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Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Geschäftsprozesse schreitet rasant voran. Von der Automatisierung von Kundenservice bis zur Optimierung komplexer Lieferketten – KI-Anwendungen versprechen Effizienzsteigerungen und innovative Lösungen. Doch während Unternehmen Milliarden in die Entwicklung und Implementierung dieser Technologien investieren, sehen sie sich zunehmend mit einer unerwarteten Hürde konfrontiert: der Preisgestaltung für KI-Dienstleistungen und der Kontrolle der damit verbundenen Kosten. Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Gründe, warum die Festlegung von Preisen für KI-basierte Angebote eine komplexe Aufgabe darstellt und welche Implikationen dies für die B2B-Zielgruppe hat.
Im Zentrum der Problematik steht die sogenannte "Token-Ökonomie". Large Language Models (LLMs) und agentische KI-Systeme verarbeiten Anfragen, indem sie diese in mathematische Einheiten, sogenannte Tokens, zerlegen. Jede Interaktion mit einem KI-Modell – sei es eine Frage, die Generierung von Code oder die Automatisierung eines Prozesses – verbraucht Tokens. Die Antwort des Modells wird ebenfalls in Tokens generiert und anschließend in eine für den Menschen lesbare Form umgewandelt.
Das Kernproblem dieser Token-basierten Abrechnung liegt in ihrer inhärenten Unvorhersehbarkeit. Simon Gooch von Saviynt, einem Unternehmen, das agentische KI in seine Dienste integriert, bringt es auf den Punkt: "Der Versuch, jemanden für die nächsten 12 Monate, zwei Jahre, drei Jahre an ein Kostenmodell zu binden, ist ehrlich gesagt unsinnig, weil wir es nicht wissen."
Diese Unvorhersehbarkeit resultiert aus mehreren Faktoren:
Obwohl die Kosten für einzelne Tokens in den letzten Jahren gesunken sind, wie Analysen von Goldman Sachs zeigen, ist der Gesamtverbrauch an Tokens exponentiell angestiegen. Goldman Sachs prognostiziert, dass der Token-Verbrauch zwischen 2026 und 2030 um das 24-fache auf 120 Quadrillionen Tokens pro Monat ansteigen wird, da Unternehmen verstärkt auf KI-Agenten umsteigen.
Viele Unternehmen und individuelle Nutzer von KI-Systemen haben Schwierigkeiten, ihren tatsächlichen Token-Verbrauch zu überblicken, bis sie entweder ihre monatliche Rechnung erhalten oder feststellen, dass ihr Budget aufgebraucht ist. Berichten zufolge musste sogar Microsoft den Einsatz bestimmter Drittanbieter-Codierungstools durch seine Ingenieure einschränken, und Uber soll sein Jahresbudget für KI-Codierungs-Tokens innerhalb weniger Monate überschritten haben.
Will Venters, außerordentlicher Professor für Digitale Innovation und Informationssysteme an der London School of Economics, stellt fest, dass Unternehmen bei der internen Implementierung von KI Schwierigkeiten haben, die Kosten zu kontrollieren, da Mitarbeiter Tokens verbrauchen. Er betont: "Die Menschen finden es wirklich schwer, diese Kosten zu verwalten... es ist ein nicht-deterministischer Output, also ist es ein nicht-deterministischer Wert."
Die Schwierigkeit, den Wert eines nicht-deterministischen Outputs zu bemessen, wirkt sich direkt auf die Preisgestaltung aus. Wie können Unternehmen einen fairen und profitablen Preis festlegen, wenn der Aufwand und der genaue Nutzen jeder KI-Interaktion variieren?
Unternehmen suchen nach Wegen, diese Herausforderungen zu meistern:
Die Schwierigkeit der Kostenkontrolle wird noch größer, wenn KI in Produkte integriert wird, die an Tausende von Benutzern ausgeliefert werden. Venters weist darauf hin, dass die KI-Kosten schnell in die Höhe schnellen können, beispielsweise wenn Tokens nicht nur für die Kernsoftwareentwicklung, sondern auch für Tests, Sicherheit oder die Implementierung von Schutzmechanismen benötigt werden.
Die einfache Skalierung durch das Hinzufügen weiterer KI-Agenten per Knopfdruck steht im Gegensatz zur sorgfältigen Personalplanung bei menschlichen Arbeitskräften und trägt zur Kostenintransparenz bei.
Trotz der unvorhersehbaren Token-Kosten kann der Einsatz von KI letztendlich einen höheren Wert für das Unternehmen generieren. Venters merkt an, dass es nicht dasselbe ist wie ein Taschenrechner: "Je mehr man ihm gibt, desto teurer wird es, aber desto besser kann das Ergebnis sein." Dies impliziert, dass Unternehmen den Wert, den KI schafft, gegen die variablen Kosten abwägen müssen.
Die entscheidende Frage bleibt jedoch, wie diese Kosten an die eigenen Kunden weitergegeben werden können. Bill Peterson, Senior Director of Product Marketing bei Sumo Logic, einem Softwareunternehmen, das neue Sicherheitsdienste auf Basis agentischer KI anbietet, bestätigt, dass es noch keine etablierten Lösungen gibt. Die internen Diskussionen hierzu sind intensiv.
Optionen für die Preisgestaltung von KI-Diensten könnten sein:
Peterson weist jedoch auf ein weiteres Problem hin: Wenn die Anbieter der großen Sprachmodelle ihre eigenen Preisstrategien ändern, kann dies die gesamte Preisstruktur eines Unternehmens durcheinanderbringen. "Man gerät in eine variable Preisgestaltung, die sich alle paar Monate ändert", sagt er. "Das mögen Kunden nicht. So erstellt niemand ein Budget."
Die Preisgestaltung für KI-Dienstleistungen ist eine der größten Herausforderungen, mit denen Unternehmen in der aktuellen Innovationsphase konfrontiert sind. Die inhärente Unvorhersehbarkeit der Token-Nutzung, die rasant steigenden Verbrauchszahlen und die Schwierigkeit, den Wert nicht-deterministischer Outputs zu bemessen, erschweren eine transparente und stabile Preispolitik. Für B2B-Unternehmen, die KI-Lösungen anbieten oder nutzen, ist es unerlässlich, innovative Abrechnungsmodelle zu entwickeln, die sowohl den dynamischen Kostenstrukturen gerecht werden als auch für Kunden planbar und nachvollziehbar sind. Die Fähigkeit, diese Komplexität zu meistern, wird ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz sein.
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