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Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
die fortschreitende Integration künstlicher Intelligenz in Unternehmensabläufe stellt Organisationen vor neue Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Steuerung und Messung der Mitarbeiternutzung. Ein aktueller Fall bei Amazon, einem der weltweit größten Technologieunternehmen, beleuchtet die Komplexität dieser Thematik.
Berichten zufolge hat Amazon ein internes KI-Ranking-System namens „KiroRank“ eingestellt. Dieses Dashboard, das die Aktivitäten der Mitarbeitenden auf Amazons Kiro-Entwicklerplattform bewertete, sollte ursprünglich die Akzeptanz und Nutzung von KI-Tools im Unternehmen fördern. Die Entscheidung zur Einstellung erfolgte, nachdem festgestellt wurde, dass Mitarbeitende das System manipulierten, indem sie KI-Agenten für überflüssige Aufgaben einsetzten, um ihre Punktzahlen zu erhöhen. Dieses Vorgehen wurde intern als „Tokenmaxxing“ bezeichnet.
Das Phänomen des „Tokenmaxxing“ führte Berichten zufolge zu einer signifikanten Steigerung der Cloud-Kosten für Amazon. Dave Treadwell, Senior Vice President bei Amazon, soll die Mitarbeitenden explizit darauf hingewiesen haben, KI nicht nur um der Nutzung willen einzusetzen. Er betonte, dass das Dashboard zwar mit „guten Absichten“ entwickelt worden sei, jedoch letztlich zu zusätzlichen Kosten geführt habe.
Die Situation entstand vor dem Hintergrund, dass Amazon das Ziel ausgegeben hatte, über 80 Prozent seiner Entwickler dazu zu bewegen, wöchentlich KI zu nutzen. Zudem plant das Unternehmen für das Jahr 2026 Investitionen in Höhe von rund 200 Milliarden US-Dollar, wovon der Großteil in die KI-Infrastruktur fließen soll.
Als Reaktion auf die Erfahrungen mit „KiroRank“ hat Amazon eine Neuausrichtung seiner Messkriterien für KI-Nutzung angekündigt. Anstatt die reine Token-Nutzung zu verfolgen, konzentriert sich das Unternehmen nun auf „normalisierte Implementierungen“. Dieser Ansatz zielt darauf ab, den tatsächlichen Nutzen und die Qualität des durch KI generierten Codes zu messen, anstatt lediglich die Quantität der Interaktionen mit KI-Systemen zu erfassen. Das Management soll die Mitarbeitenden angewiesen haben, sich auf die Entwicklung besserer Produkte zu konzentrieren, anstatt die KI-Nutzung künstlich zu steigern.
Es ist festzuhalten, dass Amazon mit dieser Herausforderung nicht allein steht. Ähnliche Muster der künstlichen Steigerung von KI-Nutzung zur Erreichung interner Ziele wurden auch bei anderen Technologieunternehmen, wie beispielsweise Meta, beobachtet. Dies verdeutlicht eine branchenweite Problematik bei der Gestaltung von Anreizsystemen für neue Technologien und der Messung ihrer Effektivität.
Die Umstellung auf verbrauchsbasierte Preismodelle bei KI-Dienstleistern, wie sie beispielsweise von Anthropic angeboten werden, verstärkt zudem die Notwendigkeit für Unternehmen, die tatsächliche Wertschöpfung der KI-Nutzung genau zu überwachen und unnötige Kosten zu vermeiden.
Der Fall Amazon bietet wichtige Erkenntnisse für B2B-Unternehmen, die KI-Technologien implementieren oder ihre Nutzung fördern möchten:
Die Erfahrungen bei Amazon unterstreichen, dass die Einführung von KI-Technologien mehr als nur eine technische Implementierung ist. Sie erfordert eine ganzheitliche Betrachtung von Anreizen, Kosten, Messsystemen und der Unternehmenskultur, um das volle Potenzial der KI verantwortungsvoll und effizient zu nutzen.
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