das Basismodell Stable Audio 3 Medium (mit 1,4 Milliarden Parametern) anzupassen. Dabei wurden etwa 73 Millionen trainierbare Parameter modifiziert, was etwa 4,8% der Gesamtparameter ausmacht.
Ein entscheidender Aspekt des Projekts war die Entwicklung eines Ableton-Plugins. Dieses Plugin ermöglicht es Musikern und Produzenten, die feinabgestimmten Funktionen des Modells direkt in ihrer gewohnten digitalen Audio-Workstation (DAW) zu nutzen. Das Plugin erlaubt die mikrotonale Stilübertragung, was bedeutet, dass Nutzer existierende musikalische Ideen mit den charakteristischen Klängen und Melodien der Maqam-Musik anreichern können. Die Tatsache, dass dieses Plugin lokal auf dem Gerät läuft, bietet den Anwendern nicht nur Datenschutz, sondern auch eine geringere Latenz und mehr Kontrolle über den kreativen Prozess.
Das Projekt von Team Motif wurde beim Stable Audio 3.0 Challenge des Music Hackspace Hackathons in Boston, der im Anschluss an den Berklee College of Music AI Music Summit stattfand, mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Die Jury würdigte nicht nur die technische Leistung, sondern auch den ethischen und kulturell inklusiven Ansatz. Das Team gewann zudem den dritten Platz in der Ableton-Kategorie und erzielte die höchste Gesamtpunktzahl des Hackathons. Rithik Kundu, ein Mitglied des Teams, hob hervor, dass der Erfolg in nur zwei Tagen erzielt wurde.
Dieser Erfolg hat weitreichende Implikationen für die Entwicklung von KI in der Musik. Er unterstreicht die Notwendigkeit, Datensätze zu diversifizieren und Modelle so zu trainieren, dass sie die reiche Vielfalt musikalischer Traditionen weltweit abbilden können. Die Initiative von Motif zeigt, dass es möglich ist, KI-Tools zu schaffen, die nicht nur technisch fortschrittlich sind, sondern auch kulturell sensibel und inklusiv agieren. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für Musiker aus verschiedenen kulturellen Hintergründen, ihre Musik mit Hilfe von KI zu schaffen und zu experimentieren, ohne dabei die Authentizität ihrer Traditionen zu verlieren.
Die lokale Ausführung der Modelle auf Geräten ist ebenfalls ein wichtiger Trend. Sie stärkt die Autonomie der Künstler und reduziert die Abhängigkeit von Cloud-basierten Diensten, was für viele Kreative ein entscheidender Faktor ist.
Das Projekt von Team Motif ist ein Beispiel dafür, wie gezieltes Fine-Tuning und die Entwicklung maßgeschneiderter Tools die Grenzen von generativer KI in der Musik erweitern können. Es demonstriert das Potenzial, KI als Partner für kulturelle Bewahrung und Innovation einzusetzen, indem es traditionelle Musikformen für neue kreative Anwendungen zugänglich macht. Die Diskussion um ethische und kulturell inklusive KI-Entwicklung wird durch solche Projekte maßgeblich vorangetrieben und zeigt einen Weg auf, wie Technologie dazu beitragen kann, die globale musikalische Landschaft zu bereichern.
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