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Die rapide Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren zu einer Flut von Innovationen geführt, die unseren Alltag und die Geschäftswelt grundlegend verändern. Während die meisten modernen Sprachmodelle (LLMs) darauf abzielen, ein möglichst breites und aktuelles Wissen über die Welt zu akkumulieren, geht ein jüngstes Projekt einen gänzlich anderen Weg. Ein Entwickler hat ein Sprachmodell konzipiert, das bewusst im Jahr 1834 – und somit in der Viktorianischen Ära – "steckengeblieben" ist. Dieses Modell, genannt "TimeCapsuleLLM", besitzt keinerlei Kenntnisse über das Internet, Smartphones oder andere Errungenschaften der modernen Welt und soll genau diesen Zustand beibehalten.
Das Konzept hinter TimeCapsuleLLM ist ebenso faszinierend wie ungewöhnlich. Während herkömmliche KI-Modelle darauf ausgelegt sind, den Zugang zu aktuellen Informationen zu maximieren, wurde dieses spezielle LLM mit einer strikt begrenzten Datenbasis trainiert. Die Trainingsdaten umfassen ausschließlich Texte, die zwischen 1800 und 1875 verfasst wurden. Diese Methode, die als "Selective Temporal Training" bezeichnet wird, soll sicherstellen, dass das Sprachmodell keinerlei moderne Konzepte versteht und die Sprache sowie das Weltbild der damaligen Zeit authentisch widerspiegelt. Ziel ist es, eine digitale Zeitkapsel zu schaffen, die als Werkzeug für historische Forschung und die Analyse vergangener Sprachmuster dienen kann.
Die Grundlage für TimeCapsuleLLM bildeten diverse Textquellen aus dem 19. Jahrhundert. Dazu gehören namhafte literarische Werke wie Jane Austens "Stolz und Vorurteil" (1813), Charles Dickens' "Oliver Twist" (1836) und Mary Shelleys "Frankenstein" (1826). Ergänzt wurden diese durch ausgewählte Ausgaben zeitgenössischer Zeitungen und Magazine wie der Times London, des Morning Chronicle und des Evening Standard. Auch weniger offensichtliche Quellen wie Gebetsbücher, Kochbücher und politische Abkommen der Epoche flossen in den Trainingsdatensatz ein. Dies gewährleistet eine vielschichtige und repräsentative Abbildung des damaligen Sprachgebrauchs und Wissensstands.
Die Entwicklung des Modells erfolgte in mehreren Iterationen:
Die Idee, Maschinen mit menschlichen Denkfähigkeiten auszustatten oder zu simulieren, ist keineswegs neu. Die Geschichte der künstlichen Intelligenz reicht weit zurück und ist geprägt von Faszination und Skepsis.
Diese frühen Beispiele zeigen, dass die Auseinandersetzung mit "künstlicher Intelligenz" – wenn auch in rudimentärer Form – eine lange Tradition hat. Die Entwicklung von TimeCapsuleLLM reiht sich in diese Geschichte ein, indem es die Möglichkeit erforscht, Wissen und Denkweisen einer vergangenen Epoche digital zu konservieren und zugänglich zu machen.
Für Unternehmen im B2B-Sektor, insbesondere im Bereich der KI-Entwicklung und -Anwendung, bietet das Projekt TimeCapsuleLLM interessante Perspektiven und Ansatzpunkte:
Das Projekt TimeCapsuleLLM ist mehr als nur ein kurioses Experiment. Es ist eine tiefgründige Untersuchung der Natur von Wissen und Intelligenz in einem künstlichen Kontext. Indem es die KI bewusst in einer vergangenen Zeit verankert, zwingt es uns, über die Herkunft, die Grenzen und die kulturelle Prägung von Informationen nachzudenken. Für die B2B-Welt, in der die Anwendung von KI-Technologien immer komplexer wird, bietet dieses Modell wertvolle Einblicke in die Notwendigkeit präziser Datenstrategien, das Potenzial spezialisierter KI-Lösungen und das Verständnis für die inhärenten Limitationen selbst der fortschrittlichsten Algorithmen. Es erinnert uns daran, dass jede "Intelligenz", ob menschlich oder künstlich, untrennbar mit ihrem Kontext und ihren Erfahrungen verbunden ist.
- Fuhrmann, Marvin. "Diese KI kennt weder Internet noch Smartphones – und soll genau so bleiben." t3n, 18. Januar 2026. - Autoren der Wikimedia-Projekte. "Analytical Engine." Wikipedia, 21. Januar 2019. - Wakonigg, Daniela. "Urahn von Robotern und Künstlicher Intelligenz: Der Schachtürke." WDR ZeitZeichen, 5. Juli 2024. - Schöpfer, Linus, Ruth Fulterer, und Jasmine Rueegg (Illustration). "Wird sie zu Gott? Oder ist sie der grösste Irrtum der Menschheit? Eine Zeitreise durch Geschichte und Zukunft der künstlichen Intelligenz." NZZ, 30. November 2025. - Amrein, Martin (Text) und Daniel Röttele (Infografik). "Die Ursprünge der künstlichen Intelligenz: So lernten die Maschinen das Lernen." NZZ, 30. September 2025. - Rötzer, Florian. "Sind die digitalen Medien ein Trojanisches Pferd, das die Menschen so verblödet, dass KI diese Leere auffüllen kann?" Overton Magazin, 19. Januar 2026. - HNF. "Schachtürke wieder zum Leben erweckt." Heinz Nixdorf MuseumsForum, 1. Januar 2025.
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