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Die rapide Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) stellt Regierungen weltweit vor neue regulatorische Herausforderungen. Insbesondere im Bereich der KI-gestützten Interaktionsdienste, die menschliche Merkmale imitieren, hat die Volksrepublik China nun einen bedeutenden Schritt unternommen. Mit dem Inkrafttreten der "Interim Measures for the Administration of AI Anthropomorphic Interactive Services" am 15. Juli 2026 etabliert Peking ein umfassendes Regelwerk, das weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung und den Betrieb von KI-Begleitern und ähnlichen Anwendungen hat.
Die am 10. April 2026 gemeinsam von der Cyberspace Administration of China (CAC) und vier weiteren Ministerien (Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, Ministerium für öffentliche Sicherheit und Staatliche Verwaltung für Marktregulierung) erlassenen Maßnahmen stellen den ersten nationalen Rahmen dieser Art dar. Sie definieren "anthropomorphe interaktive KI" als Produkte, die menschliche Persönlichkeitsmerkmale, Denkweisen und Kommunikationsstile simulieren, um eine anhaltende emotionale Interaktion zu ermöglichen. Ausgenommen sind hingegen Kundendienst-Bots, Wissens-Q&A-Systeme, Arbeitsplatzassistenten sowie Bildungs- und Forschungstools, sofern diese keine anhaltende emotionale Bindung aufbauen.
Die Kernpunkte der Vorschriften umfassen:
Als direkte Reaktion auf die bevorstehenden Vorschriften haben zwei der größten chinesischen Technologieunternehmen, ByteDance und Alibaba, angekündigt, ihre Funktionen für menschlich anmutende KI-Agenten einzustellen. ByteDance informierte Nutzer seiner KI-App Doubao, dass die Agentenfunktion am 15. Juli eingestellt wird, unter Verweis auf "Anpassungen der Produktfunktionen". Alibaba erklärte, dass die menschlich anmutenden und von Nutzern erstellten Agenten von Qwen am 10. Juli und die breiteren Agentendienste fünf Tage später nicht mehr funktionieren würden. Auch Tencents Yuanbao hatte bereits im Juni eine vergleichbare Funktion zurückgezogen.
Diese Entscheidungen spiegeln die Herausforderung wider, die bestehenden Dienste an die neuen regulatorischen Anforderungen anzupassen. Die Implementierung von Anti-Sucht-Systemen und die Notwendigkeit, eine anhaltende emotionale Bindung zu vermeiden, stehen im Widerspruch zum ursprünglichen Design vieler dieser KI-Begleiter, die gerade auf Beständigkeit und persönliche Interaktion abzielen. Anstatt diese Funktionen umzugestalten, entschieden sich die Unternehmen für deren Abschaltung.
Die Auswirkungen auf die Nutzer sind spürbar. Viele drückten in sozialen Medien wie Weibo ihre Trauer über die Abschaltung aus, da sie die KI-Agenten als wichtige emotionale Unterstützung empfanden. Doubao bietet Nutzern die Möglichkeit, ihre Konfigurationen und Konversationen bis zum 15. Oktober dieses Jahres im Nur-Lese-Modus einzusehen, bevor die Daten gelöscht werden. Qwen-Nutzern wurde eine solche Frist nicht eingeräumt, ihre Agentendaten werden dauerhaft gelöscht.
Die chinesischen Vorschriften sind in ihrer Breite und Detailtiefe bemerkenswert und gehen in vielen Bereichen über bestehende Regelwerke in der EU oder den USA hinaus. Sie adressieren dokumentierte Schäden, wie die emotionale Bindung von Teenagern an Chatbots oder die Erfassung intimer Daten durch Begleiter-Apps. Die chinesische Regierung selbst verweist auf internationale Beispiele wie Klagen gegen Character.AI wegen psychologischer Schäden an Teenagern, Untersuchungen der FTC zu Begleiterdiensten und Maßnahmen Europas gegen Replika, um die Notwendigkeit solcher Regulierungen zu untermauern.
Dennoch bleiben wichtige Fragen offen:
Experten wie Pan Helin, Mitglied eines Expertengremiums des MIIT, betonen die Notwendigkeit der Politik aufgrund der mangelnden Reife aktueller Agenten und verorten sie im Kontext von Sicherheit und Standardisierung. Die Unternehmen haben vorerst den sichersten Weg gewählt, indem sie die betroffenen Komponenten abschalten und prüfen, wie eine konforme Version zukünftig aussehen könnte.
Chinas neue KI-Regulierung für anthropomorphe Interaktionsdienste markiert einen Wendepunkt in der globalen Debatte um die Steuerung von KI. Sie zeigt einen entschlossenen Ansatz zur Adressierung potenzieller Risiken, insbesondere im Hinblick auf Minderjährigenschutz und Suchtprävention. Gleichzeitig wirft sie Fragen auf bezüglich der Abgrenzung von emotionaler Interaktion, der Haftung und des Gleichgewichts zwischen Nutzersicherheit und staatlicher Kontrolle. Die internationalen Beobachter werden genau verfolgen, welche Teile dieses Regelwerks sich als wirksam erweisen und welche Implikationen sich für die Entwicklung und Nutzung von KI weltweit ergeben.
Bibliographie:
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